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Fitness-Armband von UNICEF hilft armen Kindern

Daniel AJ Sokolov
Kinder mit blauem Fitnessarmband

Der Gesamterfolg der Klasse zÀhlt. So spornen die Kinder einander an.

(Bild: UNICEF)

Mit FitnessarmbÀndern möchte die UNICEF erreichen, dass sich tendenziell fette Kinder in den Industrienationen mehr bewegen. Das soll gleichzeitig unterernÀhrten Kindern Nahrung bescheren. Wie das geht, erklÀrt UNICEF-Manager Rajesh Anandan.

Mit der Kampagne Kid Power [1] möchte die UNICEF Kinder in Industrienationen dazu bringen, sich mehr zu bewegen. Motivation sind die mit der körperlichen AktivitĂ€t ausgelösten Hilfslieferungen fĂŒr unterernĂ€hrte Kinder, etwa im SĂŒdsudan. Mehr Bewegung zeitigt also mehr Erdnussbrei. Rajesh Anandan vom UNICEF US Fonds prĂ€sentiert das Projekt am Dienstag auf der Konferenz MIT Technology Review EmTech Digital [2] in San Francisco.

Rajesh Anandan

Rajesh Anandan vom Unicef US Fund beim GesprÀch mit der Technology Review. Auch er trÀgt eines der blauen ArmbÀnder.

(Bild: Daniel AJ Sokolov)

"Wir gehen bewusst in die armen Stadtviertel", erzĂ€hlte Anandan vorab der Technology Review. Denn dort gibt es ĂŒberdurchschnittlich viele ĂŒbergewichtige MĂ€dchen und Buben. US-Schulen werden ĂŒber das lokale Steueraufkommen finanziert, so dass es in den armen Bezirken immer zuwenig Budget fĂŒr Schulsport gibt. Gleichzeitig fehlen dort die Soccer Mums, die ihren Nachwuchs von Training zu Training chauffieren. Außerdem können sich arme Familien keine hochwertigen Nahrungsmittel leisten.

Lehrer können sich fĂŒr die Teilnahme an Kid Power bewerben. FĂŒr die Schule fĂ€llt nur eine geringe TeilnahmegebĂŒhr an. DafĂŒr erhalten sie ein Tablet samt App, ein blaues Fitnessarmband fĂŒr jeden SchĂŒler der Klasse, und passende Materialien. Die FitnessarmbĂ€nder zĂ€hlen mit, wieviel Bewegung die SchĂŒler machen. Je mehr Bewegung gezĂ€hlt wird, desto mehr Nahrungspakete fĂŒr Kinder in Krisengebieten finanzieren die Sponsoren. Den aktivsten Schulklassen jeder Stadt winken außerdem Preise.

Kid Power wurde zunÀchst in Boston, Dallas und New York City getestet. Weil sich das Programm bewÀhrt hat, kommt nun Sacramento dazu. Im nÀchsten Schuljahr soll das Programm deutlich ausgeweitet werden. Anandan plant auch, es in andere LÀnder zu exportieren.

Kid Power Logo

Das Logo der Kampagne.

(Bild: UNICEF)

Der pĂ€dagogische Effekt geht ĂŒber die Motivation zur Bewegung hinaus. Die aktiven Kinder können sich selbst als positive Kraft erleben. Anstatt lediglich HilfsempfĂ€nger zu sein, können sie selbst anderen helfen, hĂ€ufig zum ersten Mal in ihrem Leben. Im begleitenden Unterricht erfahren sie außerdem etwas ĂŒber die Welt außerhalb der Vereinigten Staaten von Amerika.

Als prominenten Partner konnte UNICEF den Disney-Konzern gewinnen. Im Rahmen von Star Wars: Force for Change [3] unterstĂŒtzt er Kid Power mit Veranstaltungen, Auktionen und Wettbewerben. Das verschafft der Aktion einiges an Aufmerksamkeit. Je nach Stadt konnten auch lokale Sportteams oder Sportidole als aktive UnterstĂŒtzer rekrutiert werden.

Anandan plant, die blauen AktivitĂ€tstracker samt App auch in den allgemeinen Handel zu bringen. Zielgruppe sind dabei wohlhabendere Familien. Auch bei diesen Nutzern löst sportliche BetĂ€tigung Hilfslieferungen aus, zumindest im ersten Monat. Denn der ist ĂŒber den Kaufpreis finanziert.

SpĂ€ter können die Teilnehmer ĂŒber die App Tickets fĂŒr die Teilnahme an Bewegungskampagnen kaufen. Damit sollen weitere Nahrungspakete bezahlt werden. Anandan hadert jedoch damit, dass Apple und Google 30 Prozent dieser BetrĂ€ge einkassieren. Das ist der allgemein ĂŒbliche Satz. Ausnahmen fĂŒr karitative Organisationen gĂ€be es keine. (ds [4])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-2672686

Links in diesem Artikel:
[1] http://unicefkidpower.org/
[2] http://www.technologyreview.com/emtech/digital/15/
[3] http://www.starwars.com/force-for-change
[4] mailto:ds@heise.de