Großzügigere Vergabe soll IPv6 auf die Sprünge helfen

1.663.791.412.799.551.089.464.422.957.056 -- soviele IPv6-Adressen haben die IP-Vergabestellen bereits an 168 Internet-Provider in aller Welt vergeben.

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  • Monika Ermert

1.663.791.412.799.551.089.464.422.957.056 -- soviele IPv6-Adressen haben die IP-Vergabestellen bereits an 168 Internet-Provider in aller Welt vergeben. Mit zum 1. Juli von den IP-Registries eingeführten und Mitte der Woche von ICANN veröffentlichten Vergaberegeln für die neuen Nummern soll die Zuteilung einfacher und großzügiger geregelt werden.

Für einen echten Durchbruch für IPv6 fehlt es aber vor allem noch an Hardware. Rund 10.000 Rechner sind nach Schätzung von Gerd Döring, Hostmaster von Space.net und IPv6-Experte, derzeit über die neuen Adressen zu erreichen. Solange Firewalls und Drucker nicht IPv6 unterstützen, ist für eine Umstellung für Unternehmen laut Döring mit Schwierigkeiten verbunden und daher in erster Linie für Firmen interessant, die Software und Hardware mit IPv6-Support entwickeln wollen.

Die neuen Richtlinien sollen nun wenigstens die Adressvergabe erleichtern. Nach den neuen Vergaberichtlinien bekommen die Provider /32- statt /35-Blöcke, also größere Adressräume. "Für eine sinnvolle interne Routing-Hierarchie ist selbst das noch knapp, aber ein /35 war einfach zu wenig", sagt Döring. Die großzügigere Zuteilung soll verhindern, dass die ISP zu schnell nachbestellen müssen und damit auch die Routing-Tabellen zu kompliziert werden. Auch die Endkunden sollen von den ISP dann in der Regel ganze /48-Blöcke erhalten, das sind immerhin noch 280 Adressen. Davon würden viele sicherlich nur einen Teil brauchen. Weniger gibt es, wenn nur ein Subnet oder tatsächlich nur ein einzelnes Gerät angeschlossen wird (/64 bzw. /128).

Auch bei Zweit-Zuteilungen ist man etwas weniger streng als bisher. Zwar muss man einen nach einer bestimmten Formel berechneten Nutzungsgrad nachweisen. Doch wird nicht mehr strikt gefordert, dass 80 Prozent des Netzes voll sind. Allerdings warnt man bei aller Großzügigkeit vor einem zu verschwenderischen Umgang mit der "öffentlichen Ressource", die den Nutzern nach der Vergabe auch nicht "gehört": "Auch wenn IPv6 einen extrem großen Adresspool bereithält, sollte die Adresspolitik eine unnötige Verschwendung verhindern. Anfragen nach Adressraum sollten angemessen dokumentiert sein und das Horten nicht genutzter Adressen sollte vermieden werden."

Obwohl alle drei Regional Internet Registries (APNIC, ARIN, RIPE) der Neuregelung im zugestimmt und RIPE und APNIC die Regeln bereits seit 1. Juli umsetzen, gibt es aber weiterhin Diskussionbedarf. Vor allem die Anforderung, das ISP mindestens 200 Kunden für /48-Blöcke haben sollen, stößt auf Bedenken: Kleinere Anbieter könnten benachteiligt sein. Hintergrund der Regelung ist wohl vor allem die Befürchtung, dass die Routing-Tabellen zu groß werden, wenn Kleinstanbieter oder gar Endkunden versuchen würden, eigene Adressen zu bestellen. Noch offen gelassen habe man aber etwa, so Döring, das Thema "Allokation für Endkunden mit multihoming", darüber wird weiter diskutiert.

Für Grundlagen, Spezifikationen und weitere Berichte zu IPv6 siehe:

(Monika Ermert) / (jk)