Eine reichlich spÀte Petition gegen Teststandard ISO 29119
Kritiker sehen beim teilweise schon fertigen ISO-Standard das Gewicht zu sehr auf Prozessen und Dokumentation, nicht jedoch der auf agil gelebten Praxis in der Softwareentwicklung.
Die International Organization for Standardization arbeitet im Rahmen des ISO-Standard 29119 [1] gemeinsam mit dem IEEE (Institute of Electrical and Electronics Engineers) und der IEC (International Electrotechnical Commission) an einem genormten Vorgehen, das Prozesse, Dokumentation, Techniken fĂŒr manuelles und automatisiertes Testing behandelt. Die ersten drei Teile des Standards (Konzepte und Definitionen, Testprozesse, Testdokumentation) wurden bereits im letzten Jahr veröffentlicht, die anderen beiden stehen kurz vor der Verabschiedung (Testtechniken) oder werden wohl nĂ€chstes Jahr freigegeben (Keyword-Driven Testing). Ăber kurz oder lang soll der neue Standard die Normen IEEE 829 (Test Dokumentation), IEEE 1008 (Unit Testing) und BS 7925 (Testtechniken) ablösen.
(Bild:Â Stop 29119 auf ipetitions.com [2] )
Standards sind fĂŒr sich genommen meist eine gute Sache, und die hinter dem ISO 29119 stehenden Organisationen sind renommiert, doch hat sich unter der Schirmherrschaft der International Society for Software Testing [3] eine Front gegen den neuen Standard aufgetan. Diese manifestiert sich auf der "Stop 29119"-Webseite auf ipetitions.com [4]. Die Petitoren beobachten unter professionellen Testern schon lĂ€nger eine ernstzunehmende, aber in sich uneinige Opposition gegenĂŒber den mit dem Standard festgeschriebenen Inhalten. So lege der ISO 29119 zu viel Gewicht auf Prozesse und Dokumentation, nicht jedoch auf agil gelebte Praxis in der SoftwareprĂŒfung (Schlagwort "exploratives Testen"). In der Petition fordern die Kritiker auf, die bereits erarbeiteten Standards zurĂŒckzuziehen und die Arbeit an den noch ausstehenden einzustellen.
Transparente Standardisierung
Die Kritik an dem ISO-Standard zu diesem spĂ€ten Zeitpunkt kommt ĂŒberraschend, da an den Dokumenten seit einigen Jahren gearbeitet wird und drei der fĂŒnf im Standard untergeordneten Teile ja bereits seit dem letzten Jahr veröffentlicht sind. Laut Matthias Daigl von der Firma imbus, einem Spezialisten im Umfeld SoftwarequalitĂ€tssicherung, hĂ€tten sich die jetzigen Kritiker auch in die Standardisierung einbringen können. Daigl, der am Standard mitgewirkt hat, berichtete im GesprĂ€ch mit heise Developer, dass er die fĂŒr den ISO 29119 zustĂ€ndige Behörde in ihren Prozessen als sehr offen und transparent und frei von KlĂŒngelei wahrgenommen hĂ€tte. Er findet es zwar "sehr beeindruckend, dass es gelungen ist, so viele Menschen zu motivieren, die Petition zu unterzeichnen. Noch beeindruckender fĂ€nde ich es, diese Leute zu motivieren, Zeit fĂŒr die Verbesserung eines Teststandards aufzuwenden."
AuĂerdem kann der Berater die auf der Petitionsseite vorgebrachten VorwĂŒrfe nicht recht nachvollziehen. Die in der Standardisierung involvierten Parteien [5] stammen aus Forschung, Regierungsorganisationen, von groĂen Firmen und BeratungshĂ€usern und hĂ€tten in ihrer Zusammenstellung zu einer "gesunden Mischung" beigetragen, die explizit eine NĂ€he zur Praxis gesucht hĂ€tte. Wer das so nicht sĂ€he, der sei ja nicht dazu gezwungen, dem Standard bei der eigenen QualitĂ€tssicherung zu folgen.
[Eine frĂŒhere Version des Artikels lieĂ fĂ€lschlicherweise die Association for Software Testing (AST) als Förderer der Petition auftreten.] (ane [6])
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https://www.heise.de/-2301515
Links in diesem Artikel:
[1] http://softwaretestingstandard.org/
[2] http://www.ipetitions.com/petition/stop29119
[3] http://www.commonsensetesting.org/
[4] http://www.ipetitions.com/petition/stop29119
[5] http://www.softwaretestingstandard.org/aboutWG26.php
[6] mailto:ane@heise.de
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