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EU-Parlament und Rat einig: Online-Ausweis kommt ohne stÀndige Personenkennung

Stefan Krempl

(Bild: Svetlana Turchenick/Shutterstock.com)

Die EU-Gremien haben einen Deal zur europĂ€ischen digitalen IdentitĂ€t mit der eIDAS-Reform ausgehandelt. Eine permanente Personenkennziffer bleibt außen vor.

Die schwedische PrĂ€sidentschaft des Ministerrats und VerhandlungsfĂŒhrer des EU-Parlaments haben in der Nacht zum Donnerstag eine vorlĂ€ufige politische Einigung fĂŒr die geplante europĂ€ische digitale IdentitĂ€t (EUid) auf Basis von digitalen Brieftaschen (E-Wallets) erzielt. Die entsprechende Novelle der eIDAS-Verordnung [1] zielt laut dem Ratsvorsitz darauf ab, "einen universellen Zugang fĂŒr Menschen und Unternehmen zu einer sicheren und vertrauenswĂŒrdigen elektronischen Identifizierung und Authentifizierung mithilfe einer persönlichen digitalen Geldbörse auf einem Mobiltelefon zu gewĂ€hrleisten".

Besonders umstritten war zwischen den EU-Staaten und dem Parlament die von der EU-Kommission geforderte Pflicht [2], den vorgesehenen elektronischen IdentitĂ€tsnachweis (eID) als lebenslange Personenkennziffer auszugestalten. Der Rat wollte "das Konzept der eindeutigen und dauerhaften Kennung" fĂŒr die Online-Brieftaschen beibehalten [3], die Abgeordneten waren dagegen [4]. Kritiker befĂŒrchten, dass ĂŒber den Ansatz Informationen aus vielen Lebensbereichen zusammengefĂŒhrt und die BĂŒrger glĂ€sern werden könnten. 25 BĂŒrgerrechtsorganisationen wie Epicenter.works und Wissenschaftler forderten vorige Woche [5], dass es keinen Akteur geben dĂŒrfe, "der unsere Interaktionen zentral beobachten" und Informationen aus Bereichen wie E-Government, BankgeschĂ€ften, Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder Log-ins bei sozialen Netzwerken verknĂŒpfen könne.

Aus Ratskreisen erfuhr heise online nun, dass die Idee des eindeutigen und dauerhaften Identifikationsmerkmals im sogenannten Trilog auch mit der Kommission am Mittwochabend "nicht beibehalten" worden sei. Die GrundzĂŒge der von den Co-Gesetzgebern getroffenen vorlĂ€ufigen Übereinkunft sĂ€hen aber vor, dass die Mitgliedstaaten – wenn sie als vertrauenswĂŒrdige Parteien fĂŒr einschlĂ€gige grenzĂŒberschreitende Dienste fungieren – "einen eindeutigen IdentitĂ€tsabgleich gewĂ€hrleisten mĂŒssen fĂŒr natĂŒrliche Personen, die gemeldete elektronische Identifizierungsmittel oder europĂ€ische digitale Wallets verwenden". Die Abgeordneten plĂ€dierten zunĂ€chst dafĂŒr, dass Anbieter digitale Dienste möglichst ohne elektronische Identifizierung oder Authentifizierung bereitstellen sollten.

Mit der Verordnung mĂŒssen die EU-LĂ€nder kĂŒnftig allen BĂŒrgern und Unternehmen eine E-Wallet zur VerfĂŒgung stellen. In der digitalen Brieftasche sollen Nutzer ihre nationale eID insbesondere auf MobilgerĂ€ten speichern und mit Nachweisen anderer persönlicher Attribute wie FĂŒhrerschein, Abschlusszeugnisse, Geburts- oder Heiratsurkunde, Zahlungsdaten und Ă€rztlichen Rezepten verknĂŒpfen können. Die Wallets mĂŒssen laut dem Kompromiss innerhalb eines elektronischen Identifikationssystems ausgestellt werden, das der Sicherheitsstufe "hoch" entspricht. Die Ausgabe, die Verwendung zur Authentifizierung und der Widerruf von E-Brieftaschen soll fĂŒr natĂŒrliche Personen kostenlos sein. Das Wallet wird auch natĂŒrlichen Personen die Option der kostenlosen elektronischen Signatur bieten.

Mit den Vorgaben wandeln sich auch die Regeln fĂŒr die Herausgeber digitaler IdentitĂ€tslösungen in der EU. Entstehen soll eine gemeinsame technische Architektur, ein Referenzrahmen sowie Standards. Nutzer könnten sich so "auf ein verbessertes Ökosystem fĂŒr elektronische IdentitĂ€ts- und Vertrauensdienste verlassen, die ĂŒberall in der EU anerkannt und akzeptiert werden", hebt der Rat hervor. Die Mitgliedstaaten sollen öffentliche und private Stellen benennen, die fĂŒr die Zertifizierung von Wallets gemĂ€ĂŸ dem Cybersicherheitsgesetz akkreditiert sind. Technische Details rund um den Gesetzestext sollen in den kommenden Wochen noch ausgearbeitet werden. Den finalen Entwurf mĂŒssen Rat und Parlament dann noch formal bestĂ€tigen.

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(mho [7])


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[1] https://www.heise.de/news/EU-Parlament-verabschiedet-einheitliche-Vorgaben-zur-E-Identifikation-2162741.html
[2] https://www.heise.de/news/EUid-Online-Ausweise-kommen-EU-weit-Facebook-Co-muessen-sie-anerkennen-6061860.html
[3] https://www.heise.de/news/EUid-EU-Rat-stimmt-fuer-Online-Ausweis-mit-eindeutigem-Personenkennzeichen-7368464.html
[4] https://www.heise.de/news/EU-Wallet-EU-Parlament-stimmt-fuer-Online-Ausweis-ohne-staendige-Personenkennung-7548530.html
[5] https://epicenter.works/content/eu-brieftasche-zivilgesellschaft-fordert-schutz-der-nutzerinnen
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