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Apple Pay: Mobil bezahlen mit dem iPhone

Thomas Kaltschmidt

Apple will nun auch das kontaktlose Bezahlen revolutionieren: Auf einer Pressekonferenz in Cupertino stellte das Unternehmen seinen neuen Bezahldienst vor.

Zusammen mit den neuen iPhone 6 hat Apple seinen neuen mobilen Bezahldienst namens Apple Pay vorgestellt, der das bargeldlose Bezahlen mit einem Fingertipp auf den Touchsensor erledigen soll (vgl. Mac & i Liveticker [1]). Der Dienst ist Teil der App Passbook, mit der sich heute schon unter anderem Tickets und Bordkarten verwalten und einlösen lassen. Auf technischer Seite setzt es auf den Kurzstreckenfunk NFC, der in die neuen iPhone-6-Modelle [2] integriert ist.

Eddy Cue erklÀrt auf der Presseveranstaltung in Cupertino das neue Bezahlsystem Apple Pay, das zunÀchst nur in den USA startet.

Eddy Cue erklÀrt auf der Presseveranstaltung in Cupertino das neue Bezahlsystem Apple Pay, das zunÀchst nur in den USA startet.

(Bild: Apple)

Teilnehmer können ihre Kreditkarte wahlweise aus dem iTunes-Store hinzufĂŒgen oder mit der iSight-Kamera abfotografieren. Kreditkarten-Nummern werden niemals auf Apple-Servern oder auf dem Device gespeichert, versprach Apples Online-Chef Eddy Cue. Den Bezahlvorgang verifiziert man mit Hilfe des im iPhone integrierten Fingerabdruckscanners Touch-ID. Jede Transaktion wird durch eine eindeutige Nummer abgesichert. Laut Eddy Cue erfĂ€hrt Apple auch nicht, wer was wo gekauft hat und wie viel er dafĂŒr bezahlt hat. Der HĂ€ndler wiederum sieht weder Namen, Kartennummer noch Sicherheitscode.

Apple

Apple Pay ist in Passbook integriert, ĂŒber das man schon heute Tickets, Bordkarten und Ă€hnliches verwaltet und einlöst.

(Bild: Apple)


[Update, 9.9.2014, 21:45 Uhr]

FĂŒr das Bezahlen mit dem iPhone 6 muss man weder das GerĂ€t entsperren, noch eine App starten. Es genĂŒgt, den Finger auf den Touch-ID-Sensor zu halten und das GerĂ€t in die NĂ€he des LesegerĂ€tes zu halten. Laut Apple sind alle Zahlungsinformationen verschlĂŒsselt und auf dem iPhone ausschließlich in dem Secure Element Chip M8 im Innern des iPhone sicher gespeichert.

Details wie zum Übertragungsverfahren und Protokoll, ob es sich dabei um einen Standard oder eine proprietĂ€re Lösung handelt und ob der HĂ€ndler ein neues LesegerĂ€t benötigt, wenn er bereits ein NFC-Terminal besitzt, ließ Apple bislang offen.

Mit der neuen Apple Watch sollen ebenso BezahlvorgĂ€nge möglich sein, zum Beispiel beim Kauf eines Kaffees. Möglicherweise funktioniert das nur mit sehr geringen BetrĂ€gen, denn die Uhr verfĂŒgt ĂŒber keinen Touch-ID-Sensor. Und wenn man den des iPhone sowieso braucht, ergibt es wenig Sinn, den Vorgang ĂŒber die Uhr anzustoßen, außer, dass es vielleicht bequemer ist. Über nĂ€here Details schweigt sich Apple vorerst aus.

[Update, 10.9.2014, 14:30 Uhr]

FĂŒr das Bezahlen mit der Apple Watch muss man nicht unbedingt das iPhone 6 besitzen, es reicht auch ein iPhone 5, 5c oder 5s. Den Vorgang stĂ¶ĂŸt man mit einem Doppelklick auf den Knopf unterhalb des DrehrĂ€dchens an und hĂ€lt den Uhren-Screen dann Richtung LesegerĂ€t. Ein taktiles Feedback und ein Ton der Uhr informieren ĂŒber den erfolgreichen Datenaustausch. Offenbar scannt und verarbeitet das LesegerĂ€t das, was auf dem Schirm erscheint.

Ein Sprecher von Mastercard sagte dem Sender Bloomberg, daß fĂŒr die Valdierung einer Transaktion mit Apple Pay ein eindeutiger Nachweis (unique credential), ein Fingerprint oder ein Passcode verwendet werden kann. GrundsĂ€tzlich wird diesselbe Technik eingesetzt, die man heute schon fĂŒr Chip-Karten benutzt, statt dem Sicherheits-Chips auf der Karte kommt ein Spezial-Chip auf dem iPhone zum Einsatz.

[/Update]

Apple Pay startet ab Oktober zunÀchst in den USA in Zusammenarbeit mit American Express, Mastercard und Visa. Man soll bereits 220.000 Bezahlstationen nutzen können.

Was macht die Konkurrenz?

Firmen wie Google, Paypal, Deutsche Telekom, Vodafone und Kreditkartenanbieter wie Mastercard und Visa sind lĂ€ngst auf den Zug "kontaktloses Bezahlen" aufgesprungen; in der breiten Masse angekommen ist das Angebot bislang aber nicht. Gerade Deutschland gilt in dieser Hinsicht als konservativ – bis der von den meisten Anbietern verwendete Kurzstreckenfunk NFC akzeptiert ist, wird es eine Weile dauern. Die ZurĂŒckhaltung auf Nutzerseite wiederum lĂ€sst den Ausbau der nötigen Kassenterminals stocken. Von den etwa 800.000 bei deutschen HĂ€ndlern installierten Terminals sind gerade einmal um die 35.000 NFC-fĂ€hig. An den Smartphones liegt es weniger, zahlreiche Android und Windows-Phone-Handys haben NFC eingebaut, das iPhone zieht jetzt erst nach.

Die Deutsche Telekom hat Anfang des Jahres [3] in Zusammenarbeit mit Mastercard und ClickandBuy ihre digitale Brieftasche MyWallet in Deutschland gestartet, die sich nicht nur zum kontaktlosen Bezahlen, sondern auch fĂŒr digitale Coupons von LebensmittelhĂ€ndlern und demnĂ€chst auch fĂŒr Tickets, Fahrscheine und Bonuskarten eignen soll. Voraussetzung ist ein Mobilfunkvertrag bei der Telekom und NFC-Technik, diese kann man mit einem Sticker auch nachrĂŒsten. (thk [4])


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https://www.heise.de/-2382575

Links in diesem Artikel:
[1] http://live.mac-and-i.de/Event/Apple-Event_September_2014
[2] https://www.heise.de/news/iPhone-6-Groesser-schneller-nahfunkend-2382636.html
[3] http://www.heise.de/newsticker/meldung/Telekom-startet-digitale-Brieftasche-MyWallet-2183854.html
[4] mailto:thk@ct.de