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EU-PlÀne zur Fluggastdatenspeicherung liegen auf Eis

Stefan Krempl

Die Bundesregierung will einem Beschluss des EU-Rates zum Aufbau eines Systems zur Sammlung und Auswertung von Passenger Name Records (PNR) zumindest bis zu den Neuwahlen im nÀchsten Herbst nicht zustimmen.

Die Bundesregierung will den EU-Vorstoß [1] zum Aufbau eines Systems zur Sammlung und Auswertung von Fluggastdaten mindestens bis zur Neuwahl des Bundestags im kommenden Herbst blockieren. Dies erklĂ€rte Bundesjustizministerin Brigitte Zypries laut Agenturmeldungen nach dem Ratstreffen der europĂ€ischen Justiz- und Innenminister, das am gestrigen Donnerstag in BrĂŒssel stattfand. Aus Deutschland soll es demnach in der laufenden Legislaturperiode kein grĂŒnes Licht mehr geben fĂŒr die von der EU-Kommission geplante [2] 13-jĂ€hrige Aufzeichnung von Passenger Name Records (PNR). Dies sei mit dem federfĂŒhrenden Bundesinnenminister Wolfgang SchĂ€uble (CDU) abgesprochen.

Zur BegrĂŒndung sagte die SPD-Politikerin, dass das Vorhaben derzeit "in Deutschland nicht vermittelbar" sei. Sie persönlich halte es nicht fĂŒr sinnvoll, etwa auch jeden BĂŒrger zu erfassen, der ein minderjĂ€hriges Kind am Flughafen abhole, oder die Vornamen von TicketverkĂ€ufern im ReisebĂŒro: "Mir kann kein Mensch sagen, dass das wirklich erforderlich ist fĂŒr die Fahndung nach mutmaßlichen Terroristen." Zudem wolle die Bundesregierung vor einer weiteren Form der Vorratsdatenspeicherung zunĂ€chst das Urteil des Bundesverfassungsgerichts im Streit um die verdachtsunabhĂ€ngige Protokollierung von Verbindungs- und Standortdaten abwarten.

Gestern hatte die französische Innenministerin MichĂšle Alliot-Marie noch versichert [3], dass die Regierungsvertreter beim PNR-System vorangekommen seien. Zu Protesten vor allem bei FDP-Politikern fĂŒhrte aber der Vorstoß [4] Frankreichs, die Datensammlung etwa auf innereuropĂ€ische FlĂŒge auszuweiten. "Die VerhĂ€ltnismĂ€ĂŸigkeit der Speicherung von zigfachen DatensĂ€tzen ist nach wie vor nicht gegeben", monierte der innenpolitische Sprecher der Liberalen im EU-Parlament, Alexander Alvaro. Keiner habe bisher darlegen können, wie effektiv die Maßnahme sei. "Die uferlose Datensammelwut zum Zwecke der TerrorismusbekĂ€mpfung muss gestoppt werden", forderte auch Nordrhein-Westfalens Innenminister Ingo Wolf. Er lehnte nachdrĂŒcklich eine erweiterte PNR-Speicherung ab. (Stefan Krempl) / (pmz [5])


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https://www.heise.de/-218699

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/EU-Rat-verfolgt-eigenen-Weg-bei-Fluggastdaten-194308.html
[2] https://www.heise.de/news/EU-Staaten-sollen-Flugpassagierdaten-13-Jahre-lang-speichern-192244.html
[3] https://www.heise.de/news/Innen-und-Justizrat-der-EU-fordert-Einschraenkung-anonymer-Telekommunikation-218491.html
[4] https://www.heise.de/news/EU-Ratspraesidentschaft-will-Sammlung-von-Passagierdaten-ausweiten-213071.html
[5] mailto:pmz@ct.de