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EU-Kommissar bekommt niederlÀndischen Big Brother Award

Andreas Wilkens

Frits Bolkestein bekommt den Negativpreis der Datenschutzaktivisten, weil er Entscheidungen des EuropÀischen Parlaments zur Flugpassagierdaten-Weitergabe an die USA ignoriert habe.

EU-Kommissar Frits Bolkestein hat sich mit seiner Haltung zur Weitergabe von Flugpassagierdaten [1] an die USA bei den niederlĂ€ndischen Datenschutzaktivisten in die Nesseln gesetzt. Am gestrigen Sonntagabend wurde nĂ€mlich bekannt gegeben, dass der diesjĂ€hrige Big Brother Award der Niederlande in der Kategorie "ĂŒbelster ErfĂŒllungsgehilfe" an ihn geht. Mit dem Abkommen mit den USA habe der NiederlĂ€nder die Datenschutzbestimmungen der EU umgangen, heißt es zur BegrĂŒndung, obwohl das EuropĂ€ische Parlament drei Mal dagegen gestimmt hatte -- jedes Mal mit einer grĂ¶ĂŸeren Mehrheit. Bolkestein habe alle Proteste ignoriert.

Mit den Big Brother Awards werden seit 1998 alljĂ€hrlich in mittlerweile 14 LĂ€ndern einzelne Personen, Behörden und öffentliche Einrichtungen "ausgezeichnet", die sich fĂŒr die Kontrolle der Menschen einsetzen oder massiv in ihre PrivatsphĂ€re eindringen. In diesem Jahr haben die niederlĂ€ndischen DatenschĂŒtzer als die Institution, die am meisten in die PrivatsphĂ€re der Menschen vordringt, die Initiative "Digidoor [2]" der Stadt Almere ausgewĂ€hlt. Sie soll laut BegrĂŒndung "alle möglichen Daten ĂŒber schulpflichtige Kinder digital sammeln". Darunter seien viele sensible Daten, doch die Betreiber des Projekts hĂ€tten sich ĂŒber Datenschutz und Sicherheit bisher noch keine Gedanken gemacht.

Als am meisten "datendiebische" Regierungsorganisation hat sich fĂŒr die Verleiher der Big Brother Awards das Centrum voor Werk en Inkomen [3] herausgestellt. Diese nationalen Job-Zentren hĂ€tten im vergangenen Jahr die PrivatsphĂ€re von Arbeitssuchenden ausgehöhlt, indem eigens BĂŒros eingerichtet worden sind, in denen die Daten ĂŒber ihre Internetnutzung erfasst und ausgewertet worden sind. Außerdem seien einige persönliche Daten im Internet veröffentlicht worden.

Weiter verurteilten die BĂŒrgerrechtler die niederlĂ€ndische Regierung fĂŒr ihre Haltung zur Vorratsdatenspeicherung [4] in der EU. Sie setze sich dafĂŒr ein, dass Verbindungsdaten bei TelefongesprĂ€chen, E-Mails, Kurzmitteilungen und InternetzugĂ€ngen fĂŒr mindestens zwölf Monate gespeichert werden sollen.

Am kommenden Freitag werden die deutschen "Oscars fĂŒr Datenkraken [5]" vergeben. Die Anzahl der Nominierungen, die bis zum 31. August auch ĂŒber das Internet abgegeben werden konnten, sei wieder gestiegen, berichten die Veranstalter. Am morgigen Dienstag findet zuvor die österreichische Preisverleihung [6] statt. (anw [7])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-110765

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/EU-Kommission-gibt-Flugpassagierdaten-fuer-USA-frei-98707.html
[2] http://www.planet.nl/planet/show/id=118880/contentid=507949/sc=f3d113
[3] http://www.cwinet.nl/
[4] https://www.heise.de/news/Neue-Vorschlaege-zur-Vorratsdatenspeicherung-109778.html
[5] http://www.bigbrotherawards.de/
[6] http://www.bigbrotherawards.at/
[7] mailto:anw@heise.de