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Europa: Patente rund ums autonome Fahren sind stark gefragt

Stefan Krempl
Europa: Patente rund ums autonome Fahren sind stark gefragt

(Bild: General Motors)

Die Zahl der PatentantrÀge zu selbstfahrenden Autos ist beim EuropÀischen Patentamt zwischen 2011 und 2017 um 330 Prozent gestiegen.

Beim EuropĂ€ischen Patentamt (EPA) sind gewerbliche Schutzrechte im Bereich autonomes Fahren ĂŒberaus begehrt. In den vergangenen sechs Jahren sei die Menge der Patentersuchen hier um 330 Prozent nach oben geschnellt, erklĂ€rte die MĂŒnchner Behörde am Dienstag unter Verweis auf eine gemeinsam mit dem European Council for Automotive R&D (EUCAR) durchgefĂŒhrte Analyse. Das Wachstum falle damit rund 20-mal grĂ¶ĂŸer aus als in den anderen Technikbereichen, in denen es in der Vergleichsperiode 16 Prozent betragen habe.

In den vergangenen zehn Jahren hat das EPA laut der Studie [1] insgesamt 18.000 PatentantrĂ€ge zu selbstfahrenden Autos erhalten, allein 2017 seien es knapp 4000 gewesen. Bei der HĂ€lfte der 25 grĂ¶ĂŸten Interessenten auf diesem Sektor einschließlich der RĂ€nge eins bis vier, auf denen Samsung, Intel, Qualcomm und die LG Group liegen, handle es sich nicht um traditionelle Auto- oder Transportunternehmen, sondern um Firmen aus dem Bereich Informations- und Kommunikationstechnik (IKT).

Insgesamt Ă€hnelten die Schutzstrategien auf dem Feld autonomer Fahrzeuge stĂ€rker denen im IKT-Sektor als in der traditionellen Automobilindustrie, konstatieren die Verfasser. Antragsteller zielten auf eine breite Schutzwirkung mit umfassenden "Patentfamilien" fĂŒr Techniken fĂŒr eine Art "Smartphone auf RĂ€dern". Dies gehe auch mit einer vergleichsweise hohen Anzahl an Rechtsstreitigkeiten einher. Gerade im Bereich Mobilfunk fĂŒhren die Hersteller und AusrĂŒster seit Jahren einen regelrechten Patentkrieg, der sich demnach nun auf selbstfahrende Autos verlagern könnte.

Die meisten AntrĂ€ge stammen mit rund einem Drittel aus Europa und den USA, gefolgt von Japan, SĂŒdkorea und China mit Anteilen zwischen 13 und drei Prozent. EuropĂ€ische Firmen seien vor allem in den Feldern Steuerung, Logistik und Umfeldanalyse vorn dabei. US-Antragsteller dominierten den Bereich Kommunikations- und Rechnertechnik.

In Europa gingen 14,4 Prozent aller Anmeldungen im Untersuchungszeitraum auf das Konto deutscher Unternehmen [2]. Es folgten Frankreich, Schweden, Großbritannien und die Niederlande mit Anteilen zwischen knapp fĂŒnf und unter drei Prozent. Bosch belegt mit 343 AntrĂ€gen seit 2011 den fĂŒnften Platz der grĂ¶ĂŸten internationalen Anmelder, als zweiter deutscher Konzern folgt Continental auf Rang zehn. EPA-PrĂ€sident AntĂłnio Campinos sieht Europa damit [3] "gut aufgestellt in den SchlĂŒsseltechnologien in Bezug auf selbstfahrende Fahrzeuge". (anw [4])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-4214982

Links in diesem Artikel:
[1] http://documents.epo.org/projects/babylon/eponet.nsf/0/65910DF6D3F02057C125833C004DB1E6/$File/self_driving_vehicles_study_en.pdf
[2] https://www.heise.de/news/Deutsche-Hersteller-bei-Patenten-zum-autonomen-Fahren-vorn-3813293.html
[3] https://www.epo.org/news-issues/press/releases/archive/2018/20181106.html
[4] mailto:anw@heise.de