zurück zum Artikel

Fahrdienstvermittler Uber plant neuen Anlauf in Deutschland

Uber

(Bild: dpa, Eric Risberg)

In Deutschland konnte Uber seinen Fahrdienst mit Privatleuten als Fahrer aus rechtlichen GrĂŒnden nicht umsetzen. Nun sucht die Firma das GesprĂ€ch mit BundeslĂ€ndern und deutschen StĂ€dten, um mit neuen Transportangeboten den deutschen Markt zu erobern.

Der umstrittene Fahrdienstvermittler Uber will im Sommer einen neuen Anlauf unternehmen, auf dem deutschen Markt Fuß zu fassen. FĂŒr Juli seien GesprĂ€che mit Vertretern von einzelnen StĂ€dten und BundeslĂ€ndern geplant, kĂŒndigte Uber-GeschĂ€ftsfĂŒhrer Barney Harford in einem GesprĂ€ch mit der Deutschen Presse-Agentur an. Uber ist derzeit nur als Vermittler von Taxis und Mietwagen mit Chauffeur in Berlin und MĂŒnchen aktiv. Der bekannteste Uber-Dienst, bei dem Privatleute im eigenen Auto FahrgĂ€ste befördern, wurde dagegen in Europa nach rechtlichen Niederlagen aufgegeben.

Deutschland sei ein "riesiger Markt", sagte Harford. Uber könne den StĂ€dten dabei helfen, die Transport-Optionen wirklich zu erweitern und die Entwicklung umweltfreundlicher Kommunen voranzutreiben. "Uber gilt vielerorts als eine Art Leuchtturm der Innovation. Die positiven wirtschaftlichen Auswirkungen, die wir auf StĂ€dte und LĂ€nder haben, sind stark spĂŒrbar."

Uber wolle mit den StĂ€dten in Deutschland eine echte Partnerschaft eingehen. Dabei gehe es nicht nur um den Mietwagen-Kerndienst UberX und den Limo-Service UberBlack, sondern auch um andere Transportangebote: KĂŒnftig will Uber auch E-Bikes und Nahverkehrsdienste bis hin zum Flugtaxi vermitteln. "FĂŒr das senkrecht startende Flugtaxi Uber Elevate hoffen wir auf einen kommerziellen Erstflug bis zum Jahr 2022." Dabei betont das Uber, man habe auch kein Problem habe, wenn Nutzer der App nur andere Fortbewegungsmittel und keine Fahrten mit Uber-Wagen nĂ€hmen.

Uber setzt unter anderem im Heimatmarkt USA auch stark auf den Mitfahrdienst UberPool, bei dem mehrere FahrgÀste, die in etwa in eine Richtung wollen, unterwegs in ein Auto zusteigen. In Deutschland wird dieser Service bisher nicht angeboten.

Harford betonte, Uber werde noch viele Jahre auf menschliche Fahrer angewiesen sein. Autonome Fahrzeuge seien vermutlich erst in zehn bis 15 Jahren soweit, in einem grĂ¶ĂŸeren Umfang FahrgĂ€ste zu transportieren. Uber habe zwar erheblich in die Technologie fĂŒr selbstfahrende Autos investiert. "Aber das ist keine Entwicklung, die in kurzer Zeit passieren wird. Unsere BemĂŒhungen sind wichtig, aber nicht etwas, was diese Branche in den nĂ€chsten zwei bis fĂŒnf Jahren maßgeblich verĂ€ndern wird." Die Roboterwagen von Uber stehen derzeit still, nachdem eines der Autos bei einer nĂ€chtlichen Fahrt eine FußgĂ€ngerin im US-Staat Arizona tötete [1]. Ihr Betrieb könnte in einigen Monaten nach dem Untersuchungsbericht der Behörden wieder aufgenommen werden [2].

Uber hatte unter der FĂŒhrung des MitgrĂŒnders und Ex-Chef Travis Kalanick [3] jahrelang auf eine aggressive globale Expansion oft unter Missachtung geltender Regeln gesetzt. Das brachte dem Start-up in Finanzierungsrunden eine Bewertung von bis zu 70 Milliarden US-Dollar ein – aber auch erbitterte Konflikte mit Taxiunternehmen und Behörden. Unzufriedene Investoren verdrĂ€ngten Kalanick nach Kritik an Arbeitsbedingungen und Unternehmenskultur bei Uber von der Firmenspitze. Der neue Chef Dara Khosrowshahi [4] versucht einen Neuanfang, propagiert dafĂŒr verantwortungsvolles Wachstum und setzt auf besonnenes Auftreten. (olb [5])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-4051644

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/Fussgaengerin-stirbt-nach-Unfall-Uber-stoppt-seine-autonomen-Autos-3998802.html
[2] https://www.heise.de/news/Uber-Chef-Roboterwagen-koennten-in-wenigen-Monaten-wieder-fahren-4046366.html
[3] https://www.heise.de/news/Uber-Ex-Chef-Kalanick-verliert-an-Einfluss-3849348.html
[4] https://www.heise.de/news/Aufregende-Fahrt-Uber-bestaetigt-Khosrowshahi-als-neuen-Chef-3816700.html
[5] mailto:olb@heise.de