EU-Kommissar: NSA-AffÀre belastet Freihandelsabkommen
Die Kontroversen ĂŒber ein Freihandelabkommen nehmen kein Ende. Das Reizthema der neuen GesprĂ€chsrunde heiĂt Investitionsschutz. Und Minister Gabriel lĂ€sst sich jetzt auch von Kritikern eines Abkommens beraten.
EU-Kommissar Karel de Gucht hat den USA vorgeworfen, das geplante Freihandelsabkommen durch die NSA-SpionageaffĂ€re [1] zu belasten. "Die NSA-AffĂ€re hat viel Misstrauen erzeugt", sagte de Gucht der SĂŒddeutschen Zeitung. "Ich stimme verĂ€rgerten EuropĂ€ern zu: Das AusmaĂ der NSA-Spionage ist unertrĂ€glich." De Gucht selbst hat nach eigenen Angaben den US-Handelsbeauftragten Mike Froman in einem Brief gefragt, ob die NSA wie berichtet auch Handelsinstitutionen ausgespĂ€ht habe â und darauf bis heute keine Antwort erhalten.
Zum Freihandelsabkommen sagte de Gucht, die europĂ€ischen Gesundheits- und Umweltstandards wĂŒrden nicht gesenkt. "Ich habe so oft gesagt, dass es kein Hormon-Rindfleisch aus den USA geben wird, dass man mir glauben sollte." Gegenteilige Behauptungen seien "komplette LĂŒgen".
Heftige Kontroversen
In GesprĂ€chen ĂŒber eine Freihandelszone zwischen der EU und den USA am Mittwoch in der NĂ€he von Washington sorgte das Thema Investitionsschutz fĂŒr heftige Kontroversen. In einer Anhörung von ĂŒber 70 Interessengruppen in der NĂ€he von Washington ging es vor allem um geplante interne Schiedsgerichte, die in StreitfĂ€llen entscheiden sollen.
Kritiker Ă€uĂerten Bedenken, dass derartige Schiedsgerichte nationale Gesetze praktisch auĂer Kraft setzen können. "AuslĂ€ndischen Firmen wird es ermöglicht, die nationale Gesetzessystem zu umgehen", sagte Ben Beachy von Public Citizen, einer linksgerichteten Verbraucherorganisation.
Dagegen meinten Vertreter der Wirtschaft und der Industrie, solche Schiedsgerichte gebe es schon seit Jahrzehnten bei vielen Freihandelsabkommen. "Das ist kein amerikanischer Komplott, der irgendjemand aufgezwungen werden soll", sagte Shaun Donnelly vom US-Council for International Business (USCIB).
Kritiker finden mehr Gehör
Die fĂŒnfte GesprĂ€chsrunde ĂŒber die Abschaffung von Einfuhrzöllen und anderen Handelshemmnissen hatte am Montag begonnen und dauert bis Freitag. Ein Durchbruch wird nicht erwartet. Eine Einigung wird frĂŒhestens nĂ€chstes Jahr erwartet. Eine atlantische Freihandelszone wĂ€re mit 800 Millionen Verbrauchern die weltweit gröĂte lĂ€nderĂŒbergreifende Wirtschaftszone.
Kritiker des Abkommens scheinen immer mehr Gehör zu finden. So teilte Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) mit, dass er sich jetzt auch von Kritikern des geplanten Handelsabkommens beraten lasse. Diese warnen, dass bei den TTIP-Verhandlungen europĂ€ische Standards bei Lebensmitteln und Verbraucherschutz aufgeweicht werden könnten. Am Mittwoch trafen sich in Berlin auf Einladung des Vizekanzlers zum ersten Mal die 20 Mitglieder des neuen Beirates: "Wir wollen fĂŒr mehr Transparenz sorgen", sagte SPD-Chef Gabriel. (anw [9])
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[3] https://www.heise.de/news/Gegen-das-Freihandelsabkommen-TTIP-Bis-zu-90-000-Teilnehmer-bei-Demonstration-vor-Obama-Besuch-3181976.html
[4] https://www.heise.de/news/Hannover-Messe-2016-Werben-fuer-TTIP-und-What-is-next-3182727.html
[5] http://www.heise.de/tp/artikel/48/48047/1.html
[6] https://www.heise.de/news/TTIP-Co-Buergerrechtsallianz-fordert-offene-Handelsabkommen-3115025.html
[7] https://www.heise.de/news/Hintergrund-EU-US-Freihandelsabkommen-TTIP-die-Verhandler-und-die-Vorlaeufer-3195290.html
[8] http://www.heise.de/thema/TTIP
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