Doch keine Sternenexplosion 2022: Tippfehler in Datenmaterial entdeckt
Die LeuchtkrÀftige Rote Nova V838 Monocerotis
(Bild: NASA, ESA and H.E. Bond (STScI))
Eine fĂŒr 2022 vorhergesagte Sternenexplosion steht wohl doch nicht an, denn nun wurden ein Schreibfehler und mehrere unwahrscheinliche ZufĂ€lle entdeckt.
Die Doppelsterne KIC 9832227 werden wohl 2022 doch nicht fusionieren und die erste vorhergesagte helle Sternenexplosion auslösen. Das hat der Doktorand Quentin Socia an der San Diego State University herausgefunden, als er die aufsehenerregende Vorhersage mit weiteren Daten bestĂ€tigen wollte. Der Astronom Larry Molnar, unter dessen Leitung die Anfang 2017 vorgestellten Berechnungen zur anstehenden Nova durchgefĂŒhrt worden waren, hat die Richtigkeit der nun vorgestellten Studie bestĂ€tigt.
Sternenexplosion vorhergesagt
Eine Gruppe am Calvin College im US-Bundesstaat Michigan um Molnar hatte im Januar 2017 prophezeit, dass die Doppelsterne KIC 9832227 in wenigen Jahren fusionieren und anschlieĂend explodieren wĂŒrden [1]. BezĂŒglich ihrer Helligkeit wĂŒrde die Explosion zwischen einer klassischen Nova und einer Supernova liegen. Im Sternbild Schwan sollte damit einer der helleren Sterne am Nachthimmel entstehen. Solch eine Prognose hatte es davor noch nie gegeben. Da das System etwa 1800 Lichtjahre von der Erde entfernt ist, wĂ€re die Explosion lĂ€ngst geschehen, wir wĂŒrden sie nur erst 2022 zu sehen bekommen.
Wie die US-UniversitĂ€t nun erklĂ€rt [2], begann Socia danach mit der ĂberprĂŒfung der Vorhersage und widmete sich dafĂŒr den Daten, die der Berechnung zugrunde lagen. Neuere Daten, die er mit seinen Kollegen einbeziehen konnte, stĂŒtzten das von Molnar entwickelte Modell anfangs. Problematisch wurde es erst, als sie einen bislang unveröffentlichten Datensatz aus dem Jahr 2003 analysierten und bemerkten, dass der um 60 Minuten verschoben war. Mit Molnars Hilfe fanden sie danach in einem anderen alten Datensatz, der fĂŒr die ursprĂŒngliche Berechnung ausschlaggebend war, einen Schreibfehler.
Folgenschwerer Schreibfehler
(Bild:Â L. Molnar)
Wie sie erlĂ€utern, hatte es in einer begleitenden ErklĂ€rung zum Northern Sky Variability Survey (NSVS) geheiĂen, man mĂŒsse vom Datumswert genau "2400000" abziehen, um auf das tatsĂ€chliche Datum zu kommen. In einer Vorabfassung, hatte an dieser Stelle jedoch "2400000.5" gestanden. Molnar und sein Team hatten also mit einem um einen halben Tag verschobenen Datenpunkt gerechnet, die Doppelsterne kreisen aber fast genau einmal alle elf Stunden umeinander. Benutzt man die so korrigierte Beobachtung, passt das ursprĂŒnglich vorgeschlagene Modell nicht mehr.
Molnar hat bei der EntkrĂ€ftung der ambitionierten Prognose geholfen. Einmal auf die Unstimmigkeit aufmerksam geworden, hat er nach eigener Aussage berechnet, dass die Helligkeitsmessung von KIC 9832227, so wie er sie ursprĂŒnglich verwendet hatte, gar nicht stimmen konnte. Denn fĂŒr das verantwortliche Observatorium in Los Alamos im US-Bundesstaat New Mexico war das Doppelsternsystem zu diesem, um eine Stunde abweichenden Zeitpunkt noch unter dem Horizont.
Zu viele unwahrscheinliche ZufÀlle
Der Astronom erklĂ€rt noch [3], dass der Prognose ursprĂŒnglich mehr als vier Jahre intensiver Arbeit vorhergegangen waren. Eine gewisse Unsicherheit habe natĂŒrlich bestanden, aber um die völlig auszuschlieĂen, hĂ€tte man auf die Sternenexplosion warten mĂŒssen. Nur wenige hĂ€tten dann aber die Zeit davor fĂŒr Beobachtungen nutzen können. Stattdessen hĂ€tten nun mehreren unwahrscheinliche ZufĂ€lle dazwischen gefunkt: Immerhin war die Definition in einer wissenschaftlichen Arbeit fehlerhaft, der darauf aufbauende Wert passte in eine Hypothese und Folgebeobachtungen wurden korrekt vorhergesagt. Die ĂberprĂŒfung sei sowieso der wohl wichtigste Teil von Wissenschaft und man werde weitersuchen. (mho [4])
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[1] https://www.heise.de/news/Astronomen-sagen-helle-Sternenexplosion-fuer-2022-voraus-3591770.html
[2] https://calvin.edu/news/archive/team-of-researchers-challenge-bold-astronomical-prediction
[3] http://www.calvin.edu/academic/phys/observatory/MergingStar/2018Update.html
[4] mailto:mho@heise.de
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