zurück zum Artikel

Elektroautos: Was Subventionen in anderen LĂ€ndern bringen

Elektroauto

(Bild: heise online / anw)

China steuert die Zulassung, Norwegen gewĂ€hrt hohe SteuernachlĂ€sse, Frankreich gibt KaufprĂ€mien. All dies soll den Kauf von Elektroautos ankurbeln. Was davon ließe sich in Deutschland am ehesten umsetzen?

Um das Sechsfache mĂŒsste der Bestand an Elektroautos [1] in Deutschland in den kommenden vier Jahren jeweils steigen, damit das Ziel der Bundesregierung fĂŒr 2020 erreicht wird. Schon heute sind reine E-Fahrzeuge fĂŒr einen bestimmten Zeitraum von der Kfz-Steuer befreit. Die Autoindustrie fordert seit langem zusĂ€tzliche finanzielle Anreize. Im Bundeskabinett wird nun ĂŒber eine KaufprĂ€mie von bis zu 5000 Euro [2] diskutiert – bisher ohne Ergebnis. Könnten Hilfsmaßnahmen in anderen LĂ€ndern Vorbild sein?

In China hat ein ganzes Paket staatlicher Subventionen [3] zu einem Schub fĂŒr E-Autos gefĂŒhrt. Mit 188.000 neu zugelassenen Wagen ist das Reich der Mitte 2015 zum grĂ¶ĂŸten Markt fĂŒr Elektroautos aufgestiegen. Neben verschiedenen KaufprĂ€mien wurden Steuervorteile und eine rigide Zulassungspraxis eingefĂŒhrt, die Elektroautos bevorzugt.

"Den grĂ¶ĂŸten Effekt hat die Zulassungspolitik", sagt Wolfgang Bernhart von der Beratungsfirma Roland Berger. Allerdings sei das in Deutschland nicht anwendbar. Peking will per Verordnung bis 2020 außerdem 12.000 neue Ladestationen und 4,8 Millionen LadesĂ€ulen aufstellen, um die Zahl der E-Autos auf 5 Millionen steigen zu lassen. Solcherlei erhöhe zwar den Komfort, sagt Bernhart. Aber: "Infrastrukturmaßnahmen wie LadesĂ€ulen oder kostenlose ParkplĂ€tze bieten keinen Kaufanreiz."

Steuervorteile haben auch in Norwegen zu einem regelrechten Boom [4] gefĂŒhrt. Im vergangenen Jahr fuhren 17 Prozent der dort neu zugelassenen Autos elektrisch. Bei der Anschaffung eines Elektrofahrzeugs fĂ€llt die Mehrwertsteuer weg, auch Kfz-Steuer [5] und Abgas-Abgaben werden erlassen. Parken auf kommunalen ParkplĂ€tzen ist kostenlos, ebenso wie die Autos aufzuladen.

"Das derzeitige Paket aus Steuervorteilen und weiteren Erleichterungen wie dem Entfall von MautgebĂŒhren in Norwegen ĂŒberschreitet die 5000 Euro KaufprĂ€mie, die in Deutschland diskutiert wird", rechnet Klaus Stricker von Bain & Company vor. "Allerdings gibt es in Norwegen inzwischen Überlegungen, bestimmte VergĂŒnstigungen wieder etwas zurĂŒckzufahren, weil es sehr teuer ist."

Außerdem haben Steueranreize im Vergleich zur Direktförderung nur eine geringe Wirkung, warnt Roland-Berger-Experte Bernhart: "Mehrwertsteuer-Erlasse hĂ€tten beispielsweise nur einen Einfluss auf PrivatkĂ€ufer." Firmen sind an dieser Stelle dank des Vorsteuerabzugs ohnehin im Vorteil. Um die Nutzung von E-Autos in Firmenflotten zu erhöhen, fordert die Automobil-Lobby in Deutschland deshalb Sonderabschreibungsregeln. Nach EinschĂ€tzung Strickers ist das ein sinnvoller Ansatz: "Die gewerblichen Flotten bieten eine gute Möglichkeit, Fahrzeuge auf die Straße zu bringen."

In den USA, Großbritannien und Frankreich wird vor allem auf direkte KaufprĂ€mien gesetzt. Paris schießt bei der Anschaffung von E-Autos seit April vergangenen Jahres 10.000 Euro zum Kaufpreis dazu, fĂŒr einen Hybrid sind es noch 3500 Euro. Wer sich in Großbritannien fĂŒr ein Elektroauto entscheidet, bekommt nicht nur Steuererleichterungen, sondern erhĂ€lt seit 2011 bis zu 5000 Pfund (6618 Euro) vom Staat.

Elektroautos in Deutschland (0 Bilder) [6]

[7]

Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) veranschlagt fĂŒr seine geplante Förderung 2 Milliarden Euro bis zum Jahr 2020. Bernhart hĂ€lt das fĂŒr zu wenig. Etwa 2 Milliarden bis 4 Milliarden Euro wĂŒrde es seiner EinschĂ€tzung nach kosten, um bis zum Inkrafttreten der neuen CO2-Grenzwerte 2020/21 genug Elektroautos auf die Straße zu bringen. Ein vorzeitiges Auslaufen wĂ€re fatal, warnt er: "KaufprĂ€mien wirken nur, solange sie auch gewĂ€hrt werden."

Forscher der Technischen UniversitĂ€t Braunschweig gehen ohnehin nicht davon aus, dass die Rechnung der Bundesregierung aufgeht [8]. Mit der KaufprĂ€mie von 5000 Euro kommen sie bis 2020 in einem optimistischen Szenario auf 760.000 E-Autos. Selbst wenn die KaufprĂ€mie auf 10.000 Euro verdoppelt werde, wĂŒrde das unter zuversichtlichen Annahmen nur dazu fĂŒhren, dass 886.000 E-Fahrzeuge auf deutschen Straßen fahren. Das allerdings wĂŒrde ihren Berechnungen zufolge 7,28 Milliarden Euro kosten – deutlich mehr, als die Bundesregierung bisher veranschlagt. (anw [9])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-3141195

Links in diesem Artikel:
[1] http://www.heise.de/autos/thema/Elektroautos
[2] https://www.heise.de/news/Elektroautos-Foerderprogramm-sorgt-fuer-Streit-in-der-schwarz-roten-Koalition-3096454.html
[3] http://www.heise.de/autos/artikel/Klartext-Das-Elend-mit-der-Elektrofoerderung-Teil-1-2739471.html
[4] http://www.heise.de/autos/artikel/Im-Paradies-Die-Foerderung-von-E-Autos-in-Norwegen-2629594.html?artikelseite=3
[5] http://www.heise.de/autos/service/kfz-steuer-rechner/
[6] https://www.heise.de/bilderstrecke/1070401.html?back=3141195;back=3141195
[7] https://www.heise.de/bilderstrecke/1070401.html?back=3141195;back=3141195
[8] https://www.heise.de/news/Elektroautos-Wissenschaftler-halten-Kaufpraemie-fuer-sinnlos-3132665.html
[9] mailto:anw@heise.de