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Fake-Rezensionen: Amazon hat 3000 HĂ€ndler-Accounts rausgeworfen

Daniel Herbig

(Bild: Nicole Glass Photography/Shutterstock.com)

Amazon hat den systematischen Rauswurf von HÀndlern wegen Fake-Reviews bestÀtigt. 3000 Accounts mit 600 chinesischen Marken sollen gesperrt worden sein.

Amazon hat 3000 HÀndler-Accounts wegen Review-Manipulationen von seiner Plattform gesperrt. Das bestÀtigte eine Unternehmenssprecherin laut South China Morning Post (SCMP) am Freitag in einem GesprÀch mit dem chinesischen Staatsfernsehen. Auf den gesperrten HÀndler-Konten seien Produkte von 600 verschiedenen China-Marken vertrieben worden.

Das Vorgehen richte sich nicht explizit gegen chinesische HÀndler, sagte die Amazon-Managerin Cindy Tai laut South China Morning Post [1] weiter. TatsÀchlich scheinen aber vorrangig chinesische Marken betroffen zu sein: Bereits im Mai waren vergleichsweise bekannte Marken aus China, darunter Aukey und Mpow [2], vom Online-HÀndler verschwunden. Auch Produkte von RavPower und TaoTronics kann man bei Amazon nicht mehr kaufen.

Nun hat Amazon erstmals das systematische Vorgehen gegen HĂ€ndler bestĂ€tigt, die mit Review-Manipulationen arbeiten. "Unsere Kunden verlassen sich auf die Genauigkeit und Richtigkeit von Nutzer-Rezensionen, um gut informierte Kaufentscheidungen treffen zu können", sagte ein Sprecher der South China Morning Post. "Diejenigen, die gegen unsere Richtlinien verstoßen, suspendieren, sperren oder verklagen wir."

Die 3000 bestĂ€tigten Account-Sperren sollen das Wachstum chinesischer Online-HĂ€ndler auf Amazon nicht beeintrĂ€chtigt haben, sagte Cindy Tai laut SCMP dem chinesischen Staatsfernsehen. Die E-Commerce-Analysefirma Marketpulse [3] verzeichnet fĂŒr 2021 zum ersten Mal seit Jahren einen RĂŒckgang beim Marktanteil chinesischer HĂ€ndler auf Amazon: Anfang des Jahres habe der Marktanteil noch bei 40 Prozent gelegen, im September liegt er mittlerweile nur noch bei 38 Prozent. In den Vorjahren war der Marktanteil chinesischer Anbieter jeweils um mehrere Prozentpunkte gestiegen.

Von Nutzerinnen und Nutzern erstellte Testberichte sind seit Jahren Gegenstand von Manipulationen durch die Hersteller. Beispielsweise schicken HÀndler möglichen Rezensenten eine Liste von Waren, aus denen sie sich ein Produkt aussuchen können. Den Kaufpreis bekommen User dann vom HÀndler gutgeschrieben, nachdem sie eine positive Bewertung verfasst haben.

In anderen FĂ€llen arbeiten HĂ€ndler mit Geschenkkarten, die User nach dem Verfassen eines positiven Erfahrungsberichts auf Amazon einlösen können. Solche "anreizbasierten" Bewertungen sind seit 2016 auf Amazon untersagt [4] – zumindest außerhalb Amazons eigenem Vine-Programms.

Lange hat Amazon solche Praktiken zwar geduldet, seit mehreren Monaten geht der Online-HĂ€ndler aber stĂ€rker gegen manipulierte Reviews vor. Im vergangenen Jahr hatte Amazon etwa in Großbritannien rund 20.000 FĂŒnf-Sterne-Bewertungen von seinen Seiten gelöscht [5].

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(dahe [7])


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https://www.heise.de/-6195865

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.scmp.com/tech/big-tech/article/3149203/amazon-closes-3000-chinese-brand-online-stores-campaign-against-fake?utm_source=rss_feed
[2] https://www.heise.de/news/Verdacht-auf-Fakerezensionen-Produkte-von-Aukey-bei-Amazon-kaum-noch-verfuegbar-6044133.html
[3] https://www.marketplacepulse.com/articles/chinese-sellers-losing-market-share-on-amazon
[4] https://www.heise.de/news/Amazon-de-verbietet-anreizbasierte-Bewertungen-3496405.html
[5] https://www.heise.de/news/Grossbritannien-Amazon-loescht-20-000-gekaufte-Bewertungen-4886451.html
[6] https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner
[7] mailto:dahe@heise.de