Boeings Starliner-Raumschiff: Problem nach Start, ISS nicht mehr zu erreichen

Start geglĂŒckt
(Bild: NASA/Joel Kowsky)
Eigentlich sollte nun auch Boeings Raumkapsel Starliner erstmals unbemannt zur ISS fliegen. Nach dem geglĂŒckten Start gab es dann aber ein Problem.
Der Starliner, Boeings Raumschiff fĂŒr bemannte FlĂŒge ins All, ist am Freitag zum ersten Mal in den Weltraum gestartet. Neun Monate nach SpaceX hat damit auch das zweite private Unternehmen im Rahmen des Programms "Commercial Crew" der NASA diesen Meilenstein absolviert und eine RaumfĂ€hre zur Internationalen Raumstation ISS geschickt [1]. Nachdem die Kapsel von der Rakete des Typs Atlas V abgekoppelt wurde, blieb jedoch jene TriebwerkszĂŒndung aus, die sie auf den Weg zur ISS bringen sollte. Genaueres ist derzeit noch nicht klar, aber "Boeings CST-100 Starliner ist in einem stabilen Orbit", versichert die NASA â aber nicht auf dem Weg zur ISS, ergĂ€nzt deren Chef.
GegenwÀrtiger Status unklar
Genau wie damals die Dragon-Kapsel von SpaceX ist der CST-100 Starliner wĂ€hrend des Testflugs ohne Personen an Bord unterwegs. Der Start erfolgte vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida. Die zustĂ€ndige Missionskontrolle ĂŒberprĂŒft derzeit ihre Optionen, erklĂ€rte die US-Weltraumagentur.
Im Rahmen des des "Commercial Crew"-Programms sollen private Unternehmen Astronauten in den Erdorbit bringen, die NASA will sich derweil auf Missionen zum Mond und darĂŒber hinaus konzentrieren. Boeing und SpaceX waren 2014 beauftragt worden, Raumschiffe zu entwickeln, die Astronauten ab 2017 zur ISS bringen sollten. Dieses Ziel wurde nicht erreicht, offenbar gab es zwischenzeitlich unter anderem erhebliche Sicherheitsbedenken. Auch aktuell steht noch kein Termin fĂŒr bemannte FlĂŒge fest, denn nach einer Explosion der Crew Dragon von SpaceX [2] beim Test von deren Startabbruch-System werden alle dafĂŒr festgelegten Termine fĂŒr beide Unternehmen einer ĂberprĂŒfung unterzogen.
Um 12:23 MitteleuropĂ€ischer Zeit hob die Atlas V der United Launch Alliance von Boeing und Lockheed Martin am Freitag nun ab. Danach lief laut Boeing alles nach Plan und fast 15 Minuten nach dem Start wurde die Raumkapsel abgedockt. Danach gab es aber eine Anomalie und aktuell ist die Kapsel wohl nicht auf dem Weg zur ISS, wo sie eigentlich am morgigen Samstag ankommen sollte. An Bord hat sie unter anderem eine Puppe â beziehungsweise "anthropomorphes TestgerĂ€t" â namens "Rosie, deren Sensoren messen sollen, welchen Belastungen Astronauten kĂŒnftig bei diesen Starts ausgesetzt sein wĂŒrden.
Update 20.12.2019 â 15:00 Uhr: Wie der NASA-Chef Jim Bridenstine inzwischen mitteilte, hatte die Raumkapsel ein Problem mit der Zeitmessung. Deswegen sei eine geplante TriebswerkszĂŒndung zum falschen Zeitpunkt durchgefĂŒhrt worden. Mit weiteren Manövern sei der Orbit nun angehoben worden, die nĂ€chsten Schritte wĂŒrden geprĂŒft.
Update 20.12.2019 â 16:00 Uhr: Wie Vertreter der NASA bei einer ersten Pressekonferenz erklĂ€rte, hat die Raumkapsel nicht mehr genĂŒgend Treibstoff, um noch die ISS zu erreichen. Bridenstine versicherte derweil mehrmals, "eine Menge ist heute gut gelaufen". Er ergĂ€nzte, es sei noch zu frĂŒh, um zu klĂ€ren, ob ein weiterer unbemannter Test nötig sei. Die Raumkapsel sei in einem guten Zustand, eine Reihe von Sensoren liefern demnach Daten. Das Problem habe auch seine Ursache in der Automatisierung und mit Astronauten an Bord hĂ€tte es Optionen gegeben, es zu beheben. Es gebe keine Sicherheitsbedenken. GegenwĂ€rtig sei geplant, die Raumkapsel am Sonntag auf einem TestgelĂ€nde in New Mexico zu landen.
Boeings Starliner erstmals auf dem Weg ins All (0 Bilder) [3]
Nasa und Boeing wollen Raumschiff Starliner am Sonntag landen
(mho [5])
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