FDP will Ausstellung der Biometrie-PĂ€sse aussetzen
In einem Antrag meint die FDP, die VerschlĂŒsselung der Daten auf den mit RFIDs ausgestatteten ePĂ€ssen sei unzureichend und verweist auf das Beispiel der bereits geknackten niederlĂ€ndischen Biometrie-PĂ€sse.
In einem Antrag (Bundestagsdrucksache 16/854 [1]) fordert die Bundestagsfraktion der FDP die Bundesregierung auf, die Ausstellung der neuen ReisepĂ€sse, bei denen auf RFID-Chips biometrische Daten elektronisch gespeichert werden, vorerst auszusetzen. Die Liberalen bezweifeln, dass die VerschlĂŒsselung der Daten einen hinreichenden Schutz bietet; sie verweisen dabei auf das Beispiel der niederlĂ€ndischen ePĂ€sse [2], die bereits geknackt wurden.
Die VerschlĂŒsselung der Daten basiere auf der "Basic Access Control", die den Richtlinien der EU und der Luftfahrtorganisation ICAO entspreche, fĂŒhren die Liberalen in ihrem Antrag aus. "Der geheime SchlĂŒssel fĂŒr den Zugriff auf den Chip und die verschlĂŒsselte DatenĂŒbertragung berechnen sich dabei aus einer Behördenkennzahl und einer fortlaufenden Nummer. Theoretisch liefern diese Zahlen zusammen genommen eine VerschlĂŒsselungsstĂ€rke von rund 56 Bit â vorausgesetzt, sie lassen sich nicht zu genau abschĂ€tzen oder sogar aus anderen Quellen erschlieĂen", schreiben die Liberalen. Dies sei im Vergleich zu der 128-Bit-VerschlĂŒsselung, die etwa bei Internet-Anwendungen eingesetzt werde, ein verhĂ€ltnismĂ€Ăig schwacher SchlĂŒssel, meint die FDP.
Zwar habe es auf eine kleine Anfrage der FDP-Fraktion geheiĂen, dass "ein unberechtigtes EntschlĂŒsseln der abgehörten Daten nach derzeitigem Stand der Technik nicht möglich ist". Allerdings beruhe der Biometrie-Reisepass in den Niederlanden auf identischen Sicherheitsstandards. Und die EntschlĂŒsselung der Daten auf den niederlĂ€ndischen ePĂ€ssen sei schlieĂlich bereits gelungen. Ein Auslesen der Daten sei durch die RFID-Technik mit bestimmten Hilfsmitteln auch auf eine Entfernung von bis zu 30 Metern möglich, ohne dass der Passinhaber dies bemerke, betont die FDP-Fraktion in einer ErklĂ€rung [3] zu ihrem Antrag.
Daher mĂŒsse die Ausgabe der deutschen ePĂ€sse ausgesetzt werden, bis die Daten effektiv vor unauthorisierter EntschlĂŒsselung geschĂŒtzt werden könnten. AuĂerdem sollte das Sicherheitssystem der ePĂ€sse durch Updates auf den jeweils neuesten Sicherheitsstandard gebracht werden können. Inhaber der ePĂ€sse sollten solch ein Update durch Installation neuer Software im ePass oder durch neue PĂ€sse kostenlos erhalten.
Die ePĂ€sse in Deutschland wurden im vergangenen Jahr eingefĂŒhrt; anfangs haben nach Angaben aus dem Bundesinnenministerium rund 600.000 BundesbĂŒrger [4] die neuen PĂ€sse beantragt. In der ersten Version enthĂ€lt der biometrische Reisepass ein Bild des Ausweisinhabers, das auf einem Chip gespeichert ist. Dieser Chip wird per Funk kontaktiert und schickt die auf ihm gespeicherten Daten, das Gesichtsbild und eine digitale Signatur nur dann zurĂŒck, wenn der ZugriffsschlĂŒssel bei der Abfrage stimmt. Im Jahre 2007 oder spĂ€ter soll zum Gesichtsbild der Fingerabdruck kommen. In dieser zweiten Version erfordert der biometrische Reisepass den Aufbau einer komplexen Infrastruktur, weil beim Fingerabdruck online ĂŒberprĂŒft werden soll, ob die begleitende digitale Signatur gĂŒltig ist. Ab April dieses Jahres sollen zudem alle Pass-Stellen im April einen ePass-Leser bekommen, mit dem jeder BĂŒrger ĂŒberprĂŒfen kann, was auf dem Chip gespeichert ist.
Zur EinfĂŒhrung des ePasses und den Auseinandersetzungen um Ausweise mit digitalisierten biometrischen Merkmalen siehe den Artikel auf c't aktuell (mit Linkliste zu den wichtigsten Artikeln aus der Berichterstattung auf heise online sowie in c't, Technology Review und Telepolis): (jk [5])
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Links in diesem Artikel:
[1] http://dip.bundestag.de/btd/16/008/1600854.pdf
[2] https://www.heise.de/news/ePass-Hack-im-niederlaendischen-TV-demonstriert-171541.html
[3] http://www.bundestag.de/bic/hib/2006/2006_083/06.html
[4] https://www.heise.de/news/Zum-ePass-kommt-der-ePass-Leser-Update-110354.html
[5] mailto:jk@heise.de
[6] http://www.heise.de/ct/aktuell/meldung/65898
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