Breitband-Ausbau: "Eine verlorene Legislaturperiode"
(Bild: dpa, Peter Kneffel/Archiv)
Nach der Vectoring-Entscheidung des Regulierers zeigen sich Telekom-Konkurrenten enttÀuscht von der Breitband-Politik der Bundesregierung. Sie fordern nun eine langfristige Politik des Glasfaserausbaus.
Die politische Schlacht [1] um den Vectoring-Ausbau der Deutschen Telekom ist geschlagen, die Bundesnetzagentur hat die Tarife fĂŒr eines der Vorleistungsprodukte schon in Kraft gesetzt [2]. Auf einer Konferenz des Netzbetreiberverbands VATM am Mittwoch in Köln betonten Branchenvertreter die Ăberlegenheit ihrer Glasfasernetze und plĂ€dierten vor allem fĂŒr mehr VerlĂ€sslichkeit bei der Regulierung des Breitband-Ausbaus.
"Wir bauen unser Monopol"
Mit der Bundesregierung und der Bundesnetzagentur gingen die Telekom-Konkurrenten dabei hart ins Gericht. So betonte Martin Witt, VATM-PrĂ€sident und Chef des Providers 1&1, dass sich die Bundesnetzagentur bei der umstrittenen Entscheidung ĂŒber die Bedenken der EU-Kommission hinweggesetzt habe. Theo Weirich, PrĂ€sident des Bundesverbands Glasfaser (Buglas) und GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Providers wilhelm.tel, gab sich hingegen gelassen: "FĂŒr uns ist die Regelung gut, da wir so unser Monopol ausbauen können", erklĂ€rte Weirich. So habe die Telekom bereits heute im Verbreitungsgebiet von Wilhelm.tel nur einen geringen Marktanteil. FĂŒr den Rest der Republik sei die Entscheidung jedoch eine Katastrophe.
Einigkeit herrschte in Köln, dass nur die kurzfristige Sichtweise der Politik diese Entscheidung verursacht habe. So betonte Iris Henseler-Unger, Direktorin des Wissenschaftlichen Instituts fĂŒr Informations- und Kommunikationsdienste (WIK), dass das Breitbandziel der Bundesregierung 2018 Grund fĂŒr die umstrittene Entscheidung der Bundesnetzagentur gewesen sei: Die Behörde, deren VizeprĂ€sidentin Henseler-Unger bis 2014 war, habe nach den gesetzlichen Bestimmungen handeln mĂŒssen und sich nicht auf die Wettbewerbskontrolle beschrĂ€nken können.
KĂŒnftig mĂŒsse mit mehr Vorplanung gearbeitet werden, sagte Henseler-Unger: "Es sollte nicht erst ausgebaut werden, wenn EngpĂ€sse offensichtlich werden." FĂŒr die kommenden Jahre sieht sie in vielen Berufsgruppen einen enorm steigenden Bandbreitenbedarf voraus, der dann nicht mehr durch Kupferkabel gestillt werden könne. "Wir haben es mit einer verschenkten Legislaturperiode zu tun, was die Gigabit-KonnektivitĂ€t betrifft", erklĂ€rte der ehemaliger Direktor des WIK Karl-Heinz Neumann.
Auch der Markt ist gefordert
Auch die Bundesregierung ist mit der Entwicklung nicht gĂ€nzlich zufrieden. So erklĂ€rte Peter Knauth vom Bundesministerium fĂŒr Wirtschaft und Energie, dass die Entwicklung nicht ganz wie gewĂŒnscht verlaufe. "Doch wenn ein Unternehmen meint, mit Zugangsgeschwindigkeiten von 100 MBit/s oder 250 MBit/s die nĂ€chsten Jahre ĂŒberstehen zu können, dann ist das so." Die Bundesregierung habe bei der Bandbreitenförderung auf die Bevorzugung der Glasfaser gedrungen, sei aber am Widerstand der BundeslĂ€nder gescheitert, die weiterhin Verbindungen mit nur 30 MBit/s fördern wollten. Nun komme es darauf an, den Bedarf nach gröĂeren Bandbreiten zu vermitteln, so dass sich Investitionen rentieren könnten.
Auch die PlĂ€ne der EuropĂ€ischen Union [7] begeistern die Provider nicht. So will die Kommission bis zum Jahr 2025 InternetanschlĂŒsse fĂŒr jeden Haushalt mit mindestens 100 MBit/s durchsetzen, die auf Wunsch auf bis zu 1 GBit/s aufgestockt werden sollen. Unklarheit herrscht noch, wie genau diese AufrĂŒstbarkeit realisiert werden soll und ob damit Techniken wie Vectoring auĂen vor bleiben. Zudem zeigten sich die Provider beunruhigt, dass die EU-Kommission den Bandbreitenbedarf in nur sechs Jahren von 30 auf 100 MBit/s hochgeschraubt habe. StĂ€ndig nachgebesserte Vorgaben wĂŒrden aber den Investitionsmarkt lĂ€hmen, betonten Branchenvertreter. ErzsĂ©bet Fitori, Leiterin des FTTH Council Europe erklĂ€rte, dass es beim Ausbau der Glasfasernetze nicht nur um GeschĂ€ftsmodelle fĂŒr die nĂ€chsten fĂŒnf oder zehn Jahre gehe: "Die Netze, die wir heute bauen, sollen auch fĂŒnfzig Jahre benutzt werden." (vbr [8])
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[2] https://www.heise.de/news/Vectoring-Regulierer-setzt-Bedingungen-fuer-Layer-2-Bitstromzugang-in-Kraft-3412467.html
[3] https://www.heise.de/news/Glasfaser-Vectoring-G-fast-Streit-in-der-Netzbranche-3031411.html
[4] https://www.heise.de/news/Schneller-Internet-Zugang-Gegenoffensive-der-Telekom-Konkurrenz-beim-Breitbandausbau-3024897.html
[5] https://www.heise.de/news/VDSL-Turbo-Vectoring-Nichts-uebers-Knie-brechen-3022521.html
[6] https://www.heise.de/news/Exklusiv-mit-Ausnahmen-Bundesnetzagentur-will-Kompromiss-bei-DSL-Beschleuniger-Vectoring-3014409.html
[7] https://www.heise.de/news/Bericht-EU-Kommission-will-beim-Glasfaserausbau-Dampf-machen-3320002.html
[8] mailto:vbr@heise.de
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