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Coronavirus: Lebensmittel-Lieferdienste erleben spÀten Boom

Stefan Krempl
Coronavirus: Lebensmittel-Lieferdienste erleben spÀten Boom

(Bild: Mircea Moira/Shutterstock.com)

Lange waren die Deutschen zurĂŒckhaltend, was Bringdienste fĂŒr Artikel des tĂ€glichen Bedarfs anbelangt. Mit der Covid-19-Krise steigt die Nachfrage deutlich.

Die SupermĂ€rkte sind momentan voll, manche Regale wie etwa fĂŒr Toilettenpapier, H-Milch oder Brot meist von HamsterkĂ€ufern leergekauft. Die Coronavirus-Pandemie lĂ€sst aber nicht nur die Kassen in stationĂ€ren SupermĂ€rkten klingeln, sondern kurbelt auch das lange Zeit von vielen Verbrauchern links liegen gelassene GeschĂ€ft von Online-Lieferservices fĂŒr Lebensmittel & Co. deutlich an: Viele Kunden wollen auf Nummer sicher gehen, grĂ¶ĂŸere Menschengruppen im Laden und Schlangen an Kassen vermeiden sowie Produkte ergattern, die vor Ort momentan kaum zu bekommen, prinzipiell aber vorrĂ€tig sind.

Immer mehr Nutzer greifen so zum Smartphone oder Rechner, um sich Artikel des tĂ€glichen Bedarfs wie Nahrungsmittel oder GetrĂ€nke nach Hause bringen zu lassen. "Im Onlinehandel spĂŒren wir eine deutlich gesteigerte BestellintensitĂ€t", erklĂ€rte ein Sprecher von Rewe gegenĂŒber der Welt [1]. Teils komme es sogar zu lĂ€ngeren Wartezeiten: "In einzelnen Liefergebieten wie Berlin sind Zeitfenster fĂŒr die nĂ€chste Lieferung erst nach Ablauf einer Woche verfĂŒgbar, in anderen Regionen schon am nĂ€chsten oder ĂŒbernĂ€chsten Tag."

Nicht nur Deutschlands grĂ¶ĂŸter E-Commerce-HĂ€ndler bei frischen Lebensmitteln profitiert von der Covid-19-Krise. Parallel verzeichnen auch reine Onlineanbieter in dem Bereich massive Steigerungsraten. "Wir erleben aktuell einen Anstieg in der Nachfrage um fast 50 Prozent", freut sich dem Bericht nach Frederic Knaudt, MitgrĂŒnder und Deutschlandchef des Lieferdienstes Picnic. Das Startup ist gegenwĂ€rtig vor allem im Westen Nordrhein-Westfalens prĂ€sent, meldet aber im gesamten Liefergebiet ĂŒber alle Produktkategorien hinweg deutlich mehr Bestellungen.

An Amazon Fresh geht der neue Boom ebenfalls nicht vorbei. Vor allem die Zahl der Suchanfragen nach knappen Artikeln in der Lebensmittelsparte sei extrem hochgeschnellt, zitiert die Zeitung Nils ZĂŒndorf, Chef der Agentur Factor-A, die HĂ€ndler des US-Konzerns berĂ€t. Die UmsĂ€tze hĂ€tten sich verdoppelt oder verdreifacht. Der Experte sieht hier einen Trend bereits vorgezeichnet: Das von der Epidemie in Europa besonders betroffene Italien bezeichnet er als "Blaupause fĂŒr die Entwicklung in anderen LĂ€ndern". Dort seien Lebensmittel und KonsumgĂŒter online "gefragt wie nie zuvor".

EinschlĂ€gige Lieferdienste, zu denen etwa auch Bringmeister von Edeka oder Mytime zĂ€hlen, taten sich lange schwer. Frisches kauften die BundesbĂŒrger bisher hauptsĂ€chlich bei Tante Emma um die Ecke, bei Discountern oder grĂ¶ĂŸeren SupermĂ€rkten. Die VerfĂŒgbarkeit und Alltagstauglichkeit sei allenfalls in der Großstadt fĂŒr grĂ¶ĂŸere Zielgruppen gegeben, konstatierten TestkĂ€ufer der Verbraucherzentralen von Berlin und Brandenburg noch vor zwei Jahren [2]. Anders als in der Hauptstadt und in Potsdam konnten die PrĂŒfer im lĂ€ndlichen Raum demnach nur eine Zustellung per Paketservice auswĂ€hlen. Dies habe oft große Mengen an VerpackungsmĂŒll und lange Lieferzeitfenster mit sich gebracht.

Der Marktanteil der Onlineanbieter stieg zuletzt zwar, doch die Zwei-Prozent-Marke war laut Statistiken jĂŒngeren Datums noch lange nicht ĂŒberschritten. Der Online-Reifen-HĂ€ndler Delticom trennte sich in diesem schwierigen Umfeld jĂŒngst sogar noch von seiner Online-Lebensmittelsparte. Seit einigen Wochen sind die Tore des Bringdiensts AllyouneedFresh sowie des Feinkostshops Gourmondo dicht. Der von der Firma noch betriebene Web-Supermarkt Lebensmittel.de soll ebenfalls bald schließen [3].

Die mit dem neuartigen Coronavirus verknĂŒpften Unsicherheiten könnten das Einkaufsverhalten aber grundsĂ€tzlich und langfristig Ă€ndern, glaubt die Handelsforscherin Eva StĂŒber und verweist auf die Ergebnisse einer Studie des Kölner IFH-Instituts [4]. Demnach seien 53 Prozent der Konsumenten zwar nach wie vor mit den GeschĂ€ften in ihrer Umgebung zufrieden. Die Lebensmittellieferung nach Hause erscheine vielen aber nicht nur "als bequemere Option fĂŒr den Wocheneinkauf, sondern aktuell auch als die gefĂŒhlt sicherere".

Vor allem Ă€ltere Menschen wĂŒrden jetzt auf den Online-Handel auch bei Lebensmitteln aufmerksam, meint auch ZĂŒndorf. Er geht davon aus: "Das wird bleiben. Die Leute gewöhnen sich daran und merken: Das funktioniert." Die Beratungsfirma Oliver Wyman sieht hier einen allgemeinen Trend: Der Onlineumsatz mit Lebensmitteln werde sich in Deutschland bis 2030 mindestens verfĂŒnffachen, prognostizierte sie jĂŒngst. Die Kunden von morgen wollten auch ihre Waren des tĂ€glichen Bedarfs online klicken.

(bme [5])


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https://www.heise.de/-4683101

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[1] https://www.welt.de/wirtschaft/article206541365/Coronavirus-Einkaufen-wird-sich-dauerhaft-veraendern.html
[2] https://www.verbraucherzentrale-berlin.de/sites/default/files/2018-02/18_02_02_Marktcheck_Online_LM_Web.pdf
[3] https://www.onlinehaendler-news.de/online-handel/haendler/132383-delticom-schliesst-allyouneed-fresh-und-gourmondo
[4] https://www.ifhkoeln.de/pressemitteilungen/details/ifh-prognose-onlinelebensmittelhandel-steigt-bis-2030-auf-bis-zu-9-prozent/
[5] mailto:bme@heise.de