EU-Kommission hÀlt unbeirrt an ACTA fest
Das Anti-Piraterie- und Urheberrechtsschutz-Abkommen ACTA ist heftig umstritten. Laut einem Sachstandsbericht der EU-Kommission dĂŒrfe aber dem Druck der Internetgemeinde auf keinen Fall nachgeben werden.
Ein Sachstandsbericht der EuropĂ€ischen Kommission [1] befasst sich mit der voraussichtlichen Unterzeichnung und Ratifizierung des stark umstrittenen Anti-Piraterie- und Urheberrechtsschutz-Abkommens ACTA [2]. In dem Bericht, der heise online zugespielt wurde, wird der BĂŒrgerprotest als "aggressive pan-europĂ€ische Kampagne" gegen ACTA bezeichnet, die von einer demokratisch nicht legitimierten Internetgemeinde getragen werde. Dabei wĂŒrden auch Cyber-Angriffe eingesetzt. Seitens der Kommission wird erwartet, dass die PrĂŒfung von ACTA von dem europĂ€ischen Gerichtshof zĂŒgig erfolge und danach die verbliebenen fĂŒnf EU-Staaten das Abkommen unterzeichnen.
In dem Sachstandsbericht heiĂt es, dass ACTA nicht scheitern dĂŒrfe, da dies ein gefĂ€hrliches Signal zur GlaubwĂŒrdigkeit der EuropĂ€ischen Union aussenden werde. Auf keinen Fall dĂŒrfe man dem Druck der Internetgemeinde nachgeben. SchlieĂlich seien sĂ€mtliche EinwĂ€nde gegen ACTA unbegrĂŒndet. Wenn etwa der Begriff des "gewerblichen AusmaĂes" [3] als unbestimmter Begriff kritisiert werde, so werde dabei vergessen, dass dieser Begriff auch in anderen EU-Rechtsakten enthalten sei. Auch sei die Furcht vor gesperrten Medikamenten fĂŒr die medizinische Versorgung unbegrĂŒndet. Wenn ACTA scheitere, sei dies die Schuld der Internet-Gemeinde.
In der zentralen Passage des Sachstandsberichtes wird ein Vortrag des fĂŒr ACTA zustĂ€ndigen EU-Kommissar Karel de Gucht so zusammengefasst:
"Kommissar de Gucht erklĂ€rte, derzeit laufe eine 'aggressive pan-europĂ€ische' Kampagne gegen ACTA, die auch Cyber-Angriffe auf europĂ€ische Institutionen einschlieĂe. Das Kollegium der Kommission habe seinen Vorschlag, ACTA dem EuropĂ€ischen Gerichtshof [4] (EuGH) vorzulegen, inzwischen gebilligt. Der EuGH werde ACTA vor allem im Hinblick auf die Grundrechte prĂŒfen. Die Kommission hoffe, in den nĂ€chsten Monaten Fortschritte zu erzielen und bitte um Stellungnahme der Mitgliedsstaaten, ob diese sich der Vorlage an den EuGH anschlieĂen wollten, da ACTA ein gemischtes Abkommen sei. Kommissar de Gucht berichtete ferner ĂŒber die Beratungen im Ausschuss fĂŒr internationalen Handel (INTA) des EuropĂ€ischen Parlaments am 29. Februar und 1. MĂ€rz 2012, die hilfreich fĂŒr die Diskussion gewesen seien. ACTA sichere den Schutz des geistigen Eigentums, das der wichtigste Rohstoff der EU sei. Wenn das EuropĂ€ische Parlament ACTA nicht zustimme, bedeute dies das Ende des Abkommens. Die Mitgliedsstaaten hĂ€tten der Zeichnung des Abkommens am 16. Dezember 2011 zugestimmt. 22 Mitgliedsstaaten hĂ€tten das Abkommen bisher gezeichnet, die verbleibenden fĂŒnf seien zur Zeichnung verpflichtet. Die Kommission habe wenig VerstĂ€ndnis fĂŒr manche ĂuĂerungen aus den Mitgliedsstaaten in der letzten Zeit."
Unterdessen hat der Lobbyverband Digitale Gesellschaft [5] in Zusammenarbeit mit den Politikbeobachtern von European Digital Rights [6] eine BroschĂŒre [7] (PDF-Datei) herausgegeben, in der die schwammigen Passagen und WorthĂŒlsen des ACTA-Abkommens im Internet-Kapitel genauer erlĂ€utert werden. Dokumentiert werden soll, wie dank ACTA eine Privatisierung der Rechtsdurchsetzung um sich greifen könnte, die einseitig der Wirtschaft in die HĂ€nde spiele.
[Update: Anders als von vielen Beobachtern erwartet, hat der fĂŒr ACTA zustĂ€ndige Handelsausschuss INTA sich heute Nachmittag mit 21 zu 5 Stimmen dagegen ausgesprochen, selbst den EuropĂ€ischen Gerichtshof (EuGH) in der Frage anzurufen, ob ACTA rechtswidrige Bestimmungen enthĂ€lt. Ein solches Ansinnen, hĂ€tte den ACTA-Beratungsprozess um mehrere Monate verzögert. Stattdessen muss der INTA-Ausschuss nun in seiner Sitzung am 30. Mai abschlieĂend ĂŒber ACTA abstimmen. Dies macht den Weg dafĂŒr frei, dass das EU-Parlament noch im Juni ĂŒber ACTA abstimmen und den Vertrag, wie von EU-Kommissar de Gucht im Sachstandsbericht befĂŒrchtet, ablehnen könnte.] (jk [8])
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[2] http://www.heise.de/thema/ACTA
[3] https://www.heise.de/news/BVDW-fordert-Nachbesserungen-bei-ACTA-1476697.html
[4] https://www.heise.de/news/EU-Kommission-EuGH-soll-ACTA-pruefen-1440464.html
[5] http://digitalegesellschaft.de/
[6] http://edri.org/
[7] http://digitalegesellschaft.de/wp-content/uploads/2012/03/ACTA_Artikel27.pdf
[8] mailto:jk@heise.de
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