Dobrindt fordert Autobranche zu Abgas-Selbstverpflichtung auf
(Bild: Kristina Beer)
Was sind nötige Konsequenzen aus auffÀlligen Schadstoffwerten bei mehreren Autobauern? Der Verkehrsminister will die Konzerne jetzt in die Pflicht nehmen, nicht nur auf RegelverschÀrfungen zu warten.
Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt hat die Autobranche angesichts des Vertrauensschadens nach dem VW-Skandal zu eigenstĂ€ndigen Zusagen fĂŒr realistischere Abgaswerte aufgefordert. "Ich erwarte an dieser Stelle ein deutlich offensiveres Vorgehen der Autoindustrie", sagte der CSU-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. "Solange die gesetzlichen Neuregelungen auf europĂ€ischer Ebene noch nicht umgesetzt sind, sollten die Automobilkonzerne eine freiwillige Selbstverpflichtung eingehen und die aktuell noch zulĂ€ssigen SpielrĂ€ume bei den Messprozeduren nicht ausschöpfen."
Messungen im realen StraĂenverkehr
Teil einer solchen Zusage sollten neben Labortests auch vergleichbare Messungen im realen StraĂenverkehr sein. "Das könnte man auf einer definierten Strecke von 100 Kilometern LĂ€nge mit Streckenanteilen innerorts und auĂerorts machen", sagte Dobrindt. Wenn die Hersteller, die Fahrzeuge in Deutschland genehmigen lassen, Verbrauchstests auf dieser Strecke fahren, ergebe sich zumindest unter diesen Anbietern eine realitĂ€tsnahe Vergleichbarkeit. Die Ergebnisse sollten dann auf einer Online-Plattform veröffentlicht werden. "Das wĂŒrde verloren gegangenes Vertrauen wieder aufbauen", sagte der Minister.
Es sei das eine, dass der Gesetzgeber die Regeln Ă€ndere, was jedoch nur auf europĂ€ischer Ebene möglich sei. "Auch wenn wir daran mit Nachdruck arbeiten, ist das ein langwieriger Prozess." Etwas anderes sei daher, was die Autoindustrie von sich aus tun könne. "DarĂŒber werde ich im neuen Jahr mit der Branche sprechen", sagte Dobrindt.
Zu viel Spielraum fĂŒr Hersteller
Er betonte, die bisherigen Regelungen lieĂen zu viel Spielraum zu, den manche Hersteller auch sehr weit genutzt hĂ€tten. "Heute kann der schlechteste Ingenieur mit dem schlechtesten Motor die gröĂten Ausnahmen fĂŒr sich in Anspruch nehmen. Das darf nicht sein."
Dobrindt setzt sich daher auf EU-Ebene fĂŒr strengere Regeln ein. So sollten Abschaltungen der Abgasreinigung nur noch akzeptiert werden, wenn es beim Einsatz "bester verfĂŒgbarer Technologien" nach dem Stand der Technik keine anderen Möglichkeiten zum Motorschutz gibt. "Ich bin sehr unzufrieden, dass wir auf europĂ€ischer Ebene noch immer keine Einigung erreichen konnten", sagte er.
ErgĂ€nzend zu den umstrittenen Labortests sollen in der EU von September 2017 an schrittweise verpflichtende Messungen auf der StraĂe (Real Driving Emissions, RDE) starten. Hintergrund ist, dass die realen Abgaswerte teils erheblich höher ausfallen, als es Ergebnisse im Labor ergeben.
VDA: EU soll mit AugenmaĂ agieren
Unterdessen warnte die deutsche Autoindustrie erneut vor einer VerschĂ€rfung der Abgasregelungen. "Die Politik sollte diesen Weg begleiten, indem sie uns fordert, aber auch das internationale Umfeld im Blick behĂ€lt", sagte VDA-PrĂ€sident Matthias Wissmann dem "Tagesspiegel" (27.12.16). Europa habe bereits die strengsten CO2-Grenzwerte weltweit. "Die EU sollte mit AugenmaĂ agieren und die Regulierungsschraube nicht einseitig zu Lasten der WettbewerbsfĂ€higkeit der europĂ€ischen Hersteller ĂŒberdrehen." (akr [1])
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