Ein Jahr nach dem Erpressungstrojaner: Anhalt-Bitterfeld spĂŒrt noch die Folgen
(Bild: Stokkete/Shutterstock.com)
Eigentlich sollte der Cyberangriff schon lĂ€ngst Geschichte sein. Doch vor allem fĂŒr die Mitarbeiter lĂ€uft lĂ€ngst noch nicht alles. Auch braucht es Schulungen.
Ein Jahr nach dem Cyberangriff auf den Landkreis Anhalt-Bitterfeld sind dort noch immer die Folgen zu spĂŒren. "Bis selbst die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nichts mehr merken, gehe ich mal davon aus, dass wir noch gut und gerne zwei Monate zu tun haben", sagte Landrat Andy Grabner (CDU) der dpa.
95 Prozent der BeschĂ€ftigten auch in den AuĂenstellen seien mittlerweile in die neue Struktur integriert. Die BĂŒrger sollten aber weitestgehend nichts mehr mitbekommen.
Auch Jagd-, Waffen- oder Angelscheine könnten demnach wieder beantragt werden. Teilweise gebe es aber noch RĂŒckstĂ€nde, wie etwa bei der Fahrerlaubnisbehörde, ergĂ€nzte ein Sprecher des Landkreises. Von zwischenzeitlich 6500 offenen FĂ€llen zum verpflichtenden FĂŒhrerschein-Umtausch mĂŒssten noch rund 700 abgearbeitet werden. "Das schaffen wir auch noch", so der Sprecher. Die Frist fĂŒr den Umtausch fĂŒr die JahrgĂ€nge 1953 bis 1958 endet am 19. Juli.
Nicht genĂŒgend helfende HĂ€nde
Eigentlich wollte der Landkreis den Cyberangriff schon lÀngst hinter sich gelassen haben. Es fehlten aber zum einen externe Dienstleister, die die Anwendungen installieren, so Landrat Grabner. Zum anderen fehle es noch an FachkrÀften, die das neu aufgespielte System den Nutzerinnen und Nutzern vermitteln. Zudem konnten Daten in einem Bereich noch nicht wieder hergestellt werden. Sie waren vor einem Jahr verloren gegangen.
Am 6. Juli 2021 waren mehrere Server des Landkreises mit sogenannter Ransomware infiziert worden. Dabei werden Daten verschlĂŒsselt. Nach der Zahlung eines Lösegelds sollten diese dann wieder freigegeben werden. Der Landkreis lehnte die Geldzahlung aber ab. Drei Tage spĂ€ter, am 9. Juli, hatte der scheidende Landrat Uwe Schulze (CDU) den Katastrophenmodus ausgerufen â bundesweit der erste wegen eines Cyberangriffs [1]. Drei Tage spĂ€ter startete der neue Landrat Andy Grabner in sein Amt. Dem Landkreis sind SchĂ€tzungen zufolge durch den Angriff rund zwei Millionen Euro Kosten entstanden. Im Februar 2022 wurde der Katastrophenmodus wieder aufgehoben.
RegelmĂ€Ăige Schulungen fĂŒr BeschĂ€ftigte
Inzwischen wurde die technische Infrastruktur nach Standards des Bundesamts fĂŒr Sicherheit in der Informationstechnik auf Stand gebracht. Der Landkreis will aber auch vorbeugen. "Wir streben natĂŒrlich auch jetzt regelmĂ€Ăige Schulungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Bereich IT an", sagte Grabner. Auch personell will der Landkreis bei der IT weiter aufstocken.
Unterdessen wird nach wie vor nach den TĂ€tern gesucht. "Wir stellen auch justizielle Rechtshilfeersuchen im Ausland", sagte ein Sprecher des Landeskriminalamts. Wie lange die Ermittlungen noch dauern, sei nicht abzusehen. GroĂe Hoffnungen, dass die TĂ€ter dingfest gemacht werden, hat der Landkreis nicht. "Die Gruppe ist ja bekannt, aber die einzelnen Personen, die sich dahinter verbergen, die werden aus meiner Sicht nicht auffindbar sein", sagte Landrat Grabner.
(kbe [3])
URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-7162431
Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/Nach-Malware-Infektion-Katastrophenfall-im-Landkreis-Anhalt-Bitterfeld-6133923.html
[2] https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner
[3] mailto:kbe@heise.de
Copyright © 2022 Heise Medien