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Freiheitsredner machen Mut zu Diskussionen

Detlef Borchers

Drei Wochen nach dem Debut des Freiheitsredner-Vermittlungsdienstes wurde an der UniversitÀt Paderborn vor wenig Publikum die erste Rede gehalten.

Drei Wochen nach dem Start des Dienstes, der bundesweit Freiheitsredner [1] vermittelt, stehen 65 Freiwillige bereit, in Schulen und UniversitĂ€ten ĂŒber Datenschutz und PrivatsphĂ€re zu sprechen. Bislang wurden 15 Rednerauftritte gebucht. Die erste Freiheitsrede dieser Art fand gestern Abend an der UniversitĂ€t Paderborn statt. Ein Dutzend Unentwegte kamen und hörten sich den Vortrag des beim FoeBuD [2] angestellten Politikwissenschaftlers Florian Glatzner an.

In seinem akademisch gehaltenen Vortrag informierte Glatzner ausfĂŒhrlich ĂŒber die Vorratsdatenspeicherung und die neuesten Überwachungstrends. Dabei setzte er sich mit zwei Grundhaltungen auseinander, die in der Debatte um die PrivatsphĂ€re gerne angefĂŒhrt werden. Das "ich habe nichts zu verbergen" des ehrlichen BĂŒrgers ist Glatzner zufolge eine trĂŒgerische Einstellung. Sie gehe davon aus, dass persönliche Daten belanglos seien, was im Zeitalter des Data Mining und der Rasterfahnung nicht mehr stimme. Auch die zweite Haltung, das "wir werden doch schon jetzt ĂŒberall erfasst", wie sie etwa die GeneralbundesanwĂ€ltin Monika Harms in einem Spiegel-GesprĂ€ch [3] vertritt, ist nach Glatzner kontraproduktiv. Schließlich könnten sich die "Kontexte Ă€ndern" und Regierungen Gesetze beschließen, nach denen die scheinbar disparaten DatensĂ€tzen zusammengefĂŒgt werden.

Abschließend erklĂ€rte der Freiheitsredner [4], was jeder Einzelne gegen den Angriff auf die PrivatsphĂ€re unternehmen kann – von der Mobilisierung der politischen MandatstrĂ€ger bis zur Diskussion im Freundeskreis. Schon ein schlichtes "Ich möchte mich nicht ĂŒberwachen lassen" auf die Kassiererinnenfrage nach der Payback-Karte könne ein Denkanstoß sein.

In universitĂ€rer Umgebung in einem schlichten Hörsaal vorgetragen, kam die mit ein paar Folien unterstĂŒtzte Freiheitsrede bei den wenigen Zuhörern an. Das zeigte die rege Diskussion nach dem Vortrag. Wenn die Freiheitsredner an Schulen und Volkshochschulen Wissen vermitteln wollen, wie dies etwa die Musikindustrie [5] mit ihren von der Internet-Piraterie finanzierten VortrĂ€gen versucht, so sollte der Vortrag anschaulicher ausfallen und mindestens bebildert werden. (Detlef Borchers) / (vbr [6])


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https://www.heise.de/-133712

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/Rednerdienst-will-ueber-Privatsphaere-informieren-176444.html
[2] http://www.foebud.org
[3] http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,485007,00.html
[4] http://www.freiheitsredner.de/
[5] http://portal.school-tour.de/index.php?option=com_content&task=view&id=184&Itemid=86
[6] mailto:vbr@heise.de