Danziger GesprÀche: Bessere Polizeikommunikation mit SIENA
Polizei- und Terrorismusexperten haben sich auf den erstmals in Deutschland stattfindenden "Danziger GesprÀchen" darauf geeinigt, eine in Schweden entwickelte Kommunikationsplattform zwischen Europol und den nationalen Polizeidiensten einzusetzen.
Auf den erstmals in Deutschland stattfindenden "Danziger GesprĂ€chen" haben sich Polizei- und Terrorismusexperten darauf geeinigt, europaweit SIENA einzusetzen. Diese von Schweden entwickelte "Secure Information Exchange Network Application" ist eine interoperable Kommunikationsplattform zwischen Europol und den nationalen Polizeidiensten, bei der festgelegte KommunkationskanĂ€le mit definierten Ansprechpartnern Online-AuskĂŒnfte binnen weniger Stunden weiterleiten können.
Wie der Europol [1]-Direktor Max-Peter Ratzel auf der Konferenz vor 140 geladenen Spezialisten in WarnemĂŒnde ausfĂŒhrte, ist SIENA eine Art Polizei-Babelfish mit angeschlossenen Online-Dienststellen in allen LĂ€ndern, die rund um die Uhr betrieben werden mĂŒssen. Die Zentrale bildet ein Computersystem, das polizeiliche Anfragen in 24 Amtssprachen und drei Alphabete ĂŒbersetzen kann. Diese Anfragen sollen online in die jeweiligen LĂ€nder geschickt werden, die fĂŒr solche Fahndungsersuchen eine stĂ€ndig besetzte Dienststelle unterhalten. Laut Ratzel soll so ein griechischer KĂŒstenwachoffizier auf eine Fahndungsmeldung eines lettischen Polizisten reagieren können.
Auf den Danziger GesprĂ€chen, an denen rund 140 Experten aus Politik, Wirtschaft, Polizei und Justiz aus 14 europĂ€ischen Staaten teilnehmen, begrĂŒĂte Bundesinnenminister Wolfgang SchĂ€uble (CDU) die Initiative. Er wies aber darauf hin, dass Deutschland das System aufgrund der föderalen Struktur der Polizeidienste nicht sofort umsetzen könne, weil alle BundeslĂ€nder einzeln zustimmen mĂŒssten.
Als Gastgeber der Danziger GesprĂ€che [2] betonte Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier (CDU) auf der Pressekonferenz, welche Bedeutung die grenzĂŒberschreitende Zusammenarbeit mit Polen fĂŒr sein Bundesland hat. Dabei sei die KriminalitĂ€t an der deutsch-polnischen Grenze entgegen einiger BefĂŒrchtungen nach dem Wegfall der Grenzregelungen nicht gestiegen.
Ăhnlich wie zwischen Polen und Deutschland mĂŒssen Polizeiinformationen europaweit schnell flieĂen können, betonte Ingmar Weitermeier, Direktor des Landeskriminalamtes in Mecklenburg-Vorpommern. Wenn erste schnelle Anfragen im kriminalgeografischen Raum ergeben, dass ein TĂ€ter mit seinen DNA-Spuren im Ausland aufgefallen ist, könne nach dem Anfangsverdacht eine offizielle Anfrage nach Rechtshilfe folgen. Dieses Verfahren sei auch datenschutzrechtlich unbedenklich. (Detlef Borchers) / (anw [3])
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