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BSI-Lagebericht: IT-Sicherheitslage in Deutschland angespannt

BSI

Das Bundesamt fĂŒr Sicherheit in der Informationstechnik in Bonn.

(Bild: dpa, Oliver Berg)

Raffinierte Angriffe und massiver Schaden: Das Bundesamt fĂŒr Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zeichnet in seinem Lagebericht kein entspanntes Bild.

Mit gut getarnten, mehrstufigen Angriffen haben Hacker in Deutschland zuletzt massiven Schaden angerichtet und wahrscheinlich teilweise auch krĂ€ftig Lösegeld kassiert. In seinem am Dienstag veröffentlichten Jahresbericht bezeichnet das Bundesamt fĂŒr Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) die Lage der IT-Sicherheit hierzulande als "angespannt".

Das Bundesamt beschreibt etwa [1], wie Nutzer durch Namen von real existierenden Projekten, Kollegen oder GeschĂ€ftspartnern dazu verleitet werden, in E-Mails verschickte Links oder AnhĂ€nge anzuklicken. DarĂŒber kann dann der Angreifer beispielsweise Informationen ĂŒber Benutzerkonten mit Administratorrechten absaugen und spĂ€ter alle Daten des Opfers verschlĂŒsseln. Wer die SouverĂ€nitĂ€t ĂŒber seine Daten zurĂŒckerlangen will, wird oftmals zur Kasse gebeten.

Zu den bekannten Opfern zĂ€hlte im September 2019 die Stadtverwaltung von Neustadt am RĂŒbenberge in Niedersachsen, wo ElterngeldantrĂ€ge, BauplĂ€ne und vieles mehr verschlĂŒsselt wurden. Laut BSI konnte die Verwaltung der rund 45 000 Einwohner zĂ€hlenden Stadt einzelne Dienstleistungen bis ins erste Quartal 2020 nicht anbieten. Auch beim Heise-Verlag kam es 2019 zu einem Angriff mit dem Trojaner Emotet [2]. Der Schaden wurde auf weit ĂŒber 50 000 Euro beziffert.

Auf die Frage nach Ermittlungen zu den Urhebern der Emotet-Angriffe sagte BSI-PrÀsident Arne Schönbohm: "Da gibt es Fortschritte". Auch sei man inzwischen in der Lage innerhalb der Bundesverwaltung zum Schutz vor solchen Angriffen bestimmte Signaturen entsprechend sperren zu können.

Nach einer Ransomware-Attacke auf zentrale Systeme der DRK-TrĂ€gergesellschaft SĂŒd-West wurden angeschlossene KrankenhĂ€user in Rheinland-Pfalz und im Saarland "erheblich in ihrer Versorgungsleistung beeintrĂ€chtigt". Nach dem Hacker-Angriff auf die DĂŒsseldorfer Uni-Klinik [3] im vergangenen September fĂŒhrt laut NRW-Justizministerium eine mögliche Spur der TĂ€ter nach Russland. Eigentliches Ziel der Hacker soll hier die UniversitĂ€t gewesen sein.

In insgesamt 419 FĂ€llen wurde das BSI im Berichtszeitraum (1. Juni 2019 bis 31. Mai 2020) ĂŒber Probleme im Bereich der sogenannten kritischen Infrastruktur informiert. Zur kritischen Infrastruktur zĂ€hlen etwa der Energie- und der Verkehrssektor. Zum Vergleich: Im Bericht fĂŒr 2018 waren 145 VorfĂ€lle aufgezĂ€hlt worden, ein Jahr spĂ€ter gab es 252 Meldungen. 73 der gemeldeten VorfĂ€lle im aktuellen Lagebericht betrafen die Stromversorgung. 65 Meldungen erreichten das Amt aus dem Bereich Finanzen und Versicherungen. Allerdings waren laut BSI nicht alle Probleme durch Angriffe verursacht worden. Vor allem im Bereich Gesundheit sei ein großer Teil der ProblemfĂ€lle auf "technisches Versagen" zurĂŒckzufĂŒhren gewesen.

Der stellvertretende Vorsitzende der GrĂŒnen-Bundestagsfraktion, Konstantin von Notz, sprach von einem Versagen der Bundesregierung in Sachen IT-Sicherheit. Er sagte: "Noch immer gibt es keine Mindeststandardsetzung, noch immer kein ĂŒberarbeitetes Haftungsregime, noch immer keine unabhĂ€ngigen, gut ausgestatteten Aufsichtsstrukturen." Das BSI ist dem Innenministerium unterstellt und fĂŒr den Schutz der IT-Systeme des Bundes zustĂ€ndig. Die Behörde hilft aber auch LĂ€ndern oder Kommunen, BĂŒrgern und der Wirtschaft, sich gegen Hackerangriffe zu schĂŒtzen. Beispielsweise veröffentlicht das Amt Warnungen vor Software-Schwachstellen, die von Hackern ausgenutzt werden können.

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(wid [5])


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Links in diesem Artikel:
[1] https://www.bsi.bund.de/DE/Publikationen/Lageberichte/bsi-lageberichte.html
[2] https://www.heise.de/news/Emotet-bei-Heise-Schaeden-von-weit-ueber-50-000-Euro-4444155.html
[3] https://www.heise.de/news/Hackerangriff-auf-Uniklinik-Duesseldorf-Ermittlungen-wegen-fahrlaessiger-Toetung-4904134.html
[4] https://pro.heise.de/security/?LPID=39555_HS1L0001_27416_999_0&wt_mc=disp.fd.security-pro.security_pro24.disp.disp.disp
[5] mailto:wid@heise.de