Aufwachprobleme
Moderne Betriebssysteme können den PC-Hauptprozessor in Arbeitspausen in einen Standby-Zustand versetzen. Bei vielen Sockel-A-Mainboards fĂŒhrt dies aber nicht zu einem kĂŒhleren Prozessor. Freeware-Tools fĂŒr Windows und Linux sorgen auch beim Athlon fĂŒr Sparbetrieb - unter UmstĂ€nden aber mit unerwĂŒnschten Nebenwirkungen.
Aktuelle Betriebssysteme können den PC-Hauptprozessor in unterschiedliche Stromspar-Modi schalten, wenn keine Rechenarbeiten anstehen, der Prozessor also âidleâ ist. Das kann bei modernen Hochleistungsprozessoren mehrere Hundert Male pro Sekunde passieren. Effektives âPower Managementâ sorgt fĂŒr einen kĂŒhleren Kopf des Prozessors und kann in Verbindung mit einer LĂŒfterregelung den PC leiser machen.
Bei den meisten verkauften Sockel-A-Mainboards laufen allerdings alle MaĂnahmen dieser Art ins Leere: Die BIOS-Programmierer verhindern effektives Stromsparen nĂ€mlich ganz bewusst. Das hat mehrere GrĂŒnde, unter anderem Fehler in manchen Athlon-Chips. Leider sind die HintergrĂŒnde sehr verwickelt, doch in vielen FĂ€llen lassen sich auch Athlons zum Stromsparen zwingen.
Die ACPI-Spezifikation (Advanced Control and Power Management Interface) sieht fĂŒr den Prozessor unter anderem die âPower Management Statesâ C0, C1 und C2 vor. Arbeitet der Prozessor normale Befehle ab, befindet er sich im âWorkingâ-Zustand C0. Ein spezieller Befehl namens âHLTâ hat nur einen Zweck: Er versetzt den Prozessor in den âHaltâ-Zustand C1. Der Prozessor wacht daraus schnell wieder auf, wenn ihn beispielsweise ein Interrupt- oder ein Reset-Signal erreicht. Tiefer âschlĂ€ftâ die CPU im Stop-Grant-Zustand C2, kurz auch STPGNT genannt. Das Aufwachen aus diesem Zustand dauert lĂ€nger als aus dem HLT-Modus - je nach CPU-Typ und Chipsatz einige Hundert Taktzyklen. Zum Ein- und Ausschalten des C2 dient in spezieller Prozessor-Pin namens âSTPCLKâ.
Dieser ist mit der Southbridge des Chipsatzes verbunden. Die Southbridge kann das STPCLK-Signal nutzen, um die Leistungsaufnahme des Prozessor bei drohender Ăberhitzung zu drosseln. Doch auch ein ACPI-Betriebssystem kann einen leer laufenden Prozessor automatisch in den C2-Modus schicken, wie in der letzten c't-Ausgabe 17/01 auf Seite 114 [1] beschrieben war. Ein spezieller ACPI-Befehl liest das âPowerlevel-2â-Register in der Southbridge. Dieser Lesevorgang fĂŒhrt wiederum dazu, dass die Southbridge das STPCLK-Signal am Prozessor setzt.
Die Betriebssysteme Windows NT, Windows 2000, OS/2 und Linux steuern die CPU-Leistungsaufnahme nicht per ACPI, sondern ĂŒber den HLT-Befehl - also unabhĂ€ngig von einer korrekten ACPI-Implementierung durch die BIOS-Programmierer. So genannte Idle-Manager wie die ebenfalls in der letzten c't-Ausgabe erwĂ€hnten Tools Cpuidle oder CPUCooL rĂŒsten diesen HLT-Befehl bei den Windows-9x-Versionen nach.
Wie groĂ die Energieeinsparung im C1 oder C2 tatsĂ€chlich ist, hĂ€ngt allerdings von weiteren Details ab. Die Athlons und Durons von AMD nehmen im Halt- oder STPGNT-Zustand nur dann deutlich weniger Strom auf, wenn gleichzeitig auch der Prozessorkern vom Front-Side-Bus getrennt ist. Diesen âDisconnectâ-Modus aktiviert die Northbridge des Chipsatzes. Dazu dient eine komplizierte Signalfolge, die AMD im Prozessor-Datenblatt auf vier Seiten beschreibt. Alle Athlon-Northbridges beherrschen dieses âConnect and Disconnect Protocolâ, aber sie trennen den Prozessor nicht in jedem Falle vom FSB, wenn der HLT-Befehl eingetroffen ist oder das STPCLK-Signal aktiv ist. Vielmehr existiert ein spezielles Steuerregister in der Northbridge, das genau dieses Verhalten steuert. Bei den VIA-ChipsĂ€tzen KT133 und KT133A handelt es sich um Bit 7 am Offset 0x52 des Steuerregisters, das den schönen Namen âDisconnect Enable when STPGNT Detectedâ trĂ€gt.
Stromspar-Verhinderung
Nur wenn dieses Konfigurationsbit richtig gesetzt ist, kann man Athlons und Durons also in einen wirksamen Stromsparmodus schalten. Genau das verhindern die meisten BIOS-Programmierer bei Sockel-A-Mainboards absichtlich.
Ein Grund ist, dass der Prozessor-Tiefschlaf im C2 wegen des relativ langen Aufwachzeitraums zu minimalen LeistungseinbuĂen fĂŒhren kann - etwa zwei bis drei Prozentpunkte Unterschied sind je nach Benchmark messbar. In dieser winzigen GröĂenordnung liegen aber auch die Geschwindigkeitsunterschiede zwischen den schnellsten und langsamsten Athlon-Boards mit gleichem Chipsatz - kein Mainboard-Hersteller will sich durch die nebensĂ€chliche Stromspar-Funktion einen der hinteren PlĂ€tze in Hardware-Tests einhandeln.
Wackelkandidat
Der zweite Grund ist, dass schlecht ausgelegte Onboard-Spannungsregler und Billignetzteile die starken Stromschwankungen nicht vertragen, die die CPU beim Wechsel des Betriebszustandes von C1 oder C2 nach C0 erzeugt. Das kann zu SystemabstĂŒrzen, plötzlichem Neustart oder elektrischen Störungen fĂŒhren, wie Asus ausdrĂŒcklich in der Online-FAQ beschreibt [1|#literatur [2]] .
Doch viel wichtiger sind zwei âErrataâ des Athlon, wie auch AMD nach Intels Vorbild Prozessor-Bugs vornehm umschreibt. Laut âAMD Athlon Processor Model 4 Revision Guideâ [2|#literatur [3]] haben manche Athlons ausgerechnet mit dem beschriebenen Connect-Disconnect-Protokoll Probleme. Es kann vorkommen, dass der interne Taktfrequenzgenerator aus dem Tritt kommt, was sich aber durch eine BIOS-Anpassung vermeiden lieĂe (Fehler 11). In seltenen FĂ€llen schaffen es auĂerdem Athlons mit âhalbzahligenâ Frequenzmultiplikatoren wie 7,5 oder 11,5 nicht, sich wieder mit dem FSB zu verbinden (Fehler 14). Als einzigen âWork-Aroundâ empfiehlt AMD, den Strom sparenden C2-Zustand nicht zu benutzen.
Ein aufmerksamer c't-Leser verwies uns auf die Webseite von Martin Peters [3|#literatur [4]] , der dort nicht nur das Problem beschreibt, sondern auch noch die Freeware-Tools VCool fĂŒr Windows und LVCool fĂŒr Linux bereitstellt, die eine effektive CPU-KĂŒhlung auch beim Athlon ermöglichen. Doch Achtung: Wie auch beim Einsatz von CPUCooL kann es aus den genannten GrĂŒnden je nach Systemkonfiguration zu InstabilitĂ€ten kommen - in diesen FĂ€llen deinstalliert man die Software eben einfach wieder. (ciw [5]) [6]
Literatur
[1] www.asuscom.de/de/support/techmain/FAQ/mobo_cpu/faq100_cooling.htm [7]
[2] www.amd.com/products/cpg/athlon/techdocs/pdf/23614.pdf [8]
[3] http://mpet.freeservers.com/VCool_de.html [9] (ciw [10])
URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-285186
Links in diesem Artikel:
[1] http://www.heise.de/ct/01/17/112/
[2]
[3]
[4]
[5] mailto:ciw@ct.heise.de
[6]
[7] http://www.asuscom.de/de/support/techmain/FAQ/mobo_cpu/faq100_cooling.htm
[8] http://www.amd.com/products/cpg/athlon/techdocs/pdf/23614.pdf
[9] http://mpet.freeservers.com/VCool_de.html
[10] mailto:ciw@ct.de
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