Diesel-Skandal: Razzia wegen Betrugsverdachts bei Opel
(Bild: dpa)
Nach Ă€hnlichen Aktionen gegen andere Autohersteller stehen nun auch bei Opel die Fahnder vor der TĂŒr.
Auch der Autohersteller Opel steht jetzt im konkreten Verdacht, die Abgase bei Dieselfahrzeugen mit einer Software-Funktion manipuliert zu haben. Am Montag durchsuchten Ermittler GeschĂ€ftsrĂ€ume des im vergangenen Jahr vom französischen PSA-Konzern ĂŒbernommenen Unternehmens in RĂŒsselsheim und Kaiserslautern. Zuvor hatte es schon Ă€hnliche Razzien bei Marken des VW-Konzerns und bei BMW gegeben â mit einem Schwerpunkt auf verdĂ€chtigen Abweichungen von Abgaswerten zwischen Messungen auf PrĂŒfstĂ€nden und im StraĂenbetrieb.
Die Ermittler hegen einen Anfangsverdacht des Betruges, weil Opel möglicherweise Dieselfahrzeuge mit manipulierter Abgas-Software in den Verkehr gebracht habe, wie die Frankfurter OberstaatsanwĂ€ltin Nadja Niesen erklĂ€rte. Die Fahrzeuge haben demnach die zusĂ€tzliche Reinigung bei hohen Drehzahlen und in einem breiten Bereich von AuĂentemperaturen abgeschaltet. Opel hatte die Technik stets verteidigt, weil sie notwendig fĂŒr den Schutz von Motorbauteilen sei.
Hardware-NachrĂŒstungen lehnt Opel ab
Die Fahrzeuge sind schon lĂ€nger Gegenstand von PrĂŒfungen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA), auf dessen Strafanzeige die aktuellen Durchsuchungen zurĂŒckgehen sollen. Im Jahr 2017 hatte die Staatsanwaltschaft ein erstes Ermittlungsverfahren eingestellt. Damals sei es um andere Autos und VorwĂŒrfe gegangen, sagte Niesen.
Opel hatte Autobesitzern freiwillige Software-Updates angeboten, dazu aber keine Fallzahlen genannt. Die von der Bundesregierung geforderten Hardware-NachrĂŒstungen lehnt das Unternehmen bislang ab, weil diese "ökonomisch nicht sinnvoll und technisch nicht ausgereift" seien. "Wir glauben nicht, dass NachrĂŒstungen funktionieren", hatte der Chef des Opel-Mutterkonzerns PSA, Carlos Tavares, auf der Pariser Automesse erklĂ€rt.
Opel beharrt auf seinem Standpunkt
Trotz der laufenden Betrugsermittlungen beharrt Opel darauf, dass die Fahrzeuge den geltenden Vorschriften entsprechen. Das Unternehmen bestĂ€tigte staatsanwaltschaftliche Untersuchungen [1], wollte sich zu den Details aber nicht Ă€uĂern. Es kooperiere im vollen Umfang mit den Behörden, hieĂ es nur. Die Ermittler wollen nun zunĂ€chst die Unterlagen auswerten, um dann möglicherweise mit Vernehmungen fortzufahren.
Beamte des hessischen Landeskriminalamtes und der Polizei durchsuchten im Auftrag der Frankfurter Staatsanwaltschaft GeschÀftsrÀume des Autoherstellers. Im Juli hatte das Bundesverkehrsministerium in Berlin "eine amtliche Anhörung gegen Opel" wegen drei Fahrzeugmodellen bestÀtigt. Grund: Auch hier bestehe der Verdacht von Software-Manipulationen bei der Abgasreinigung.
Abschalteinrichtung unnötig?
Autohersteller begrĂŒnden Abschalteinrichtungen mit dem Motorschutz vor allem bei KĂ€lte oder Hitze. Bei vielen Modellen gibt es aber Zweifel daran, ob dies wirklich notwendig ist. Wenn die Abgasreinigung nicht richtig arbeitet, stoĂen Diesel mehr gesundheitsschĂ€dliche Stickoxide aus. Da Luft-Grenzwerte in vielen StĂ€dten ĂŒberschritten sind, drohen Fahrverbote fĂŒr Dieselwagen. In Hamburg gibt es sie bereits auf zwei Streckenabschnitten; in Stuttgart, Frankfurt und Berlin stehen Verbote bevor.
Im Kern geht es um die Frage, wie wirksam die Abgasreinigung bei bestimmten Fahrzeugen ist, in welchen Bereichen diese voll zum Einsatz kommt und ob sie damit zulĂ€ssig ist. Bei Autos mit auffĂ€lligen Emissionen hatte das KBA 2016 Nachbesserungen angeordnet. Betroffen waren insgesamt 630.000 Wagen verschiedener Hersteller â darunter 90.000 von Opel. Dabei handelt es sich nach Angaben des Unternehmens um Fahrzeuge der Modelle Zafira Tourer, Insignia und Cascada, die bis Sommer 2016 produziert wurden.
Chronologie des Abgas-Skandals (0 Bilder) [2]
(anw [4])
URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-4190979
Links in diesem Artikel:
[1] https://de-media.opel.com/de/stellungnahme-der-opel-automobile-gmbh
[2] https://www.heise.de/bilderstrecke/1742089.html?back=4190979;back=4190979
[3] https://www.heise.de/bilderstrecke/1742089.html?back=4190979;back=4190979
[4] mailto:anw@heise.de
Copyright © 2018 Heise Medien