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CERN-Forscher weisen Pentaquark-ZustÀnde nach

CERN-Forscher weisen Pentaquark nach

KĂŒnstlerische Darstellung der nachgewiesenen Pc-ZustĂ€nde bestehend aus zwei Up-, einem Down-, einem Charm- und einem Anticharm-Quark.

(Bild: CERN)

In den vergangenen Jahren gab es mehrere vermeintliche Entdeckungen von Elementarteilchenkonstellationen bestehend aus fĂŒnf Quarks, die sich jedoch nicht reproduzieren ließen. CERN-Forscher sind sich nun sicher, sie tatsĂ€chlich dingfest gemacht zu haben.

Die Forscher des LHCb-Experiments am EuropĂ€ischen Kernforschungszentrum (CERN) sind sich ziemlich sicher, Pentaquarks nachgewiesen zu haben [1]. Diese aus fĂŒnf Quarks – genauer vier Quarks und einem Antiquark – bestehenden ZustĂ€nde wurden theoretisch bereits vorhergesagt.

Bei der Auswertung der Energiespektren des Zerfallskanals eines Baryons Λ0b in ein Proton, J/ψ- und K-, stellten die Forschern fest, dass an dem Zerfall ZwischenzustĂ€nde beteiligt sein mĂŒssen, die sie als Pc (4450)+ und Pc (4380)+ identifizierten (in Klammern steht die ungefĂ€hre Masse in MeV). Als Signifikanz geben die Forscher 9-σ an – genug fĂŒr eine formale Entdeckung. Beide ZustĂ€nde bestehen demnach aus zwei Up-, einen Down-, einem Charm- und einem Anticharm-Quark. Der Kombination aus Charm und Anticharm (Charmonium) haben die Pentaquark-ZustĂ€nde das kleine c unten am P zu verdanken.

Der Pentaquark-Zustand Pc (4450)+ ist deutlich als Spitze zu erkennen, wÀhrend der leichtere benötigt wird, um die Daten vollstÀndig zu beschreiben.

Der Pentaquark-Zustand Pc (4450)+ ist deutlich als Spitze zu erkennen, wÀhrend der leichtere benötigt wird, um die Daten vollstÀndig zu beschreiben.

"Das Pentaquark ist nicht einfach irgendein Teilchen", erklĂ€rte LHCb-Sprecher Guy Wilkinson. "Es stellt eine Möglichkeit dar, Quarks – also die [gemĂ€ĂŸ dem Standardmodell der Elementarteilchen] fundamentalen Bestandteile von Protonen und Neutronen – in einem Muster zu vereinigen, das in der fĂŒnfzigjĂ€hrigen Geschichte experimenteller Suche nach Elementarteilchen noch nie beobachtet wurde."

GemĂ€ĂŸ dem vom US-Forscher Murray Gell-Mann aufgestellten Quarkmodell sind "Baryonen" wie Protonen und Neutronen aus drei drittelzahlig geladenen Quarks zusammengesetzt, wĂ€hrend Mesonen aus Quark-Antiquark-Paaren bestehen. Das Modell lĂ€sst prinzipiell auch andere Konstellationen wie Pentaquarks zu. Auch ZustĂ€nde mit sechs und mehr Quarks seien theoretisch möglich. Im vergangenen Jahr sei das Tetraquark am LHC bestĂ€tigt worden.

"Die jĂŒngste Beobachtung ermöglicht neue Einblicke in die starken Wechselwirkungen und Bindungen der Quarks in Teilchen wie Protonen und Neutronen. Davon verstehen wir bislang noch zu wenig", erlĂ€uterte der Physiker Prof. Ulrich Uwer von der UniversitĂ€t Heidelberg. Er ist Sprecher der deutschen Gruppen am LHCb-Experiment, war aber an den Pentaquark-Messungen nicht beteiligt.

"Das Pentaquark ist ein sehr kurzlebiger Zustand, der schnell in kleinere Teilchen zerfĂ€llt wie das aus drei Quarks bestehende Proton." Ob die Quarks in den Pentaquarks eng oder nur lose wie eine Art "Meson-Baryon-MolekĂŒle" gebunden sind, ist bisher unklar. (vza [2])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-2750263

Links in diesem Artikel:
[1] http://press.web.cern.ch/press-releases/2015/07/cerns-lhcb-experiment-reports-observation-exotic-pentaquark-particles
[2] mailto:vza@heise.de