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Bundeswehr soll 16 waffenfÀhige Drohnen bekommen

Detlef Borchers, Dr. Oliver Diedrich

Morgen debattiert der Verteidigungsausschuss des deutschen Bundestages ĂŒber ethische Fragen des Einsatzes bewaffneter Flugdrohnen. Bundesregierung und Verteidigungsministerium sind da schon weiter und planen ein großes Beschaffungsprojekt.

Bis zum Jahre 2023 soll die Bundeswehr 16 Drohnen erhalten, die als "MALE UAS Ziellösung" bewaffnet werden können. Ob diese Drohnen fĂŒr eine mittlere Flughöhe (MALE) gekauft oder selbst entwickelt werden sollen, ist dabei noch nicht entschieden. Ein Industriekonsortium unter der Leitung von Airbus Defence steht bereit, fĂŒr 60 Millionen Euro die technischen Anforderungen an eine MALE-Drohne zu spezifizieren. Dies geht aus der Antwort der Bundesregierung [1] (PDF-Datei) auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion hervor.

WĂ€hrend der Verteidigungsausschuss des Deutschen Bundestags sich mit Experten [2]ĂŒber die ethischen Dimensionen bewaffneter DrohnenflĂŒge berĂ€t, nimmt der Druck aus dem Verteidigungsministerium zu, entsprechende Systeme zĂŒgig zu beschaffen. FĂŒr Schlagzeilen sorgte der Bericht des Wehrbeauftragten des Deutschen Bundestages [3] (PDF-Datei), in dem sich dieser eindeutig fĂŒr die Beschaffung von waffenfĂ€higen Drohnen ausspricht. Die Intervention des Wehrbeauftragten wurde dahin gedeutet, dass auch Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen bewaffnete Drohnen will.

Nun liegt eine Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linken vor, die die PlÀne bei dem Kauf von MALE-Systemen (Medium Altitude, Long Endurance) erlÀutert. GrundsÀtzlich avisiert die Bundesregierung eine "MALE UAS Ziellösung", bei der bis zum Jahre 2023 insgesamt 16 Drohnen angeschafft werden. Dabei steht allerdings noch die Entscheidung aus, ob diese Drohnen von den USA oder von Israel gekauft werden oder ob eine (europÀische) Eigenentwicklung bevorzugt wird.

Eine solche Eigenentwicklung könnte das von Airbus Defence and Space, Dassault Aviation und Alenia Aermacchi unmittelbar vor der ILA vorgestellte Projekt MALE2020 [4] sein. Das Firmenkonsortium hat angeboten, fĂŒr 60 Millionen Euro in einem Jahr eine Machbarkeitsstudie zu dieser Drohne durchzufĂŒhren. Danach wĂŒrden die Firmen ein konkretes Angebot abgeben, was es kostet, bis zum Jahre 2020 eine europĂ€ische Drohne zu entwickeln. Die Kosten sollten anteilig von Deutschland, Frankreich und Italien ĂŒbernommen werden, die die Hauptabnehmer dieser Drohne sein werden.

Die Alternative zur Eigenentwicklung besteht im Kauf vorhandener Systeme, wie sie von israelischen und US-amerikanischen Firmen angeboten werden. WÀhrend man im Verteidigungsministerium mit den USA verhandelt und eine erste Angebotsphase bis zum 31. Oktober 2014 lÀuft, gibt es bei der israelischen Option nach Auskunft der Bundesregierung bisher keine GesprÀche.

Der Kauf oder das Leasing einer solchen Drohne wĂŒrde zunĂ€chst auf einen "Prototypen" hinauslaufen, der alle Stufen der Zulassung eines solchen Systems durchlaufen muss. Damit soll sichergestellt werden, dass die Beschaffung nicht an den Zulassungsvorschriften fĂŒr den allgemeinen Luftverkehr scheitert, wie dies beim Euro Hawk passierte [5]. Deswegen wurde seitens des Ministeriums festgelegt, "dass eine Zulassung mit einem vertretbaren Risiko erreicht werden kann". Wie das "vertretbare Risiko" im Einzelnen definiert ist, wird aus der Antwort der Bundesregierung nicht ersichtlich. (odi [6])


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https://www.heise.de/-2242873

Links in diesem Artikel:
[1] http://andrej-hunko.de/start/download/doc_download/474-entwicklung-einer-sogenannten-europaeischen-drohne-und-das-angebot-einer-bewaffnungsfaehigen-langstreckendrohne-male2020
[2] http://augengeradeaus.net/2014/06/dronewatch-sammlung-fuer-bundestagsanhoerung-30-juni/
[3] http://www.bundestag.de/blob/285372/affacbe545aab5ffe2989b62ee0d16d1/stellungnahme_wehrbeauftragter-data.pdf
[4] https://www.heise.de/news/ILA-2014-Auf-zu-neuen-Drohnen-2195049.html
[5] https://www.heise.de/news/EuroHawk-bleibt-am-Boden-1863734.html
[6] mailto:odi@ix.de