Corona-Soforthilfe: Datenpanne bei der Investitionsbank Berlin
(Bild: Gorodenkoff / Shutterstock.com)
Die Investitionsbank Berlin hat die Datenschutzbehörde ĂŒber einen schwerwiegenden Programmierfehler auf der Antragsseite fĂŒr Soforthilfen informiert.
Die Hilfsaktion des Landes Berlin fĂŒr gewerbliche Solo-SelbstĂ€ndige und Kleinstunternehmen mit bis zu fĂŒnf BeschĂ€ftigten bei LiquiditĂ€tsengpĂ€ssen aufgrund der Coronavirus-Krise kĂ€mpft mit Anlaufschwierigkeiten. Antragstellungen sollten ursprĂŒnglich von Freitag um 12 Uhr an möglich sein, doch die einschlĂ€gige Webseite der Investitionsbank Berlin (IBB) war erst Stunden spĂ€ter betriebsbereit. Allerdings wies sie dann zunĂ€chst einen "schwerwiegenden Programmierfehler" auf, der eine nicht minder gravierende Datenpanne nach sich zog.
Antragstellern, die an diesem Tag in der Zeit von etwa 15:30 Uhr bis 16:15 Uhr zum Zug gekommen waren, erhielten jeweils die BestĂ€tigung des Eingangs der erforderlichen Angaben einer anderen Person, erklĂ€rte die Berliner Datenschutzbeauftragte Maja Smoltczyk am Montag. Damit seien persönliche Informationen wie Angaben zum Unternehmen, Ausweis-, Steuer- und Bankdaten in falsche HĂ€nde gelangt. Antragsteller mĂŒssten davon ausgehen, dass diese Kennungen an Dritte ĂŒbermittelt worden seien. Nach derzeitigem Kenntnisstand gehe die Bank von bis zu 390 betroffenen Personen aus.
Fehlerbehebung
Die IBB hat den Vorfall am Montag fristgerecht bei der Aufsichtsbehörde gemeldet, heiĂt es dort weiter. Dazu sei sie nach Artikel 33 Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO [1]) verpflichtet gewesen. Nachdem das Problem bekannt geworden war, habe das Finanzinstitut das Online-Antragsverfahren [2] umgehend ausgesetzt und erst wieder in Betrieb genommen, nachdem der Fehler behoben gewesen sei.
Die betroffenen Antragsteller werden derzeit ermittelt und von der IBB im Einklang mit Artikel 34 DSGVO informiert. Die Berliner Datenschutzbeauftragte wird diesen Prozess nach ihren Angaben "aufsichtsrechtlich begleiten". Von möglichen BuĂgeldern gegenĂŒber der Bank ist noch keine Rede.
Zugleich fordert Smoltczyk alle Betroffenen, die im Zuge der Panne unrechtmĂ€Ăig Zugang zu den Daten anderer Personen erhalten haben, dazu auf, "diese unverzĂŒglich datenschutzgerecht zu löschen" und auch eventuell angefertigte entsprechende Ausdrucke "zu vernichten". Die Informationen, die nicht allgemein zugĂ€nglich seien, dĂŒrfen "keinesfalls dauerhaft gespeichert oder auf andere Weise weiterverarbeitet werden".
Die IBB hat die "Warteschlangen-Software" Queue-it der gleichnamigen dĂ€nischen Firma eingefĂŒhrt, um den Ansturm der Hilfesuchenden halbwegs zu bewĂ€ltigen. Es soll einige Stunden oder Tage dauern, bis tatsĂ€chlich AntrĂ€ge innerhalb eines recht kurzen Zeitfensters eingereicht werden können. Mehrere VerbĂ€nde von Freischaffenden hatten ihre Mitglieder auf den Service aufmerksam gemacht.
ZunĂ€chst war von Hackerangriffen auf die Seite die Rede, inzwischen berichtet die Bank von "einer Reihe mutmaĂlicher Betrugsversuche". Offenbar versuchten auch Unberechtigte, an die Corona-Hilfsmittel in Höhe von 5000 Euro pro Firma vom Land Berlin heranzukommen, sagte ein Sprecher dem rbb [3]. Samstagabend seien rund 46.000 von mehr als 150.000 eingegangenen AntrĂ€ge bearbeitet gewesen, derzeit werde pro Stunde bis zu 6000 Ersuchen abgeholfen. HilfsbedĂŒrftige mĂŒssen das Geld nicht zurĂŒckzahlen, prĂŒfen sollen die Berechtigungen wohl erst die FinanzĂ€mter im Rahmen der SteuererklĂ€rungen. Die anderen BundeslĂ€nder bieten Ă€hnliche UnterstĂŒtzungsangebote an. (olb [4])
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[2] https://www.ibb.de/de/wirtschaftsfoerderung/themen/coronahilfe/corona-liquiditaets-engpaesse.html
[3] https://www.rbb24.de/wirtschaft/thema/2020/coronavirus/beitraege/investitionsbank-berlin-ibb-coronavirus-soforthilfen-hilfspaket-wirtschaft-kleinunternehmen.html
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