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DFG legt Studie zu Open Access vor

Richard Sietmann

Eine Umfrage unter Wissenschaftlern belegt die steigende Akzeptanz und Bedeutung frei zugÀnglicher Publikationen.

Die Verbreitung von Forschungsergebnissen ĂŒber spezielle, fĂŒr den Nutzer kostenlos zugĂ€ngliche Plattformen im Internet (Open Access) wird von einem Großteil der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aller Fachbereiche befĂŒrwortet. Trotzdem hat bisher nur etwa jeder Zehnte von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, eigene BeitrĂ€ge im Open Access verfĂŒgbar zu machen. Dies zeigt eine Umfrage [1] zum Publikations- und Rezeptionsverhalten von Wissenschaftlern, deren Ergebnisse die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) jetzt veröffentlichte. Die Studie (PDF [2]) liefert aufschlussreiche Einblicke in einen bislang zwar viel diskutierten, aber kaum mit Daten belegten Wandel auf dem Publikationsmarkt.

Open Access soll den wissenschaftlichen Austausch innerhalb der Scientific Community erleichtern. Da frei zugĂ€ngliche Publikationen hĂ€ufiger zitiert werden, steigert Open Access die Sichtbarkeit der Forschungsergebnisse und kann somit das Renommee der Wissenschaftler deutlich erhöhen. Mit der Unterzeichnung der "Berliner ErklĂ€rung [3] ĂŒber den offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen" hatte sich die DFG bereits am 22. Oktober 2003 verpflichtet, den freien Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen im Internet maßgeblich zu unterstĂŒtzen und zu propagieren.

An der Befragung hatten ĂŒber 1000 von der DFG geförderte Wissenschaftler aller Fachrichtungen teilgenommen. Dabei sprach sich der wissenschaftliche Nachwuchs in den Natur-, Lebens- und Ingenieurwissenschaften in etwas stĂ€rkerem Maße fĂŒr eine Förderung von Open-Access-Publikationen aus als Ă€ltere Wissenschaftler. Bei Geistes- und Sozialwissenschaftlern war es genau umgekehrt. Vor allem die SekundĂ€rpublikation bereits in renommierten Fachzeitschriften erschienener wissenschaftlicher BeitrĂ€ge im Open Access, das so genannte self-archiving, wurde ĂŒberaus positiv bewertet. Dazu eignen sich nach Meinung der Befragten fĂ€cherspezifische Server am besten. Bedenken Ă€ußerten Wissenschaftler in Bezug auf den Stellenwert von Open-Access-Publikationen in Fachkreisen und hinsichtlich der langfristigen VerfĂŒgbarkeit elektronischer Veröffentlichungen. Diese Bedenken werden jedoch in dem Maße geringer, in dem Wissenschaftler ĂŒber eigene Erfahrungen mit Online-Publikationen verfĂŒgen.

In der Studie wurden fĂŒr das Open-Access-Konzept drei wesentliche AusprĂ€gungen unterschieden: Open-Access-Zeitschriftenartikel, elektronische "Postprints" und elektronische "Preprints". Open-Access-Zeitschriften in ihrem Fach zu kennen, gaben insgesamt knapp vier von zehn Befragten an. Dabei bildeten die Ingenieurwissenschaften das Schlußlicht, denn nur jedem vierten aus diesem Wissenschaftsbereich war die Existenz von Open-Access-Zeitschriften ĂŒberhaupt bekannt. Preprint-Server kannte jeder zweite befragte Naturwissenschaftler, gut jeder vierte Geistes- und Sozialwissenschaftler, jeder fĂŒnfte Ingenieurwissenschaftler und nur jeder zehnte Lebenswissenschaftler.

Noch geringer als der Bekanntheitsgrad der verschiedenen Publikationsformen ist die Zahl der eigenen Open-Access-Veröffentlichungen. Nur jeder zehnte Befragte hatte bereits mindestens einen Aufsatz in Open-Access-Zeitschriften publiziert. Knapp jeder siebte publiziert aber bereits Vorabergebnisse seiner Forschung als "Preprints". Auch dabei schwankt der Anteil in den einzelnen Wissenschaftsbereichen: 35 Prozent der Naturwissenschaftler, aber nur 8 Prozent der Geistes- und Sozialwissenschaftler machen von dieser Möglichkeit Gebrauch. HĂ€ufiger wird die Möglichkeit einer Zweitveröffentlichung verfolgt. So hat unter den Befragten jeder vierte mindestens einen Zeitschriftenaufsatz, der zunĂ€chst in einem Print-Journal erschien, der breiten Öffentlichkeit durch eine im Internet unentgeltlich zugĂ€ngliche Archivkopie verfĂŒgbar gemacht.

Insgesamt zeigte sich in der Umfrage eine deutliche UnterstĂŒtzung fĂŒr das Open-Access-Konzept. Gut zwei Drittel der Befragten sehen darin einen Beitrag zur Verbesserung des Zugangs zu wissenschaftlichen Erkenntnissen; etwa der gleiche Anteil glaubt, dass sich die Publikationslandschaft durch Open Access nachhaltig verĂ€ndern wird. (Richard Sietmann) (bo [4])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-117634

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/Open-Access-als-Publikationsalternative-unter-Wissenschaftlern-kaum-bekannt-162712.html
[2] http://www.dfg.de/dfg_im_profil/zahlen_und_fakten/statistisches_berichtswesen/open_access/download/oa_ber_dt.pdf
[3] https://www.heise.de/news/Wissenschaftsorganisationen-bekennen-sich-zum-Internet-Publizieren-87235.html
[4] mailto:bo@boegeholz.org