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E-Mail-AffÀre: FBI will Hillary Clinton nicht anklagen

Daniel AJ Sokolov
Hillary Rodham Clinton

Eine Anklage hÀtte Clintons AnwÀrterschaft auf das PrÀsidentenamt gefÀhrdet.

(Bild: Frank Plitt CC-BY 3.0 (Ausschnitt))

Als Außenministerin hat Hillary Clinton Staatsgeheimnisse gefĂ€hrdet, indem sie einen privaten E-Mail-Server nutzte. Das FBI will sie trotzdem nicht anklagen. Das letzte Wort hat die Justizministerin.

WĂ€hrend ihrer Zeit als US-Außenministerin hat Hillary Rodham Clinton Staatsgeheimnisse gefĂ€hrdet [1], ĂŒber mehrere unsichere Systeme ĂŒbertragen und teils ohne Kennzeichnung mit Dritten geteilt. Dabei benutzte sie ĂŒber die Jahre mehrere Handys und nicht-professionelle E-Mail-Server. Die verschiedene Administratoren löschten die Daten nach Aussonderung der GerĂ€te auch nicht ordentlich. Das hat das FBI in einer aufwĂ€ndigen Untersuchung festgestellt. Trotzdem spricht es sich gegen eine Anklage aus.

James Comey

James B. Comey bei seiner Rede am Dienstag

(Bild: FBI)

FBI-Chef James Comey hat am Dienstag persönlich ĂŒber den Fall resĂŒmiert [2] und Clinton als "extrem leichtsinnig" kritisiert. Er berichtete ĂŒber den hohen Aufwand, den das FBI getrieben hat, die dabei gewonnenen Ergebnisse, und die GrĂŒnde, keine Anklage zu empfehlen. Nach US-Bundesrecht ist es ein Verbrechen, als geheim eingestufte Informationen nachlĂ€ssig zu behandeln, wenn das vorsĂ€tzlich oder grob fahrlĂ€ssig geschieht.

Außerdem ist es eine Straftat, als geheim eingestufte Informationen aus den zulĂ€ssigen Systemen zu entnehmen. DarĂŒber hinaus mĂŒssen Unterlagen öffentlicher AmtstrĂ€ger archiviert werden, was der historischen Analyse und Kontrolle dient. Das hat Clinton durch den Einsatz ihrer Amateursysteme unmöglich gemacht [3]. Die Entscheidung, ob Clinton angeklagt wird, liegt bei der GeneralstaatsanwĂ€ltin und Justizministerin Loretta Lynch.

60.000 E-Mails waren noch als solche vorhanden. Clintons AnwĂ€lte stufte etwa die HĂ€lfte als "privat" ein und löschte diese so professionell, dass eine forensische Untersuchung unmöglich geworden sei, so Comey. Die andere HĂ€lfte ĂŒbergaben die AnwĂ€lte dem FBI, dessen Ermittler alle 30.000 E-Mails lesen mussten. Comey wollte nicht ausschließen, dass Clintons AnwĂ€lte auch einige nicht-private Nachrichten gelöscht hĂ€tten; er glaubt aber nicht, dass das absichtlich geschehen wĂ€re.

Außerdem fand das FBI Tausende E-Mails oder -Fragmente in nicht ordentlich gelöschten Datenspeichern sowie in Regierungsarchiven. Diese Archive umfassen, korrekterweise, die Mailboxen jener Regierungsbediensteten, mit denen Clinton korrespondiert hat. Auf E-Mail-Archive von Korrespondenzpartnern mit Nicht-Regierungsservern hatte das FBI keinen Zugriff.

Loretta Lynch vor Pulse-Schild

Justizministerin Loretta E. Lynch inspiziert den Nachtclub Pulse nach dem scheußlichen Anschlag.

(Bild: DoJ)

Unter den vom FBI und anderen zustĂ€ndigen Geheimdiensten begutachteten E-Mails enthielten 110 als geheim eingestufte Inhalte. Sie waren ĂŒber 52 E-Mail-Threads verstreut. Acht dieser Threads enthielten Informationen, die zum Zeitpunkt des E-Mail-Versands "Top Secret" waren. Dazu kamen 36 "Secret" und acht "Confidential". 2.000 weitere E-Mails enthielten Daten, die zum Zeitpunkt des Versands nicht als geheim eingestuft aber doch so sensibel waren, so dass sie inzwischen auf Confidential "hinaufgestuft" wurden.

Einen Beweis, dass Clintons Systeme gehackt wurden, hat das FBI nicht gefunden. Aber, so Comey, es sei auch unwahrscheinlich, dass sich solche Beweise finden lassen wĂŒrden. Sehr wohl sei aber bewiesen, dass sich "feindliche Akteure" Zugang zu E-Mail-Konten von Personen verschafft haben, mit denen Clinton regelmĂ€ĂŸig kommuniziert habe.

"Wir stellen auch fest, dass Ministerin Clintons Einsatz privater E-Mail-Domains sowohl einer großen Zahl von Menschen bekannt als auch offensichtlich war", sagte Comey. "Sie hat ihre persönlichen E-Mail-Dienste auch außerhalb der USA intensiv genutzt, auch [zum Versand und Empfang] arbeitsbezogener E-Mails in Territorien hochentwickelter Gegner." Das Verhalten der Außenministerin beschrieb der FBI-Chef als "extrem leichtsinnig" ("extremely careless").

Cartoon

Schlagseite aus der c't 12/2016

(Bild: CC-BY-NC-ND 3.0 [4])

"Obwohl es Beweise fĂŒr mögliche Verletzungen der Gesetze ĂŒber die Handhabung geheimer Informationen gibt, ist unsere EinschĂ€tzung, dass kein vernĂŒnftiger AnklĂ€ger so einen Fall vorbringen wĂŒrde", sagte Comey. Zu den entscheidenden Faktoren zĂ€hlten Beweiskraft, insbesondere hinsichtlich des Vorsatzes, der Kontext der Tat und wie Ă€hnliche FĂ€lle bisher gehandhabt worden seien.

Es habe in der Vergangenheit keinen vergleichbaren Fall gegeben, in dem Anklage erhoben worden wĂ€re. Bei Anklagen seien stets deutliche Absicht oder Vorsatz oder Absicht gegeben gewesen, oder sehr große Mengen geheimer Dokumente, oder Hinweise auf DisloyalitĂ€t zu den Vereinigten Staaten, oder Versuche, die Justiz zu behindern. "Diese Dinge sehen wir hier nicht", stellte Comey fest.

Abschließend betonte er, dass das FBI unbeeinflusst ermittelt habe. "Ich könnte nicht stolzer sein, Teil dieser Organisation zu sein", schloss Comey seine AusfĂŒhrungen. Der Ball liegt nun bei Justizministerin Lynch. Es wĂ€re allerdings eine große Überraschung, sollte sie entgegen der Empfehlung des FBI Anklage gegen Hillary Clinton erheben. (ds [5])


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[1] https://www.heise.de/news/E-Mail-Affaere-US-Aussenministerium-tadelt-Clinton-3218796.html
[2] https://www.fbi.gov/news/pressrel/press-releases/statement-by-fbi-director-james-b.-comey-on-the-investigation-of-secretary-hillary-clintons-use-of-a-personal-e-mail-system
[3] http://www.heise.de/tp/artikel/48/48378/1.html
[4] http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/de/
[5] mailto:ds@heise.de