Das Internet verÀndert die politische Kommunikation
Schon jetzt zögen immer mehr Menschen ihre Informationen aus dem Netz, Internet-Nutzer seien zudem deutlich politisch aktiver als Nicht-Nutzer, meint Martin Emmer von der TU Ilmenau.
Das Internet verĂ€ndert nach Expertenansicht die politische Kommunikation in Deutschland. Schon jetzt zögen immer mehr Menschen ihre Informationen aus dem Netz. Internet-Nutzer seien zudem deutlich politisch aktiver als Nicht-Nutzer, sagte Martin Emmer [1] vom Institut [2] fĂŒr Medien- und Kommunikationswissenschaft der Technischen UniversitĂ€t Ilmenau [3] in einem dpa-GesprĂ€ch.
Politische Informationen aus dem Netz zu ziehen, sei keine Spielerei, die nach einer gewissen Erprobungsphase wieder abebbe, betonte Emmer. "Wer einmal damit begonnen hat, informiert sich immer intensiver auf diese Weise." Das Ilmenauer Institut untersucht seit 2001 [4] in Umfragen den Einfluss des Internet auf die politische Kommunikation. Das Projekt wird bis Ende 2005 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanziert.
"Das Internet hat einen nachweisbar positiven Einfluss, sowohl was die Information als auch was die Partizipation betrifft", berichtete Emmer von ersten Ergebnissen. Ist ein Netz-Zugang vorhanden, werde das Angebot auch genutzt. Bei der Àlteren Generation wachse die Rolle des Internet ergÀnzend zu Zeitung und Fernsehen. "Die VerÀnderungen sind jedoch nicht revolutionÀr, wie manche vermutet haben, sondern eher evolutionÀr."
Zwar wĂŒrden Internet-Nutzer weniger Zeitung lesen, nur noch selten Parteien beitreten und auch nicht unbedingt zur Wahl gehen, dennoch seien sie im Netz stark politisch aktiv. "Die spielen nicht nur online." Immerhin 32 Prozent der Internet-Nutzer informierten sich auf Webseiten von Politikern. 20 bis 25 Prozent bestellten gelegentlich online politisches Info-Material. Per Post oder am Telefon machen das laut Emmer nur knapp 10 Prozent. Jeder Vierte aus der Gruppe derjenigen, die das Netz stark nutzten, mache dort gelegentlich EintrĂ€ge in politische Foren. Eine eigene Homepage hĂ€tten jedoch wenige, berichtete Emmer. "Der Anteil ist verschwindend gering, bei nicht mal zwei Prozent." Auch gelinge es nicht, die Gruppe der Netz-Nutzer zum Beispiel zu Unterschriftenaktionen zu bewegen.
Irgendwann einmal den Bundestag online zu wĂ€hlen, hĂ€lt der Kommunikationswissenschaftler noch fĂŒr recht unrealistisch. "Der technische Aufwand wĂ€re doch sehr groĂ." SchlieĂlich mĂŒsse das System absolut sicher sein. Online-Abstimmungen seien aber ein wichtiges Experimentierfeld fĂŒr die nĂ€chsten Jahre. "Man sollte das nicht aus dem Auge verlieren. Es muss ja nicht gleich eine Landtags- oder Bundestagswahl sein." (jk [5])
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[2] http://www.tu-ilmenau.de/fakmn/Institut_fuer_Medien.2071.0.html
[3] http://www.tu-ilmenau.de/uni/index.php
[4] http://www.tu-ilmenau.de/fakmn/befragung.html
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