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DĂŒrftige Wahl-Nachlese der Parteien im Internet

Einen Tag nach der Landtagswahl in Hessen hat sich auf den InternetprĂ€senzen der Parteien und Spitzenkandidaten grĂ¶ĂŸtenteils nichts getan. FĂŒr den Politikwissenschaftler Christoph Bieber ist das ein Zeichen mangelnder ProfessionalitĂ€t.

Die Aufbereitung der Landtagswahl [1] ist bei den Parteien und hessischen Spitzenpolitikern im Internet dĂŒrftig ausgefallen. Am Montagvormittag waren so gut wie keine neuen EintrĂ€ge und Reaktionen zu finden. Sogar SPD-Spitzenkandidat Thorsten SchĂ€fer-GĂŒmbel [2], der das World Wide Web in den Tagen und Stunden vor dem Urnengang noch sehr intensiv mit Nachrichten und Botschaften genutzt hatte [3], hatte nichts Neues zu vermelden.

"Das ist ein Zeichen mangelnder ProfessionalitĂ€t und ein echter Fauxpas", bewertete der Politikwissenschaftler Christoph Bieber vom Zentrum fĂŒr Medien und InteraktivitĂ€t (ZMI [4]) der UniversitĂ€t Gießen. Er sprach von einem deutlichen RĂŒckfall nach den vorangegangenen Zeiten intensiverer Nutzung. Dass die Parteien und Spitzenpolitiker ihre Seiten nicht auch nach der Wahl besser pflegen, bezeichnete er als "eindeutiges VersĂ€umnis".

Standard mĂŒsste es laut Bieber sein, sich bei den AnhĂ€ngern zumindest fĂŒr die UnterstĂŒtzung zu bedanken, Bilder und Videos der Wahl-Partys einzustellen oder auch die Niederlage wie im Fall der SPD auf der Homepage einzugestehen. "Eigentlich hĂ€tte schon am Wahlabend frisches Material online gestellt werden mĂŒssen", befand Bieber. Allein mit eventuell fehlenden personellen KapazitĂ€ten sei die Internet-MĂŒdigkeit nicht zu erklĂ€ren. "Man hĂ€tte auch EintrĂ€ge vorbereiten und zeitnah auf den Seiten platzieren können", so Bieber.

Auch am Tag nach der Wahl prangten auf den Seiten der Parteien zuoberst noch ĂŒberwiegend Wahlaufrufe. Lediglich die Partei Die Linke [5] bedankt sich mit einem Banner: "Danke – Wir werden dieses Land weiter verĂ€ndern!" Ein Musterbeispiel an fehlender AktualitĂ€t lieferte Andrea Ypsilanti [6]. Die am Wahlsonntag von ihren Ämtern zurĂŒckgetretene hessische Partei- und Fraktionsvorsitzende bietet den Internetnutzern noch heute einen veralteten Beitrag vom 8. Januar.

Gespannt erwartet Bieber nun, wie die Internetnutzer auf die Informations- und Reaktionsflaute im Netz reagieren. "Einige User werden sich schon fragen: TSG was machst du und wo bist du? Da werden sich einige Internetnutzer bestimmt beschweren." Eine ErklĂ€rung fĂŒr die Web-MĂŒdigkeit nach der Wahl sieht Bieber in der offenbar eingefahrenen Medien-Hierarchie. Aktuell am Wahltag dominiere das Fernsehen bei Live-Entscheidungen. (Jörn Perske, dpa) / (anw [7])


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https://www.heise.de/-199538

Links in diesem Artikel:
[1] http://www.statistik-hessen.de/S12.htm
[2] http://www.schaefer-guembel.de
[3] https://www.heise.de/news/Schaefer-Guembel-schlaegt-Koch-aber-nur-im-Netz-197987.html
[4] http://www.zmi.uni-giessen.de
[5] http://www.die-linke-hessen.de
[6] http://www.andrea-ypsilanti.de
[7] mailto:anw@heise.de