"GefÀhrlich inkompetent": US-Wissenschaftsmagazine klar gegen Trump-Wiederwahl
(Bild: 3dfoto/Shutterstock.com)
Wissenschaftsmagazine halten sich zumeist aus der Politik heraus. Vor den Wahlen ist das in den USA aktuell anders, teilweise entgegen sehr alter Traditionen.
Gleich mehrere der weltweit wichtigsten wissenschaftlichen Fachmagazine haben sich in den vergangenen Tagen mit harscher Kritik gegen eine Wiederwahl von US-PrĂ€sident Donald Trump ausgesprochen. Vorgelegt hatte das populĂ€rwissenschaftliche Magazin Scientific American mit der ersten Wahlempfehlung seiner Geschichte, es folgten Ă€uĂerst kritische MeinungsbeitrĂ€ge zur US-Regierung in den Fachmagazinen The New England Journal of Medicine, in Science und schlieĂlich nun in Nature. In seiner Gesamtheit handelt es sich um einen beispiellosen Vorgang, der seinen Ursprung nicht nur im Versagen der US-Regierung im Umgang mit der Corona-Krise haben dĂŒrfte.
Beispiellose Einigkeit
Am 1. Oktober hatte das Wissenschaftsmagazin Scientific American zum ersten Mal in seiner 175-jĂ€hrigen Geschichte zur Wahl eines bestimmten PrĂ€sidentschaftskandidaten aufgerufen [1] â des Demokraten Joe Biden. Donald Trump habe den Vereinigten Staaten immens geschadet, in der Pandemie hĂ€tte sein Widerstand gegen Beweise und MaĂnahmen fĂŒr die öffentliche Gesundheit katastrophale Folgen gehabt. Wenige Tage spĂ€ter folgte mit dem The New England Journal of Medicine eines der angesehensten medizinischen Fachmagazine der Welt: Unter dem Titel "Dying in a Leadership Vacuum [2]", heiĂt es dort unter anderem, die politische FĂŒhrung der USA sei "gefĂ€hrlich inkompetent". Die 208 Jahre alte Institution hatte vorher nie zu einer US-Wahl Stellung bezogen.
Etwas frĂŒher hatte der Chefredakteur des Fachmagazins Science Trump LĂŒgen vorgeworfen [3] und angesichts von dessen Herunterspielen der Gefahren von Covid-19 vom vielleicht beschĂ€mendsten Moment der US-Forschungspolitik gesprochen. Zwar sei es seiner Publikation laut Statuten untersagt, eine Wahlempfehlung auszugeben, es ist aber unzweifelhaft, wie die ausfallen wĂŒrde. Nature hat damit mehr Erfahrungen (von dort war bereits zur Wahl Hillary Clintons und Barack Obamas aufgerufen worden) und wird nun noch deutlicher: Kein anderer PrĂ€sident der jĂŒngeren US-Geschichte habe so vehement derart viele wertvolle Institutionen attackiert und unterminiert, wie Trump, heiĂt es da [4]. Seine Regierung habe systematisch wissenschaftliche KapazitĂ€ten dezimiert.
Mit dieser scharfen Kritik und der Abkehr von teilweise jahrhundertealten Traditionen machen die Wissenschaftler auch deutlich, dass es fĂŒr sie aktuell keine Option ist, sich nicht politisch zu Ă€uĂern. Donald Trump hatte in einer seiner ersten Amtshandlungen Fördergelder fĂŒr die Wissenschaft gestrichen [5] und Informationen zum Klimawandel verstecken lassen. Immer wieder hat er deutlich gemacht, dass er wissenschaftliche Erkenntnisse nur respektiert, wenn er persönlich profitieren kann. Im FrĂŒhjahr 2017 hatten weltweit Tausende fĂŒr die Wissenschaft und gegen den damals frischgewĂ€hlten US-PrĂ€sidenten demonstriert [6]. Das war lange vor jener Pandemie, die die Welt 2020 in Atem hielt und die in den USA bislang nicht unter Kontrolle gebracht wurde.
(mho [8])
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[1] https://www.scientificamerican.com/article/scientific-american-endorses-joe-biden1/
[2] https://www.nejm.org/doi/10.1056/NEJMe2029812
[3] https://science.sciencemag.org/content/369/6510/1409
[4] https://www.nature.com/articles/d41586-020-02852-x
[5] https://www.heise.de/news/March-for-Science-Woher-kommt-der-Hass-auf-Forscher-3687817.html
[6] https://www.heise.de/news/March-for-Science-Weltweite-Demonstrationen-fuer-die-Forschung-3691077.html
[7] https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner
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