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EU-Bericht: Produktpiraterie weiter im Sinkflug

Stefan Krempl

EU-Zollbehörden haben 2013 weniger Vorkommnisse mit gefĂ€lschten oder illegal kopierten GĂŒtern registriert, auch die dadurch verursachte Schadenssumme ging nach unten. Bei CDs und Handys ist die Entwicklung gegenlĂ€ufig.

EuropĂ€ische Zollbehörden haben im vergangenen Jahr in knapp 87.000 FĂ€llen nahezu 36 Millionen Produkte beschlagnahmt, bei denen der Verdacht auf Verletzung von Marken- oder Urheberrechten bestand. Dies ist dem am Donnerstag veröffentlichten Bericht [1] der EU-Kommission fĂŒr 2013 ĂŒber "Maßnahmen des Zolls zur Durchsetzung der Rechte des geistigen Eigentums" zu entnehmen. Die Zahlen weisen demnach erneut nach unten [2]: 2012 hatten die Fahnder noch fast 40 Millionen Artikel in 90.473 FĂ€llen an den Grenzen abgefangen.

Auf insgesamt mehr als 768 Millionen Euro schĂ€tzt die Kommission den Wert der Originalware, die den beschlagnahmten Produkten entspricht. Im Vorjahr lag die "Schadenssumme" noch bei rund einer Milliarde Euro. FĂŒr den EU-Kommissar fĂŒr die Zollunion und BetrugsbekĂ€mpfung, Algirdas Ć emeta, zeigt die Statistik [3], "dass die FĂ€lscher vor keinen Waren Halt machen und dass der Zoll beim Abfangen gefĂ€lschter Produkte richtig gute Arbeit leistet".

Ganz oben auf der Liste der einbehaltenen GĂŒter stehen Kleidung mit 12 und Arzneimittel mit 10 Prozent. Deutliche ZuwĂ€chse mit ĂŒber 50 Prozent gab es unter anderem bei Mobiltelefonen: Gingen den Zöllnern 2012 "nur" 49.609 gefĂ€lschte Handys ins Netz, waren es im vorigen Jahr 88.484. Gegen den allgemeinen Trend lief auch die Entwicklung bei CDs und DVDs, bei denen es um Urheberrechtsverletzungen geht. Liefen 2012 nicht mehr als 52.260 bespielte und 167.738 unbespielte entsprechende MedientrĂ€ger auf, waren es 2013 knapp 266.000 beziehungsweise 341.182. Deutliche RĂŒckgĂ€nge verzeichneten die Behörden dagegen etwa Patronen und Tonerkartuschen fĂŒr Drucker.

Rund 70 Prozent der Zollinterventionen betrafen 2013 vergleichsweise kleine Post- und Kurierpakete, die dem Bericht nach wahrscheinlich auf InterneteinkĂ€ufe zurĂŒckgehen. China und Hongkong sind weiter mit insgesamt 79 Prozent die Landstriche, aus denen die meisten verschickten Waren zurĂŒckbehalten wurden. Dabei ging es vor allem um Parfums, Smartphones, Speicherkarten und USB-Speicher, Druckerzubehör und elektrische HaushaltsgerĂ€te. Rund 90 Prozent aller beschlagnahmten Produkte haben die Behörden entweder vernichtet oder sie strengten Gerichtsverfahren an, um einen Rechtsverstoß festzustellen. (vbr [4])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-2281151

Links in diesem Artikel:
[1] http://ec.europa.eu/taxation_customs/resources/documents/customs/customs_controls/counterfeit_piracy/statistics/2014_ipr_statistics_en.pdf
[2] https://www.heise.de/news/Weniger-Schaden-durch-Produktpiraterie-in-der-EU-1929954.html
[3] http://europa.eu/rapid/press-release_IP-14-890_de.htm
[4] mailto:vbr@heise.de