Coronavirus: Berliner Forscher berechnen Importrisiko
Der Coronavirus wird hauptsÀchlich per Flugzeug eingeschleppt.
(Bild: Fraport AG)
Auf der Grundlage eines mathematischen Modells haben Wissenschaftler ermittelt, wie hoch das relative Importrisiko des Coronavirus an FlughÀfen weltweit ist.
Forscher des Robert-Koch-Instituts und der Humboldt-UniversitÀt Berlin haben berechnet, wie hoch das relative Importrisiko des Coronavirus 2019-nCOV, an 1900 FlughÀfen weltweit ist. Das Virus war im Dezember 2019 in der chinesischen Stadt Wuhan erstmals aufgetreten. Auf der Grundlage eines mathematischen Modells mit einer Datenauswertung von Flugverbindungen erstellten die Wissenschaftler einen Risikomonitor. Das Risiko an deutschen FlughÀfen ist den Ergebnissen zufolge [1] weltweit im mittleren Bereich angesiedelt.
Die Forscher nutzen fĂŒr ihre Analyse ein netzwerktheoretisches Modell, das auf dem Konzept der effektiven Distanz basiert. Dieses Modell von 2013, das in der wissenschaftlichen Arbeit "The Hidden Geometry of Complex, Network-Driven Contagion Phenomena" [2] (Die verborgene Geometrie komplexer, netzwerkgetriebener AnsteckungsphĂ€nomene) von Brockmann und Helbing beschrieben ist, verfeinerten die Wissenschaftler und wendeten es auf die ihnen vorliegenden Daten an.
Datenauswertung der FlĂŒge
Ausgewertet wurden Daten des Worldwide Air Transportation Network (WAN), das 3893 Knotenpunkte, also FlughĂ€fen, sowie 51.476 Direktverbindungen zwischen den FlughĂ€fen umfasst. Die Forscher gewichteten dabei den Verkehrsfluss zwischen den einzelnen Knoten, wie beispielsweise die durchschnittliche Anzahl von Passagieren, die tĂ€glich eine bestimmte Route fliegen. BerĂŒcksichtigt wurde dabei auch die HeterogenitĂ€t der FlughĂ€fen, denn einige von ihnen sind klein, andere dagegen sehr groĂ. Dies hat Auswirkungen auf den jeweiligen Passagierdurchfluss und etwa der Anzahl der ausgehenden FlĂŒge, die ebenfalls einberechnet wurden. Nur wenige der FlughĂ€fen seien fĂŒr das Netzwerk strukturell bedeutend, wie etwa die groĂen internationalen Drehkreuze. Die Mehrheit der FlughĂ€fen seien strukturell zu vernachlĂ€ssigen, heiĂt es in der Datendokumentation [3] der beteiligten Wissenschaftler.
Die Forscher geben in den Rankings das relative Importrisiko in Prozent an. Ein Importrisiko von 0,208 Prozent am internationalen Flughafen Charles de Gaulle (CDG) bedeutet, dass von 1000 am Wuhan Tianhe Flughafen (WUH) eingestiegenen infizierten Passagieren etwa zwei voraussichtlich als Ziel Paris haben werden.
Hohes Risiko in China, geringes Risiko in Europa
Die Berechnungen ergaben, dass das relative Importrisiko des Coronavirus [4] an einem chinesischen Flughafen rund 91 Prozent betrĂ€gt, an anderen FlughĂ€fen auĂerhalb Chinas lediglich 9 Prozent. Den Ergebnissen nach ist die Gefahr einer Einschleppung des Virus an den chinesischen FlughĂ€fen Kunming (KMG) mit 5,38 Prozent, Chengdu (CTU) mit 4,3 Prozent und Shanghai (SHA) mit 4,25 Prozent am höchsten.
(Bild: Humboldt-UniversitÀt Berlin (Screenshot))
Das relative Importrisiko an FlughĂ€fen auĂerhalb Chinas fĂ€llt prozentual deutlich geringer aus: Am Flughafen von Hongkong (HKG) ist das Risiko mit 1,17 Prozent am höchsten. Dahinter folgen Bangkok Don Mueang (DMK) mit 0,94 Prozent und Taipeh (TPE) mit 0,73 Prozent. Als erster auĂerasiatischer Flughafen liegt Paris Charles de Gaulle auf Platz neun mit 0,21 Prozent. Der deutsche Flughafen Frankfurt (FRA) rangiert unter den ersten 40 gelisteten FlughĂ€fen mit 0,05 Prozent im hinteren Mittelfeld, fĂŒr MĂŒnchen (MUC) betrĂ€gt das Importrisiko 0,04 Prozent.
(Bild: Humboldt-UniversitÀt Berlin (Screenshot))
Im europÀischen Vergleich liegen die deutschen FlughÀfen mit 0,14 Prozent hinter Frankreich mit 0,24 Prozent. Am unwahrscheinlichsten ist es der Analyse nach, dass in Norwegen das Coronavirus eingeschleppt wird: Hier betrÀgt das Risiko lediglich 0,009 Prozent. (olb [5])
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Links in diesem Artikel:
[1] http://rocs.hu-berlin.de/corona/docs/analysis/importrisk/
[2] https://science.sciencemag.org/content/342/6164/1337
[3] http://rocs.hu-berlin.de/corona/docs/data/
[4] https://www.heise.de/tp/features/Coronavirus-Keine-Pandemie-4645756.html
[5] mailto:olb@heise.de
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