Elektrorollern statt zu gehen oder radeln: Umweltbundesamt kritisiert E-Scooter
Von A nach B zu kommen ist auf diverse Weisen möglich. Manche versuchen das mit einem Lebensstil zu koppeln.
(Bild: Lime)
Elektro-Tretroller haben das Potenzial fĂŒr ein umweltfreundliches Verkehrsmittel, meint das UBA; aber erst dann, wenn sie hauptsĂ€chlich Pkw-Fahrten ersetzen.
Elektro-Tretroller tragen dem Umweltbundesamt (UBA) zufolge kaum zu einer umweltfreundlicheren MobilitĂ€t in InnenstĂ€dten bei. "Die gefahrenen Strecken sind meist sehr kurz und können regelmĂ€Ăig auch zu FuĂ, mit Bus, Bahn oder Fahrrad bewĂ€ltigt werden", sagte UBA-PrĂ€sidentin Maria Krautzberger.
Im Vergleich zum Fahrrad seien die E-Tretroller die "deutlich umweltschĂ€dlichere" Variante. Mit dem Fahrrad lieĂen sich Strecken ebenso schnell bewĂ€ltigen und lasse sich GepĂ€ck besser transportieren, heiĂt es in einer ersten Bilanz des UBA zu Elektro-Tretrollern [1].
Es gebe fĂŒr Deutschland noch keine reprĂ€sentativen Studien dazu, fĂŒr welche Wege E-Scooter momentan genutzt werden und ob sie Pkw oder MotorrĂ€der ersetzen. Erste Zahlen zu Nutzungsweiten in Berlin lieĂen aber vermuten, dass zurĂŒckgelegte Wege mit dem E-Scooter durchschnittlich etwa zwei Kilometer lang sind und vor allem abends und am Wochenende zurĂŒckgelegt werden.
Weniger StellplĂ€tze fĂŒr Autos
Eine Umfrage unter ĂŒber 4000 Nutzenden von Verleih-E-Scootern in Paris zeige, dass fast die HĂ€lfte der Befragten ohne Roller zu FuĂ gegangen wĂ€re, 29 Prozent hĂ€tten den ĂPNV genutzt und 9 Prozent wĂ€ren per Fahrrad ans Ziel gekommen. Acht Prozent der Befragten hĂ€tten mit dem geliehenen E-Scooter eine Auto- oder Taxifahrt ersetzt. Drei Prozent hĂ€tten sich ohne Roller gar nicht fortbewegt.
Hilfreicher wĂ€re es, wenn Verleiher die Fahrzeuge in AuĂenbezirken aufstellen wĂŒrden, eine Empfehlung, die kĂŒrzlich auch StĂ€dtetag und Gemeindebund aussprachen [2]. "Hier kann es durchaus sinnvoll sein, die zu lange Strecke zu Bus oder Bahn schnell mit dem E-Scooter zu ĂŒberbrĂŒcken", sagte Krautzberger. SchlieĂlich hĂ€tten die Roller durchaus das Potenzial, MobilitĂ€t nachhaltiger zu machen: wenn sie Autofahrten ersetzen.
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Allerdings sei das privat genutzte Auto in StĂ€dten das "deutlich gröĂere Umweltproblem", betonte Krautzberger, "sowohl was die Schadstoffe als auch was den LĂ€rm angeht." In Berlin kĂ€men derzeit auf einen E-Scooter 270 Autos. StĂ€dte mĂŒssten die Zahl der StellplĂ€tze fĂŒr Autos deutlich reduzieren, auch um mehr Platz fĂŒr Rad- und FuĂwege zu schaffen.
FuĂverkehr fördern!
Damit Menschen mit E-Scootern besser vorankommen, mĂŒsse die Fahrradinfrastruktur in Deutschland dringend weiter verbessert und ausgebaut werden, meint das UBA weiter. "Es braucht flĂ€chendeckend sichere und bequeme Radwege und Rad- und RollerabstellflĂ€chen beziehungsweise -anlagen." Zudem mĂŒsse sichergestellt werden, dass E-Scooter nicht auf FuĂwegen fahren und dass Fehlverhalten gezielt geahndet wird. "Durch das fast gerĂ€uschlose Fahren und die relativ hohen Geschwindigkeiten der Roller kann es zu UnfĂ€llen mit FuĂgĂ€ngern kommen." Der FuĂverkehr dĂŒrfe durch Elektrokleinstfahrzeuge keinesfalls unattraktiver werden. "Stattdessen muss das ZufuĂgehen weiter gefördert werden", plĂ€diert das UBA.
Eine Regelgeschwindigkeit innerorts von Tempo 30 wĂŒrde es auch den Fahrerinnen und Fahrern von E-Scootern erleichtern, sich sicher auf der StraĂe zu bewegen, auf die sie angewiesen sind, wenn Radwege nicht vorhanden oder zu voll sind. Dies wĂŒrde auch dazu beitragen, dass E-Scooter nicht illegal auf Gehwegen fahren. (anw [4])
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[1] https://www.umweltbundesamt.de/e-scooter-momentan-kein-beitrag-zur-verkehrswende#textpart-1
[2] https://www.heise.de/news/Empfehlungen-fuer-Kommunen-E-Tretroller-an-die-Stadtraender-4509072.html
[3] https://www.heise.de/Datenschutzerklaerung-der-Heise-Medien-GmbH-Co-KG-4860.html
[4] mailto:anw@heise.de
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