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Coalition for Better Ads: Der Browser als "safe zone"?

Torsten Kleinz
Coalition for Better Ads: Der Browser als

Nachdem Microsoft dem BĂŒndnis gegen Adblocker beigetreten ist, fordern BranchenverbĂ€nde eine Neuausrichtung und neue Garantien. Insbesondere der Einfluss von Google soll zurĂŒckgefahren werden.

Die Zeit lĂ€uft: Anfang 2018 will Google den Chrome Adfilter [1] freischalten, der besonders nervende Werbung herausfiltern soll. Kurz vor dem Termin wollen WerberverbĂ€nde nun die Ausrichtung der "Coalition for Better Ads" Ă€ndern. Google hatte das BĂŒndnis ins Leben gerufen, um gemeinsam mit Werbetreibenden, der Werbeindustrie und Publishern neue Standards gegen besonders nervtötende Werbung zu schaffen und somit den steigenden Gebrauch von Adblockern auszubremsen.

In einem offenen Brief [2] verlangen die Spitzen der VerbĂ€nde Interactive Advertising Bureau, Association of National Advertisers und American Association of Advertising Agencies nun wesentliche Reformen in dem ZweckbĂŒndnis. Insbesondere fordern die VerbĂ€nde, dass nicht Google oder ein anderer Browserhersteller alleine entscheiden dĂŒrfe, welche Werbungsformen gesperrt werden sollen. Auch sollen die betroffenen Unternehmen eine Chance bekommen, gegen solche Entscheidungen Einspruch zu erheben. "Wir glauben, dass mit unseren VorschlĂ€gen die Ziele der Coalition schnell, mit maximaler Partizipation und großer EffektivitĂ€t erreicht werden können", heißt es in dem Schreiben.

Diese Forderungen sind eine Absage an Googles bisherige PlĂ€ne. So hat der Konzern zwar der Coalition for Better Ads ĂŒberlassen, die kĂŒnftig unzulĂ€ssigen Werbeformen [3] festzulegen. Bei der Umsetzung dieser Empfehlungen setzt Google aber vor allem auf die eigenen Ressourcen. So hat der Konzern auf eigene Faust erhoben, welche Websites die kritisierten Werbeformate einsetzen und hat auch schon Warnungen an die betroffenen Website-Betreiber [4] verschickt, wenn diese beispielsweise Pop-Ups oder Autoplay-Videos mit Ton einsetzten. Bei der Umsetzung des Adfilters im konzerneigenen Browser will Google zwar mit der Branche kooperieren, hat aber bisher keine formellen Einspruchsrechte vorgesehen.

Wie das Fachmagazin Ad Age berichtet [5], wurde Google von den nun öffentlich publizierten Forderungen ĂŒberrascht. Die Coalition for Better Ads hat den offenen Brief nur sehr vorsichtig kommentiert. "Die VorschlĂ€ge werden zu unseren andauernden Diskussionen in unserer Arbeit fĂŒr ein besseres Werbeumfeld berĂŒcksichtigt werden", erklĂ€rt ein Vertreter des BĂŒndnisses gegenĂŒber heise online.

In dem offenen Brief verlangen die Werber auch neue Garantien, von Adblockern verschont zu werden. Statt sich auf die Abstrafung von schwarzen Schafen der Werbebranche zu konzentrieren, solle die Coalition for Better Ads eher einen "safe harbor" fĂŒr Werbung schaffen. Das heißt: Wer sich an die von der Coalition for Better Ads gestellten Bedingungen hĂ€lt, soll eine Garantie bekommen, dass seine Werbung nicht durch Browser oder anderen Auslieferungstechnologien blockiert wird.

In dem Punkt bleibt der offene Brief aber sehr vage: Nach dem Wortlaut könnten die Werber-VerbĂ€nde von Google nicht nur Mitsprache beim eigenen Adfilter verlangen, sondern zudem die Integration von Adblockern anderer Hersteller verhindern. Bisher hat Google im Desktop-Browser Chrome zahlreiche Plug-Ins zugelassen, die Werbung blockieren. Auf Android fĂ€hrt der Konzern jedoch eine hĂ€rtere Linie: Zwar darf Werbung nicht zentral oder oder gar in Chrome blockiert werden, eigene Browser mit Adblocker-Funktion sind jedoch zulĂ€ssig. Sollte auch Android ein "sicherer Hafen" fĂŒr Werbeunternehmen werden, mĂŒssten wohl auch diese aus dem offiziellen Play Store entfernt werden.

Dem Schreiben vorangegangen war eine öffentliche Auseinandersetzung mit Apple, um die in den konzerneigenen Browser Safari integrierte Anti-Tracking-Funktion [6]. Diese war von den WerbeverbĂ€nden als "Sabotage" gebrandmarkt worden. Apple wies die Kritik jedoch zurĂŒck, was nun zu eiligen Anpassungen der Werbebranche fĂŒhrt. So baut beispielsweise Google seine Auslieferungsketten so um, dass keine Third-Party-Cookies [7] mehr benötigt werden.

Auch die Mozilla Foundation fĂ€hrt bei ihrem Open-Source-Browser Firefox einen hĂ€rteren Kurs gegen Tracking-Technologien. Sollte nun jeder Browser-Hersteller eigene EinschrĂ€nkungen machen, befĂŒrchten die WerberverbĂ€nde Chaos. "Ein solcher Ansatz ist schlichtweg unhaltbar", heißt es in dem offenen Brief. Die Folge der Aufspaltung des Internets in "walled gardens" der Browserhersteller wĂŒrde dafĂŒr sorgen, dass neben den WerbeumsĂ€tzen auch die QualitĂ€t der Werbung sinke.

FĂŒr Hoffnung sorgt bei den Werbern unterdessen ein Neuzugang bei der Coalition for Better Ads. So hat Microsoft Ende September seinen Beitritt zu dem BĂŒndnis [8] erklĂ€rt. Allerdings ist noch unklar, ob sich der Konzern nur mit der eigenen Werbesparte beteiligen will, oder auch der konzerneigene Browser Edge einen Filter nach den Vorgaben der Coalition for Better Ads erhalten soll. WĂ€re das der Fall, bekĂ€me die Forderung nach einer unabhĂ€ngigen Verwaltung einer etwaigen Blockliste neues Gewicht. (des [9])


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https://www.heise.de/-3861987

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/hintergrund/Chrome-Werbefilter-Nicht-der-Untergang-des-Abendlandes-3751816.html
[2] https://www.iab.com/wp-content/uploads/2017/10/CBA-Letter.pdf
[3] https://www.heise.de/news/Blaue-Briefe-fuer-Pop-Ups-Google-warnt-Website-Betreiber-wegen-Chrome-Adblocker-3796170.html
[4] https://www.heise.de/news/Blaue-Briefe-fuer-Pop-Ups-Google-warnt-Website-Betreiber-wegen-Chrome-Adblocker-3796170.html
[5] http://adage.com/article/digital/trade-bodies-google-judge-jury-executioner/310865/
[6] https://www.heise.de/news/Anti-Tracking-Funktion-in-Safari-US-Werbeverbaende-werfen-Apple-Sabotage-vor-3833584.html
[7] https://www.heise.de/news/Safaris-Tracking-Schutz-Google-passt-Reklamesystem-an-3859526.html
[8] https://advertise.bingads.microsoft.com/en-us/blog/post/september-2017/microsoft-joins-the-coalition-for-better-ads
[9] mailto:des@heise.de