FriedenspreistrÀger Lanier: "Wir leben in gruseligen Zeiten"
Der US-Informatiker Jaron Lanier warnt vor obsessivem Datensammeln und ruft dazu auf, humanistische Werte im Internet zu verteidigen. Am Sonntag erhÀlt er den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.
Die AnhĂ€ufung von immer mehr Daten macht Geheimdienste nach Ansicht des US-Informatikers Jaron Lanier nicht klĂŒger. Das obsessive Sammeln von Daten gehe mit wachsender Inkompetenz einher, sagte Lanier, der am Sonntag mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet wird [1]. Als Beispiel nannte er das Erstarken der Terrormiliz Islamischer Staat in Syrien und im Irak, das von den US-Geheimdiensten erst spĂ€t bemerkt worden sei. Auf der Frankfurter Buchmesse rief Lanier am Freitag dazu auf, humanistische Werte im Internet zu verteidigen.
(Bild:Â jaronlanier.com)
"Informationen sind Macht", sagte Lanier, der als Forscher an der Entwicklung des Internets mitwirkte. Wenn ein Staat mit den Daten seiner BĂŒrger zu viel Macht erhalte, werde die Demokratie untergraben. In Deutschland erinnere das Beispiel der DDR daran, wie stark eine zentralisierte Informationsmacht in das Leben der Menschen eingreife.
"Wir leben in sehr gruseligen Zeiten", sagte Lanier. Wer seine Daten Internet-Diensten wie Google und Facebook kostenlos ĂŒberlasse, trage dazu bei, dass sich der Reichtum in den HĂ€nden weniger MilliardĂ€re konzentriere. Zugleich werde die breite Mittelschicht der Gesellschaft geschwĂ€cht. Dies erinnere ihn an die Kolonialzeit, als die Ausbeutung von Rohstoffen in neu besiedelten LĂ€ndern den dort lebenden Menschen keinerlei Nutzen gebracht habe.
"Alternativen zum Schwarz-WeiĂ-Denken"
Die Auszeichnung mit dem Friedenspreis [2] habe ihn sehr ĂŒberrascht, sagte Lanier. Er wolle den Preis als Chance nutzen, um fĂŒr neue AnsĂ€tze im Umgang mit den Möglichkeiten digitaler Netze zu werben. Der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Heinrich RiethmĂŒller, sagte, Lanier verbinde das Eintreten fĂŒr humanistische Werte mit amerikanischem Pragmatismus. Der 54-JĂ€hrige zeige Alternativen zum Schwarz-WeiĂ-Denken auf, "das oft entsteht, wenn wir die ZusammenhĂ€nge nicht begreifen".
Der Friedenspreis soll dem Frieden, der Menschlichkeit und der VerstĂ€ndigung der Völker dienen. Er ist mit 25.000 Euro dotiert. Im vergangenen Jahr ging der Preis an die weiĂrussische Schriftstellerin Swetlana Alexijewitsch. (mho [3])
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[2] http://www.friedenspreis-des-deutschen-buchhandels.de/445722/?aid=800948
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