Chrome-Erweiterungen: Google macht Zugeständnis im Werbeblocker-Streit

Mit größeren Blocklisten und dem Versprechen, Werbeblocker nicht zu schwächen, wollen die Chromium-Entwickler den Streit um die Erweiterungs-API schlichten.

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Lesezeit: 2 Min.
Von
  • Herbert Braun

Mit einem Zugeständnis und einem Versprechen haben die Chromium-Entwickler versucht, in einem anhaltenden Streit mit den Erweiterungsentwicklern die Wogen zu glätten. Hintergrund ist die seit Ende letzten Jahres geplante Umstellung der Erweiterungsschnittstelle, die insbesondere für Werbeblocker zu einem existenzgefährdenden Problem werden könnte.

Alles nur "eine Menge Verwirrung und Missverständnis", sagen Googles Entwickler. Niemand habe die Absicht, Werbeblocker abzuschaffen: "Tatsächlich soll die Veränderung [des Erweiterungs-APIs] Entwicklern die Möglichkeit geben, sicherere und performantere Werbeblocker zu schaffen."

Der im Chromium-Blog veröffentlichte Beitrag erklärt nochmals die technischen Hintergrunde der geplanten Änderung sowie die durchaus nachvollziehbaren Überlegungen dahinter. Das bisher für Content-Blocking verwendete Web Request API gibt nämlich Erweiterungen kompletten Zugriff auf sämtliche Webinhalte, die der Browser anfordert. Nach Angaben der Chromium-Entwickler nutzen 42 Prozent aller böswilligen Erweiterungen dieses API auf ihre Art. Außerdem verlangsamen umfangreiche Blocklisten den Browser.

Als Lösung für beide Probleme bringt Chromium einen deklarativen Ansatz ins Spiel: das Declarative Net Request API, welches das programmatische Modell ersetzen soll. Dieses konnte ursprünglich Blocklisten nur durch ein Update der Erweiterung aktualisieren und akzeptierte nur 30.000 Listeneinträge – zu wenig für EasyList und Co. Nachdem die Entwickler bereits beim ersten Punkt nachgebessert haben, kündigen Sie nun eine Vergrößerung der Blocklisten auf bis zu 150.000 Einträge an.

Es wird sich zeigen, ob die Chromium-Entwickler damit die erzürnte Community besänftigen können. In der Erweiterungs-Diskussionsgruppe herrscht schon seit Monaten trotz diverser Beiträge aus dem Google-Team schlechte Stimmung. Offenbar ist das Vertrauensverhältnis der Erweiterungs-Entwickler zu Chromiums Mutterfirma angeschlagen.

Die Chromium-basierende Konkurrenz geht bereits auf Abstand: Opera und Brave verweisen auf ihre eingebauten Werbeblocker, Vivaldi will etwaige Einschränkungen nicht in den eigenen Code übernehmen. (jk)