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Chinesischer GeschÀftsmann bekennt sich des Verkaufs gehackter Software schuldig

Gilles Lopez

Ein chinesischer GeschĂ€ftsmann soll raubkopierte Software unter anderem fĂŒr die Raumfahrt- und Verteidigungsindustrie im Wert von 100 Millionen US-Dollar verkauft haben; er war im Zuge einer Undercover-Aktion verhaftet worden.

Xiang Li, ein chinesischer GeschĂ€ftsmann, hat vor einem US-Gericht den Verkauf gehackter Software von Firmen wie Microsoft [1], Oracle [2] und SAP [3] gestanden, berichtet The Telegraph [4]. Bei den Programmen im Wert von 100 Millionen US-Dollar (76,5 Millionen Euro) soll es sich nicht um Endanwender-Produkte wie zum Beispiel Office-Pakete handeln, vielmehr um Hightech-Ware aus der Raumfahrttechnik, der Verteidigungsindustrie und dem Engineering-Bereich. Die Herstellerpreise fĂŒr die angebotenen Programme variieren zwischen einigen 100 US-Dollar und einer Million US-Dollar pro StĂŒck.

Verhaftet wurde Li im Juni 2011 auf Saipan [5], einer Insel des Marianen-Archipels im West-Pazifik, die zwar zum nordamerikanischen Territorium gehört, allerdings kein US-Bundesstaat ist. Die Verhaftung war der Schlusspunkt einer lang angelegten Undercover-Aktion, bei der US-Ermittler seit Beginn 2010 mindestens fĂŒnf EinkĂ€ufe bei Li tĂ€tigten. Unter den gekauften Programmen war auch eine gehackte Version des "Satellite Tool Kit" von Analytical Graphics [6], laut Angaben der Staatsanwaltschaft eine Simulationssoftware, die Kriegssituationen nachstellen kann und deren Nutzer MilitĂ€r, Luft-und Raumfahrtindustrie und Geheimdienste seien.

Nach Saipan gelockt wurde der in Chengdu in China ansÀssige Mann unter dem Vorwand potentieller GeschÀfte. Dort angekommen, bot er den US-Ermittlern 20 Gigabyte illegal beschaffter Software und gefÀlschte Umverpackungen an. Beschafft hat sich Li diese und andere Software Medienberichten zufolge in diversen Foren, wo er auch Hacker fand, die den Passwortschutz der Programme aushebeln konnten. Angeboten hat er die Programme dann auf mehreren Websites wie Crack99.com, allerdings zu Preisen zwischen 20 und 1200 US-Dollar, einem Bruchteil des eigentlichen Werts. Zeitweilig habe er mehr als 2000 Programme im Angebot gehabt, so die Staatsanwaltschaft.

Xiang Li ist gestĂ€ndig und teilte dem Gericht mit, dass er wisse, etwas Falsches und Illegales getan zu haben und dies bereue. Er habe bis zu seiner Verhaftung nicht gewusst, was die verkaufte Software wirklich wert sei. Sein Anwalt Mingli Chen gab an, sein Klient habe nicht gewusst, dass diese VerkĂ€ufe ein so großes Verbrechen seien. „Er war ziemlich stolz auf sich“, meinte Chen. (gil [7])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-1779479

Links in diesem Artikel:
[1] http://www.microsoft.com/de-de/default.aspx
[2] http://www.oracle.com/index.html
[3] http://www.sap.com/germany/index.epx
[4] http://www.telegraph.co.uk/
[5] http://en.wikipedia.org/wiki/Saipan
[6] http://www.agi.com/
[7] mailto:gil@ct.de