zurück zum Artikel

Freie 3D-Software Blender 2.93 mit Langzeit-Support

Gottfried Hofmann

Den Splashscreen von Blender 2.93 ziert ein Werk von Erindale Woodford. Alle Objekte auf dem Tisch wurden prozedural ĂŒber Geometry-Nodes erzeugt.

Blender 2.93 bietet einen Grease-Pencil zum Export technischer Zeichnungen, viele Verbesserungen beim Rendering und eine ganze Reihe neuer Geometry-Nodes.

Die Blender Foundation hat Version 2.93 Long Term Stable (LTS) der gleichnamigen Open-Source-3D-Software freigegeben. Sie schließt den 2.9er-Release-Zyklus ab und wird fĂŒr die kommenden beiden Jahre mit Fehlerkorrekturen versehen.

Die BedienoberflĂ€che zeigte bisher Einzel-Elemente mancher Werkzeuge in der VergrĂ¶ĂŸerung falsch an. Das haben die Entwickler korrigiert. Das Navigations-Gizmo lĂ€sst sich jetzt in der GrĂ¶ĂŸe variieren und stellt negative Achsen deutlich dar. Im Outliner zeigt Blender die SchaltflĂ€chen fĂŒr die Sichtbarkeit beim Rendern wieder standardmĂ€ĂŸig an.

Unter Windows erscheinen neue Fenster jetzt nicht mehr hinter, sondern vor dem Hauptfenster. Das soll vermeiden, dass man auf Rendern drĂŒckt und das Ergebnis nicht sieht, weil sich das neu geöffnete Fenster hinter dem Hauptfenster versteckt.

Ein Beispiel fĂŒr Verbesserungen an der OberflĂ€che: links das bisherige Aussehen der Pfeile, die beim Rotieren eines Objekts ĂŒber Shortcuts erscheinen, rechts die Pfeile in Blender 2.93

Mit den Geometry-Nodes bringt Blender [1] seit Version 2.92 Werkzeuge zum parametrischen Modellieren Ă  la Grasshopper in Rhino 3D mit. Dabei werden Objekte erzeugt oder bearbeitet, indem man ein Netzwerk aus sogenannten Nodes bildet, die jeweils eine Operation ausfĂŒhren. In Blender 2.93 sind mehr als 20 solcher Nodes hinzugekommen.

Dank der Mesh Primitive-Node kann man jetzt Grundformen wie Kugeln, Zylinder und WĂŒrfel direkt in einem Geometry Nodes-Netzwerk erzeugen und spĂ€ter Parameter wie Radius oder Anzahl der Segmente verĂ€ndern, was die normalen Mesh Primitives nicht erlauben.

Über die „Points to Volume“-Node kann man aus Punkten wie den Vertices eines Objekts ein Volumen erzeugen. Sie kann die „Point Density Node“ in Cycles ergĂ€nzen oder ersetzen. Die so erzeugten Volumen lassen sich wie andere Volume-Objekte in Blender weiterbearbeiten oder mit der „Volume to Mesh“-Node in ein Mesh umwandeln. Intern verwendet das Programm dafĂŒr die Softwarebibliothek OpenVDB, die schneller arbeitet als Point Density.

Die Geometry-Nodes haben einen eigenen Arbeitsbereich bekommen. Um die vielen Daten, die bei der Arbeit mit Geometry-Nodes anfallen, besser debuggen zu können, wurde ein neuer Editortyp eingefĂŒhrt. Im Spreadsheet-Editor kann man sich alle Daten, die durch eine Node laufen, anzeigen lassen.

Bei der echtzeitfÀhigen, OpenGL-basierten Render-Engine Eevee wurden SchÀrfentiefe und Ambient Occlusion runderneuert. Die Simulation optischer Linsen bei der SchÀrfentiefe wirkt in Blender 2.93 deutlich realistischer als zuvor.

Ambient Occlusion simuliert die gegenseitige Abschattung von Objekten, die nahe bei einander stehen. Hier haben die Entwickler Probleme mit unerwĂŒnschten Artefakten und Streulicht gelöst. Ähnliche Probleme konnten sie beim Subsurface Scattering beheben. Effekte im Screen-Space wie Reflexionen, Refraktion und Schatten berechnet Eevee jetzt schneller und generiert dabei weniger Rauschen.

Volumetrisches Rendering war in Eevee bisher eher als Stiefkind anzusehen, hat nun aber eine Reihe von Verbesserungen erhalten. So unterstĂŒtzt es FlĂ€chenlichtquellen und weiche Schatten; volumetrische Objekte wie Wolken oder Rauch können jetzt korrekt auf sich selbst Schatten werfen.

Subsurface Scattering simuliert, wie Licht in ein Objekteindringt und an anderer Stelle wieder herauskommt. Der Effekt tritt bei organischen Materialien wie Haut auf, beispielsweise wenn die Sonne durchs OhrlĂ€ppchen scheint. Cycles berechnet ihn mit der sehr realistischen Random Walk-Methode, die aber anfĂ€llig fĂŒr Bildrauschen ist. Ein neuer Algorithmus soll dieses Rauschen jetzt stark reduzieren.

Beim Rendern mit Cycles entstandenes Bildrauschen lĂ€sst sich in Blender nachtrĂ€glich mit OpenImageDenoise von Intel entfernen. Blender 2.93 implementiert dafĂŒr die neue Version 1.3, die feine Details scharf halten und weniger ausgewaschene Ergebnisse liefern soll. FĂŒr das Farbmanagement nutzt Blender OpenColorIO 2.0.

Area-Lights haben jetzt einen Abstrahlwinkel, womit sich eine Softbox mit simulieren lĂ€sst, die Studiofotografen einsetzen. Mit der neuen Option “Persistent Data” können beim Rendern einer Animation Daten aus vorhergehenden Frames wiederverwendet werden. Dadurch lĂ€sst sich die Rendergeschwindigkeit signifikant steigern.

Vergleich des Rauschverhaltens der bisherigen SSS-Implementierung links und der optimierten Methode in Blender 2.93 auf der rechten Seite (Szene von Metin Seven)

Mit dem Grease-Pencil-Modul lassen sich 2D-Zeichnungen erstellen. Diese können jetzt auch aus SVG-Dateien importiert und als SVG- sowie PDF-Datei exportiert werden. Mit dem neuen Line-Art-Modifier kann man solche Skizzen aus den Kanten eines Objekts erstellen, beispielsweise um technische Zeichnungen zu exportieren. Bisher musste dafĂŒr der in Blender integrierte Freestyle-Renderer herhalten, den c’t 8/2014 in einem Workshop vorgestellt hat [2].

Das ĂŒberarbeitete FĂŒllwerkzeug fĂŒr Grease-Pencil-Zeichnungen arbeitet nun schneller und stabiler als zuvor und kann Ă€hnliche FlĂ€chen ĂŒber mehrere Frames gleichzeitig fĂŒllen. Die Interpolation zwischen zwei Frames haben die Entwickler vom Operator zum Werkzeug befördert.

Mit dem Line-Art-Modifier lassen sich 3D-Objekte als technische Zeichnungen exportieren.

Der Video Sequence Editor (VSE) erledigt einfache Videoschnittaufgaben. Seine Textwerkzeuge unterstĂŒtzen jetzt fette sowie kursive Schrift und eignen sich zum Erstellen von AbspĂ€nnen.

Beim Verschieben von Start- und Endframe eines Strips lassen sich diese jetzt in der Vorschau anzeigen. Wenn man Videos mit hoher Auflösung oder bestimmten Codecs in den Sequencer lÀdt, erzeugt Blender jetzt automatisch Proxys. Das sind Ersatzclips mit niedrigerer Auflösung, die das Programm in der Timeline ruckelfrei anzeigt. Die Einstellungen zum Erzeugen solcher Proxys haben die Entwickler vereinfacht. Insgesamt soll der Videos Sequence Editor schneller arbeiten.

Beim Compositing werden Bilder und Animationen nachbearbeitet. Dabei können treppenartigenAliasingartefakten entstehen, besonders hÀufig bei Masken aus Objekt- oder Material-IDs. Die Ani-Aliasing-Node soll diesen Artefakten beikommen.

In der oberen HÀlfte der Maske zeigen sich starke Aliasing-Artefakte, in der unteren HÀlfte sind sie durch die Anti-Aliasing-Node abgeschwÀcht worden.

Masken aus Cryptomatte benötigen die Anti-Aliasing-Node nicht, denn diese bieten von Haus aus weiche Kanten. Beim vereinfachten Workflow zum Erzeugen solcher Masken mĂŒssen nicht mehr diverse Sockets verbunden werden. Man kann das Bild oder die Renderlayer jetzt direkt in der Node auswĂ€hlen. Wenn man Objekte oder Materialien auswĂ€hlt, aus denen Masken extrahiert werden sollen, erscheint deren Name unter dem Cursor. Diese Namen werden jetzt auch als IDs verwendet. Bisher musste man sich kryptische Zahlencodes und deren Zuordnung merken.

Blender 2.93 LTS steht ab sofort fĂŒr Windows, Linux und MacOS zum Download [3] bereit. Die Version wird zwei Jahre mit Fehlerkorrekturen versorgt und eignet sich daher fĂŒr langfristige Projekte. Als nĂ€chstes soll Blender 3.0 mit grĂ¶ĂŸeren Änderungen am Unterbau erscheinen. Die Blender Foundation geht derzeit davon aus, dass gut ein halbes Jahr ins Land gehen wird, bis Blender 3.0 erscheint.

Melden Sie sich zum KI-Update an Melden Sie sich zum KI-Update an [4]

(akr [5])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-6054601

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/download/product/blender-13137
[2]  https://www.heise.de/select/ct/archiv/2014/8/seite-162%20
[3] https://www.blender.org/download/releases/2-93/
[4] https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner
[5] mailto:akr@ct.de