Bergung von BrennstÀben in Atomruine Fukushima hat begonnen
Es ist eine Operation mit Risiko: Fast drei Jahre nach Beginn der Atomkatastrophe in Fukushima beginnen die Reparaturtrupps mit der Bergung von BrennstÀben aus einem Abklingbecken. Ein Jahr soll die Umlagerung der BrennstÀbe dauern.
In der Atomruine Fukushima hat am Montag die riskante Bergung von rund 1500 BrennstĂ€ben aus dem Abklingbecken eines beschĂ€digten ReaktorgebĂ€udes begonnen [1]. Die in einem Becken in rund 30 Metern Höhe von kleinen TrĂŒmmerteilen umgebenen BrennstĂ€be gelten neben den tĂ€glich zunehmenden Massen verseuchten Wassers [2] mit als gröĂte Gefahrenquelle auf dem AKW-GelĂ€nde. Die voraussichtlich ein Jahr dauernde Bergung mĂŒsse mit "höchster Vorsicht" erfolgen, erklĂ€rte der Chef der Atomaufsichtsbehörde, Shunichi Tanaka. Das GebĂ€ude des Reaktors 4 war bei einer Wasserstoffexplosion in Folge des Erdbebens und Tsunamis vom 11. MĂ€rz 2011 beschĂ€digt worden [3].
Die Folgen des Tsunami, der auch zur AKW-Katastrophe in Fukushima fĂŒhrte (0 Bilder) [4]
ArbeitskrĂ€fte sollen die 1331 abgebrannten sowie 202 unbenutzten BrennstĂ€be einen nach dem anderen mit einer Spezialvorrichtung in einen castorĂ€hnlichen BehĂ€lter hieven. Dieser Vorgang geschieht in dem Becken unter Wasser. Sobald der Container mit 22 der 4,5 Meter langen BrennstĂ€be gefĂŒllt ist, wird er mit einer Kranvorrichtung auf einen Lkw gehoben. Dieser bringt ihn dann zu einem anderen GebĂ€ude in rund 100 Meter Entfernung, wo die BrennstĂ€be laut Tepco sicherer als bisher in einem Abklingbecken gelagert werden können. Die Umlagerung gilt als erster groĂer Schritt zur Stilllegung des AKW. Der vollstĂ€ndige RĂŒckbau der Anlage dĂŒrfte etwa 30 bis 40 Jahre dauern.
"Abgebrannter Brennstoff birgt potenziell ein sehr groĂes Risiko", sagte Tanaka kĂŒrzlich zu der nun begonnenen Bergung. Er selbst sei darĂŒber mehr besorgt als ĂŒber das Problem mit den riesigen Mengen verstrahlten Wassers. Der Betreiber Tepco versicherte jedoch, dass eine erneute Katastrophe samt Kernspaltung sehr unwahrscheinlich sei. Die fĂŒr die Bergung installierten Spezialvorrichtungen sollen sicherstellen, dass keine BrennstĂ€be versehentlich herunterfallen.
Selbst wenn ein Brennstab brechen und Strahlung freigesetzt wĂŒrde, so versichert Tepco, bestehe kein groĂes Strahlenrisiko fĂŒr die Umgebung des AKW. Damit wĂ€hrend der Bergungsarbeiten keine RadioaktivitĂ€t nach auĂen gelangt, hat Tepco das GebĂ€ude abgedeckt. Man habe "alle möglichen" SicherheitsmaĂnahmen getroffen, versicherte Tepco-Chef Naomi Hirose. Kritiker sind jedoch angesichts immer wieder auftretener Pannen wie Lecks in Tanks mit hochgradig verseuchtem
Wasser von den FĂ€higkeiten Tepcos nicht ĂŒberzeugt.
Kernkraftgegner warnen, die Hunderte von Tonnen Brennstoff könnten das Tausendfache an Strahlung der Atombombe von Hiroshima freisetzen. Experten halten das jedoch fĂŒr abwegig, zumal sich die BrennstĂ€be in dem Becken in den vergangenen drei Jahren lĂ€ngst ausreichend abgekĂŒhlt hĂ€tten. Zwar war der Reaktor 4 zum Zeitpunkt des Erdbebens am 11. MĂ€rz 2011 wegen Wartungsarbeiten abgeschaltet. Daher war es auch nicht wie in den Reaktoren 1 bis 3 zu Kernschmelzen gekommen, da sich die BrennstĂ€be schon im Abklingbecken befanden. Das GebĂ€ude wurde jedoch beschĂ€digt und das Dach ĂŒber dem im obersten Stockwerk gelegenen Abklingbecken bei der Wasserstoffexplosion zerstört.
Es mĂŒsse unbedingt vermieden werden, dass die BrennstĂ€be mit Gewalt herausgezogen werden, sollten sie sich mit den im Pool liegenden kleinen TrĂŒmmerteilen verklemmen, so Tanaka. Tepco hatte im Juli 2012 probehalber zwei BrennstĂ€be aus dem Becken entfernt. Zwar scheinen die StĂ€be nicht weiter stark beschĂ€digt zu sein. Es könne jedoch nicht ausgeschlossen werden, dass sich kleine BeschĂ€digungen im Zuge der Bergung vergröĂern, wurde Tanaka zitiert. Nach Ansicht der Regierung kann frĂŒhestens in etwa zehn Jahren damit begonnen werden, auch die Reaktoren 1 bis 3 zu entkernen. Doch wegen der extremen Strahlung weiĂ niemand, wo sich der geschmolzene Brennstoff ĂŒberhaupt befindet. (axk [6])
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[2] https://www.heise.de/news/Caesium-Belastung-im-Hafen-der-Atomruine-Fukushima-stark-gestiegen-1976355.html
[3] https://www.heise.de/news/Zweiter-Jahrestag-der-Atomkatastrophe-von-Fukushima-1817759.html
[4] https://www.heise.de/bilderstrecke/993054.html?back=2048384;back=2048384
[5] https://www.heise.de/bilderstrecke/993054.html?back=2048384;back=2048384
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