Anonymisierungssoftware Tor fĂŒr Android und IPv6
WĂ€hrend die erste Tor-Portierung fĂŒr Android noch auf Java setzte, lĂ€uft das in Orbot eingebaute und in C geschriebene Tor-Programm nativ auf dem Handy-Linux. ZusĂ€tzlich arbeiten die Tor-Entwickler gerade an der IPv6-UnterstĂŒtzung fĂŒr das Anonymisierungsnetz.
Der Entwickler Nathan Freitas [1] hat bekannt gegeben, dass die Anonymisierungssoftware Tor nativ unter dem Mobil-Betriebssystem Android lĂ€uft. Zu der in der Programmiersprache C geschriebenen Portierung gehören Hilfsmittel, die die Tor-Software installieren, starten und fĂŒr Android-Nutzer bedienbar machen. Die quelloffene Software The Onion Router [2] (Tor) verschleiert die tatsĂ€chlichen IP-Adresse eines Surfers ĂŒber ein Netz aus Vermittlungsstellen (Nodes), die von Freiwilligen aus aller Welt betrieben werden. Das Programm kann jedoch nicht alle Daten bei der Ăbertragung anonymisieren, warnen [3] die Tor-Entwickler auf der Projektseite.
(Bild:Â http://openideals.com/2009/10/22/orbot-proxy)
Freitas Android-Programm nennt sich Orbot, bringt im Paket die eigene Tor-Anwendung mit, regelt die Installation und besitzt eine grafische OberflĂ€che, die Tor startet und stoppt. AuĂerdem stellt Orbot einen HTTP-Proxy [4] bereit und zeigt Protokolle sowie Statusmeldungen an. Laut Freitas ist die Geschwindigkeit der in C geschriebenen Tor-Software deutlich besser als die vor kurzen veröffentlichte Java-Portierung. Orbot belaste kaum den Akku und wirke sich nur wenig auf die Geschwindigkeit des Mobiltelefons aus. In der nĂ€chsten Zeit will Freitas den an der Cambridge-University entwickelten Open-Source-Browser Shadow [5] anpassen, sodass er mit Orbots eingebauten HTTP-Proxy zusammenarbeitet.
Bereits Mitte September hatte die Digital Technology Group (DTG) an der University of Cambridge einen in Java geschriebenen Tor-Ableger [6] vorgestellt. Der Tor-Entwickler Jacob Appelbaum, der auch an Orbot beteiligt ist, Ă€uĂerte allerdings gegenĂŒber heise Security Zweifel an der ZuverlĂ€ssigkeit dieser Tor-Umsetzung. Er empfahl damals eine in C geschriebene Version fĂŒr Android, also genau das, was er und Freitas nun veröffentlicht haben. Appelbaum bestĂ€tigte zudem, dass man Tor momentan um IPv6 [7] erweitere. Aktuell arbeite er daran, dass Rechner das IPv6-Protokoll im Tor-Netz einsetzen können. AnschlieĂend wolle man die Exit-Nodes IPv6 tauglich machen, spĂ€ter dann auch die Tor-Verzeichnisdienste.
Weitere Details zu Orbot finden sich im Blog [8] von Nathan Freitas. Der Quelltext von Orbot befindet sich noch in einer frĂŒhen Entwicklungsphase und steht als Eclipse-Projekt zum Download bereit, das sich leicht in die Enwicklungsumgebung importieren lĂ€sst und dort ĂŒbersetzt werden kann. Freitas sucht fĂŒr sein Projekt Mitstreiter und arbeitet zudem daran, Orbot "möglichst bald" im Android App Market zu veröffentlichen.
Siehe auch:
(rek [11])
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[1] http://openideals.com/about/
[2] http://www.torproject.org/
[3] https://www.torproject.org/download.html.de#Warning
[4] http://www.heise.de/glossar/entry/Proxy-398695.html
[5] http://www.cl.cam.ac.uk/research/dtg/android/tor/
[6] https://www.heise.de/news/Tor-Ableger-fuer-Android-Handys-erhaeltlich-789132.html
[7] http://www.heise.de/glossar/entry/Internet-Protocol-Version-6-395548.html
[8] http://openideals.com/2009/10/22/orbot-proxy/
[9] http://github.com/nextgens/Tor
[10] http://github.com/nextgens/Tor/blob/ipv6bridging/doc/spec/proposals/ideas/xxx-ipv6-bridges.txt
[11] mailto:rek@ct.de
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