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Ausprobiert: CNC-FrÀse YetiTool Smartbench

Carsten Meyer

Speziell fĂŒr die Bearbeitung großer Holz- und Kunststoff-Platten vor Ort ist die mobile Smartbench-FrĂ€se von YetiTool gedacht, die völlig autark arbeiten kann.

Die große, aber trotzdem zerlegbare und in weniger als fĂŒnf Minuten aufzubauende FrĂ€se des englischen Herstellers YetiTool [1], die in Deutschland von SauterShop [2] vertrieben wird, wendet sich vornehmlich an Tischlereien, Messe- und KĂŒchenbauer, sie dĂŒrfte aber auch in grĂ¶ĂŸeren Fablabs gut aufgehoben sein. Das GerĂ€t ist spezialisiert auf die 2,5D-Bearbeitung von Plattenware wie etwa KĂŒchenarbeitsplatten oder auch ganzer TĂŒren – das WerkstĂŒck darf dank der raffinierten Auflage-Vorrichtung bis zu 2500 mm × 1250 mm groß sein. TatsĂ€chlich lĂ€sst sich die FrĂ€se im Handumdrehen zusammen- und auseinanderbauen und kann platzsparend im Lieferwagen transportiert werden; fĂŒr den Aufbau sind allerdings zwei Personen ratsam.

Mit einer ArbeitslĂ€nge von 2,5 Metern kann die YetiTool Smartbench sogar Ausschnitte in TĂŒren oder KĂŒchenarbeitsplatten frĂ€sen.

Die CNC-FrĂ€se besteht aus einem stabilen Aluminium-Untergestell in der GrĂ¶ĂŸe eines Tapeziertisches und einer X-Traverse, die in die LinearfĂŒhrungen des Tisches eingehĂ€ngt wird. Der Antrieb erfolgt durch zwei große Nema-23-Schrittmotoren pro Achse ĂŒber Zahnstangen; als Wiederholgenauigkeit gibt der Hersteller 0,125 mm an. Die höhenverstellbare X-Traverse gleitet mit Rollen ĂŒber das WerkstĂŒck und unterstĂŒtzt dieses auch von unten, sodass es seitlich ĂŒberhĂ€ngen darf – raffiniert!

Die X-Traverse gleitet ĂŒber Rollen ĂŒber das WerkstĂŒck, hier eine MDF-Platte.

Da die X-Achse mit ihrem Gewicht teilweise auf dem WerkstĂŒck lastet, genĂŒgt eine wenig anspruchsvolle Einspannung; bei ganz leichten Arbeiten (etwa beim FrĂ€sen eines Reliefs oder einer Intarsie) reicht sogar das Eigengewicht der Platte selbst, um ein Verrutschen zu verhindern. Ansonsten dienen Nuten im FrĂ€stisch zum Einspannen, notfalls kann man das WerkstĂŒck auch einfach auf den eingesetzten Multiplex-Platten festschrauben.

Gut gelöst ist die Staubabsaugung ĂŒber den transparenten Staubkorb, der das Werkzeug vollstĂ€ndig umschließt. Der mitgefĂŒhrte Spiralschlauch wird unterseitig einfach an einen Staubsauger angeschlossen. Beim Setzen des Arbeits-Nullpunkts wird man in der Pro-Version von einem Kreuzlaser unterstĂŒtzt, die Maschine rechnet den Offset zur Werkzeugspitze automatisch heraus.

Der Werkzeugwechsel gestaltet sich durch den geschlossenen Staubkorb etwas umstĂ€ndlicher, man muss dafĂŒr den FrĂ€smotor (ein 1000W-Modell von Mafell mit Drehzahl-Fernsteuerung, den bekannten Kress-FrĂ€smotoren recht Ă€hnlich) ausbauen. Dank der passgenauen Klemmung mit leicht zugĂ€nglicher Anzugsschraube geht das aber recht schnell. Beim "Nullen" der Z-Achse hilft ein kapazitiv arbeitender Sensor in Form einer runden Scheibe, die seitlich in der Z-Konstruktion steckt und so immer schnell zur Hand ist.

Eine Besonderheit der Maschinensteuerung in Form eines robusten, abnehmbaren Touchpads ist, das diese nur "offline" arbeitet; eine direkte Steuerung der Maschine ĂŒber G-Codes von einem PC aus ist nicht vorgesehen. Stattdessen ĂŒbertrĂ€gt man die mit einer beliebigen CAM-Software vorbereiteten G-Code-Files ĂŒber USB-Stick oder WLAN auf das GerĂ€t und lĂ€sst sie dann abarbeiten. Da das GerĂ€t unzĂ€hlige Dateien im internen Speicher halten kann, ist das in der Praxis kein Nachteil; beispielsweise kann ein KĂŒchenbauer so auf vorgefertigte Daten fĂŒr den Ausschnitt einer bestimmten SpĂŒle zurĂŒckgreifen.

Zum Werkzeugwechsel muss man den FrÀsmotor kurz ausbauen.

Die Schrittmotorsteuerung selbst arbeitet mit dem GRBL-Befehlssatz, der den G-Code-Standard nahezu vollstĂ€ndig unterstĂŒtzt. Mit dem preiswerten ESTLCAM [3] oder dem leistungsfĂ€higen (und vom Hersteller empfohlenen) Vectrix V-Carve [4] lassen sich die G-Code-Dateien problemlos erzeugen. FĂŒr "mal eben"-Anwendungen hĂ€lt das Touchpad noch Funktionen fĂŒr kreis- und rechteckförmige FrĂ€sungen mit einstellbaren Abmessungen bereit.

Die Maschine lÀsst sich dank des Touchpads nach kurzer Einarbeitung auch von CNC-Unkundigen bedienen.

Ganz billig ist die große Smartbench-FrĂ€se allerdings nicht: Importeur Sauter [5] ruft fĂŒr die Basisversion 6698 Euro auf, die uns zur VerfĂŒgung gestellte Pro-Version mit Kreuzlaser, doppelter Z-SpindelfĂŒhrung und Echtzeit-Anzeige der aktuellen Motor-Last im Display kostet 7104 Euro.

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(cm [7])


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[1] https://www.yetitool.com/
[2] https://www.sautershop.de/cnc/
[3] https://www.estlcam.de/
[4] https://www.vectric.com/de/
[5] https://www.sautershop.de/cnc-fraese-smartbench-precision-pro-von-yetitool-v1.2-yt-20844?c=16214
[6] https://www.heise.de/make
[7] mailto:cm@ct.de