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Deutscher Musikmarkt wÀchst nach jahrelanger Talfahrt

Nach jahrelanger Krisenstimmung gibt es gute Nachrichten fĂŒr die deutsche Musikbranche: Das Plus im Online-GeschĂ€ft lĂ€sst erstmals wieder auch den Gesamtmarkt wachsen. Die Industrie hĂ€ngt aber nach wie vor entscheidend von der CD ab.

Der deutsche Musikmarkt ist nach Jahren des Schrumpfens wieder auf Wachstumskurs. Im ersten Halbjahr legten die Erlöse im Vergleich zur Vorjahresperiode [1] um 1,5 Prozent auf 660 Millionen Euro zu, wie der Branchenverband BVMI [2] am Montag mitteilte [3]. Das Plus wurde vor allem von ZuwÀchsen bei Song-Downloads und Musik-Streaming aus dem Netz getragen.

Das digitale GeschĂ€ft legte um 16 Prozent zu und macht jetzt rund ein Viertel vom Gesamtumsatz aus. Entscheidend fĂŒr die guten Zahlen war aber auch ein deutlich abgebremster RĂŒckgang der CD-Erlöse. Das GeschĂ€ft mit den Silberscheiben schrumpfte um 2,7 Prozent, wĂ€hrend es allein im vergangenen Jahr um ĂŒber sieben Prozent abgesackt [4] war.

Die schon oft totgesagte CD sorgt in Deutschland nach wie vor fĂŒr ĂŒber zwei Drittel der Erlöse. Das ist mehr als im internationalen Durchschnitt. "Zum einen sind die deutschen Verbraucher traditionell etwas zurĂŒckhaltender, wenn es um Online-EinkĂ€ufe geht", erklĂ€rte BVMI-GeschĂ€ftsfĂŒhrer Florian DrĂŒcke in einem dpa-Interview. Zum andere spiele die VerfĂŒgbarkeit der CD eine Rolle: "Im Gegensatz zu den USA gibt es beispielsweise noch große VerkaufsflĂ€chen im Einzelhandel."

Mit Streaming und Downloads erzielt die deutsche Musikwirtschaft ein Viertel ihrer UmsÀtze.

(Bild: BVMI)

DrĂŒcke wies Spekulationen zurĂŒck, die Musikindustrie strebe einen möglichst schnellen Übergang von der CD zu Downloads und Streaming an: "Dass wĂ€re der grĂ¶ĂŸte Irrsinn ĂŒberhaupt, wenn wir das wollten." Die Branche stelle sich auf einen sanften Wandel ein. "Im Moment sieht es so aus als könnte die CD ĂŒber die nĂ€chsten Jahre langsam aus dem Markt gehen." Zugleich könnten aber verschiedene Faktoren die Entwicklung beschleunigen, etwa mögliche Verschiebungen im stationĂ€ren Handel.

Beim Online-GeschĂ€ft machen die Downloads nach wie vor den Löwenanteil aus. Nach einem Zuwachs von 5,3 Prozent stellen sie rund ein FĂŒnftel der Gesamterlöse. Das Streaming, bei dem Musik direkt aus dem Netz abgespielt wird, wĂ€chst aber explosiv: Der Marktanteil verdoppelte sich auf 4,6 Prozent. Das GeschĂ€ftsmodell mit Abo-GebĂŒhren [5] um die zehn Euro fĂŒr den Zugriff auf Millionen von Songs ist jedoch umstritten. Anbieter wie Pandora und Spotify, die öffentlich Zahlen vorlegen, schreiben meist Verluste [6]. Zugleich beschweren sich viele Musiker [7], dass fĂŒr sie aus dem GeschĂ€ft deutlich weniger Geld abfĂ€llt.

"Wir sind in einem Umgewöhnungsprozess, auch auf Seiten der Industrie", rĂ€umte DrĂŒcke dazu ein. Es gehe vielleicht um geringere BetrĂ€ge – die aber auf einen lĂ€ngeren Zeitraum bei der Nutzung flĂ¶ĂŸen. Außerdem sei das Potenzial des Streaming-Angebots noch nicht ausgeschöpft. "Wir wollen das Produkt Musik ĂŒber alle möglichen KanĂ€le verfĂŒgbar machen, von Vinyl-Schallplatten bis zur Cloud", betonte er.

Zuletzt machten physische TontrĂ€ger – also CD, DVD und Blu-ray mit Musik, Vinyl sowie Kassetten noch 75,5 Prozent der GesamtumsĂ€tze aus. Das GeschĂ€ft mit klassischen Schallplatten, die die Industrie als Nischenprodukt fĂŒr Klang-Enthusiasten etabliert hat, wuchs im ersten Halbjahr um ĂŒber 30 Prozent und kommt jetzt auf 1,8 Prozent vom Gesamtmarkt. Dagegen scheint die Zeit der Musikkassetten endgĂŒltig vorbei zu sein: "Die Kassette verabschiedet sich gerade wirklich", sagte DrĂŒcke. Sie spiele im Wesentlichen nur noch bei Kinder-Produkten eine Rolle. (vbr [8])


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https://www.heise.de/-1938066

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/Musikindustrie-Umsatz-mit-Downloads-legt-weiter-zu-1662375.html
[2] http://www.musikindustrie.de
[3] http://www.musikindustrie.de/aktuell_einzel/back/84/news/deutscher-musikmarkt-zum-1-halbjahr-2013-leicht-im-plus/
[4] https://www.heise.de/news/Digitaler-Musikmarkt-in-Deutschland-waechst-rasant-1830234.html
[5] https://www.heise.de/news/Musik-Streaming-vor-allem-bei-jungen-Menschen-beliebt-1926985.html
[6] https://www.heise.de/news/Spotify-Mehr-Geschaeft-mehr-Verlust-1928041.html
[7] https://www.heise.de/news/Britische-Musiker-legen-sich-mit-Spotify-an-1918426.html
[8] mailto:vbr@heise.de