Bundesdatenschutz wird unabhÀngig, bleibt aber "zahnlos"
(Bild: dpa, Franziska Gabbert/Archiv)
Die Bundesdatenschutzbeauftragte Andrea VoĂhoff startet gestĂ€rkt ins neue Jahr: Sie leitet nun eine eigenstĂ€ndige oberste Bundesbehörde, die rechtlich und dienstlich nicht mehr von der Regierung beaufsichtigt wird. Experten geht dies nicht weit genug.
An Neujahr ist das Gesetz fĂŒr eine unabhĂ€ngige Datenschutzkontrolle [1] auf Bundesebene in Kraft getreten, das bereits vor rund einem Jahr Bundestag [2] und Bundesrat [3] passiert hatte. Die Bundesbeauftragte fĂŒr den Datenschutz und die Informationsfreiheit (BfDI), Andrea VoĂhoff, steht damit einer neuen eigenstĂ€ndigen obersten Bundesbehörde vor; die Bundesregierung verzichtet auf ihre bisher ĂŒber das Amt ausgeĂŒbte Rechts- und Dienstaufsicht.
Nur dem Parlament verantwortlich
Die gerade aus der Taufe gehobene Institution ist auch organisatorisch nicht mehr an das Bundesinnenministerium angebunden. Die Bundesbeauftragte ist nur noch dem Parlament verantwortlich, ihre Entscheidungen unterliegen der gerichtlichen Kontrolle.
VoĂhof erklĂ€rte angesichts dieser Ănderungen [4], dass es sich bei dem Schritt nicht um eine "verwaltungsorganisatorische Routineangelegenheit" handle. Der Gesetzgeber sei damit endlich seinen seit 1995 bestehenden europĂ€ischen Verpflichtungen nachgekommen, habe ein wichtiges Signal fĂŒr den Datenschutz gesetzt und mit der neuen Behördenstruktur das Fundament fĂŒr die "BfDI 2.0" gelegt.
Eine unabhĂ€ngige Datenschutzbehörde mĂŒsse ihre Aufsicht gegenĂŒber Staat und Wirtschaft auf Augenhöhe wahrnehmen können, ohne einen Kampf "David gegen Goliath" fĂŒhren zu mĂŒssen, forderte die CDU-Politikerin. Weitere Schritte, das Amt besser personell auszustatten, dĂŒrften daher nicht ausbleiben. Als Hauptaufgabe fĂŒr 2016 betrachtet es VoĂhoff, die neue Datenschutzverordnung [5] national umzusetzen. Damit einher gehe etwa auch ein Auftrag, "ein modernes BeschĂ€ftigtendatenschutzrecht zu schaffen".
Bundesinnenminister Thomas de MaiziÚre (CDU) zeigte sich zuversichtlich, "dass durch die StÀrkung der UnabhÀngigkeit und den Stellenzuwachs die Bundesbeauftragte in die Lage versetzt sein wird, ihre wichtige Kontrollfunktion intensiver wahrnehmen zu können".
Kritik vom AmtsvorgÀnger
Der Ex-Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar kritisierte dagegen im Deutschlandradio [6], dass die Behörde "letztlich ein zahnloser Tiger" bleibe, wenn jetzt auch auf "höherem Niveau". Es fehlten nach wie vor Sanktionsmöglichkeiten. So könnten die Kontrolleure nicht einmal BuĂgelder etwa gegenĂŒber Post- und Telekommunikationsanbietern verhĂ€ngen. Die neuen BrĂŒsseler Vorgaben sĂ€hen dies aber vor, sodass bald nachgebessert werden mĂŒsse. Dass der Gesetzgeber in diesem Bereich immer nur das unbedingt Notwendige mache, "zeigt eigentlich ein gestörtes VerhĂ€ltnis zum Datenschutz seitens der politischen EntscheidungstrĂ€ger". (mho [7])
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[1] http://www.bgbl.de/xaver/bgbl/start.xav?start=%2F%2F*%5B%40attr_id%3D'bgbl115s0162.pdf'%5D#__bgbl__%2F%2F*%5B%40attr_id%3D%27bgbl115s0162.pdf%27%5D__1451912560760
[2] https://www.heise.de/news/Weg-frei-fuer-neue-Bundesdatenschutzbehoerde-2499904.html
[3] https://www.heise.de/news/Gruenes-Licht-fuer-Bundesdatenschutzbehoerde-2542958.html
[4] http://www.bfdi.bund.de/DE/Infothek/Pressemitteilungen/2015/27_Update%20BfDI%202.0%20-%20Ausblick%202016.html?nn=5217040
[5] https://www.heise.de/news/EU-Innenpolitiker-stimmen-fuer-umfangreiche-Datenschutzreform-3045903.html
[6] http://www.deutschlandradiokultur.de/datenschutz-experte-kritisiert-bundesregierung-gestoertes.1008.de.html?dram%3Aarticle_id=341432
[7] mailto:mho@heise.de
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