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Copyright reloaded: EU plant Urheberrecht 2010

Monika Ermert

Die EU-Kommission hat Eckpunkte fĂŒr ein neues europĂ€isches Urheberrecht vorgestellt. Konkret wird die Kommission bei einem Rechtsinstrument fĂŒr sogenannte "verwaiste" Werke, andere Projekte etwa zur Lizenzierung digitaler Inhalte kommen langsamer voran.

Die EuropĂ€ische Kommission strickt weiter an einem Urheberrecht fĂŒr die digitale Welt. Die Generaldirektionen Informationsgesellschaft und Binnenmarkt haben Eckpunkte fĂŒr ein europĂ€isches Urheberrecht 2010 vorgelegt. Dabei geht es in der Hauptsache um drei Projekte, wie die Kommission Montag in BrĂŒssel mitteilte [1]: Die Verwertung sogenannter "verwaister Werke [2]" in Europa, ein System zur einfachen KlĂ€rung von Nutzungsrechten fĂŒr große Digitalisierungsprojekte und besseren Zugang zu Information und Literatur fĂŒr Sehbehinderte.

Dabei geht es auch um EinschrĂ€nkungen fĂŒr Rechteinhaber, den sogenannten Schrankenregelungen. Allerdings betont die Kommission, dass "ein ordnungsgemĂ€ĂŸer Schutz der Rechte an geistigem Eigentum entscheidend fĂŒr die Förderung der Innovation in der wissensbestimmten Wirtschaft" sei. Eine umfassende Strategie fĂŒr den "Schutz geistiger Eigentumsrechte" hatte in der vergangenen Woche bereits Margot Fröhlinger, Direktorin aus dem Kabinett von Binnenmarktskommissar Charlie McCreevy, bei der ersten europĂ€ischen Innovationskonferenz [3] vorgestellt. Fröhlinger hatte dabei auch das Gemeinschaftspatent, die zentrale Patentgerichtsbarkeit und das Anti-Piraterie-Abkommen ACTA [4] als Teile der Gesamtstrategie angesprochen.

Die aktuelle Mitteilung zum Urheberrecht fasst die lange erwarteten Ergebnisse der Konsultation ĂŒber das EU-GrĂŒnbuch zum Urheberrecht zusammen, an der sich eine große Zahl von Bibliotheken (114), UniversitĂ€ten (47), Verlegern (56) und Verwertungsgesellschaften (47) beteiligt haben. Die Kommission erkennt an, dass Bibliotheken, Archive und UniversitĂ€ten fĂŒr "ein weniger einschrĂ€nkendes Urheberrechtssystem" eingetreten seien. Sie plĂ€dierten fĂŒr einen "Kern von Ausnahmen im öffentlichen Interesse". Die Verleger argumentierten demgegenĂŒber, dass der beste Weg zur Wissensverbreitung klassische Lizenzvereinbarungen und VertrĂ€ge seien.

"FĂŒr ein nachhaltiges, auf eine Vielzahl von Bibliotheksinitiativen anwendbares System der vorherigen Genehmigung" sei ein "einfaches und kostenwirksames System fĂŒr die KlĂ€rung der Digitalisierungs- und Online-Verbreitungsrechte" nötig, lautet das vorsichtige ResĂŒmee der Kommission. Möglicherweise mĂŒsse man hier auch an Sammellizenzen nachdenken. Arbeiten in diese Richtung sollen im kommenden Jahr durch Dialoge mit den verschiedenen Interessengruppen fortgesetzt werden. Die Kommission möchte den Lizenzierungsaufwand einer normalen europĂ€ischen UniversitĂ€t gerne verringern. Ein Koalition von Forschern setzt sich seit langem fĂŒr ein wissenschaftsfreundliches [5] Urheberrecht ein.

Ebenso vorsichtig sind die Zusagen fĂŒr eine europaweite Durchsetzung der Schrankenregelung zugunsten von Sehbehinderten. Hier will man ein Forum der Betroffenen schaffen. ZunĂ€chst sollen Verleger "ermuntert" werden, "mehr Werke in zugĂ€nglichen Formaten fĂŒr Behinderte bereitzustellen". Das Konvertieren rechtmĂ€ĂŸig erworbener Werke dĂŒrfe nicht durch technische Schutzmaßnahmen verhindert werden. Vorerst komplett zurĂŒckgestellt hat die EU Überlegungen zu einer neuen Schrankenregelung, die "kreative, adaptive oder abgeleitete Werke" durch Ausnahmen vom strikten Urheberrechtsschutz erleichtern könnte. Das PhĂ€nomen etwa der von Nutzern geschaffenen Inhalte sei noch zu neu, um dies anzugehen.

So bleibt das ins Auge gefasste Rechtsinstrument zu den "verwaisten Werken" – deren Urheber oder Rechteinhaber nicht mehr zu ermitteln ist – wohl das konkreteste Projekt der Kommission. 40 Prozent der Werke der British Library seien verwaiste Werke, sagte Fröhlinger auf der Innovationskonferenz. Ein Rechtsinstrument fĂŒr die KlĂ€rung und gegenseitige Anerkennung verwaister Werke oder eine Ausnahmeregelung sind laut Kommission mögliche Schritte zur Behebung des Problems. Die EU strebt auch hier eine einheitliche Regelung fĂŒr die gesamte Union an.

(vbr [6])


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https://www.heise.de/-834495

Links in diesem Artikel:
[1] http://ec.europa.eu/information_society/newsroom/cf/itemdetail.cfm?item_id=5332
[2] https://www.heise.de/news/EU-Bibliotheksrat-will-vergriffene-und-verwaiste-Werke-zugaenglich-machen-169350.html
[3] http://www.knowledge4innovation.eu/k4i/europeaninnovationsummit.aspx
[4] https://www.heise.de/news/ACTA-Anti-Piraterie-Abkommen-bleibt-Verschlusssache-834020.html
[5] https://www.heise.de/news/EU-weites-Buendnis-fuer-wissenschaftsfreundliches-Urheberrecht-217225.html
[6] mailto:vbr@heise.de