Haftstrafe nach Megahack bei Equifax - wegen Insiderhandels
(Bild: gemeinfrei)
Der Ex-Technikchef Equifax' muss ins GefĂ€ngnis. Er hat den verheerenden Hack seiner Firma fĂŒr illegale BörsengeschĂ€fte genutzt.
Jun Ying, ehemals Chief Information Officer (CIO) Equifax', hat eine Haftstrafe von vier Monaten plus einem Jahr BewÀhrung bekommen. Der Mann hatte sich zuvor des Insiderhandels schuldig bekannt. Er hatte 2017 den Megahack bei seinem damalige Arbeitgeber erahnt und vor der öffentlichen Bekanntgabe Aktien verkauft.
Equifax ist die gröĂte Wirtschaftsauskunftei der USA und vielleicht der Welt. Bei der Firma reihte sich ein Lehrbuchfehler bei der IT-Sicherheit an den nĂ€chsten, wiederholte Warnungen wurden ignoriert. 2017 wurde der Equifax-Datenschatz zum Jackpot fĂŒr unbekannte Hacker [1]. Deren Treiben blieb monatelang unentdeckt.
Aktien vor Kursrutsch verkauft
Als der Einbruch schlieĂlich bemerkt wurde, versuchte die Firma, sich auf die öffentliche Bekanntgabe vorzubereiten. In diesem Zusammenhang erhielt Ying, damals CIO bei Equifax, firmenintern Informationen, aus denen er schlieĂen konnte, dass tatsĂ€chlich das eigene Unternehmen getroffen worden war.
Der CIO löste alle seine Aktienoptionen ein und verkaufte die dabei erworbenen Aktien umgehend zu einem Gesamtpreis von rund einer Million US-Dollar. Laut Anklage brachte ihm das einen Gewinn von annÀhernd einer halben Million Dollar ein. Strafrechtlich relevant war, dass Ying verglichen mit dem deutlich niedrigeren Aktienkurs nach Bekanntgabe des Daten-GAU einen Verlust von mehr als 117.000 Dollar vermeiden konnte.
Nach anfÀnglichem Leugnen hat sich der Ex-Manager im MÀrz schuldig bekannt und wurde nun zu der kurzen Haftstrafe verurteilt. ZusÀtzlich muss er 55.000 Dollar Strafe zahlen und die Abschöpfung der gut 117.000 Dollar hinnehmen.
Gewinn mit Optionen
Ying ist der zweite ehemalige Equifax-Mitarbeiter, der wegen Insiderhandels in Verbindung mit dem selben Vorfall verurteilt ist. Sudhakar Reddy Bonthu, damals ein leitender Mitarbeiter der Softwareentwicklung, hatte aus neuen ArbeitsauftrĂ€gen auf den Hack geschlossen. Daraufhin kaufter er Put-Optionen, die er nach Bekanntgabe des Hacks ausĂŒbte.
Damit soll Bonthu knapp 76.000 US-Dollar Gewinn gemacht haben. Er wurde im Oktober zu acht Monaten Hausarrest, 50.000 US-Dollar Geldstrafe und Abschöpfung des unrechtmĂ€Ăigen Gewinns verurteilt. Erschwerend kam hinzu, dass Equifax seinen Mitarbeitern den Handel mit Optionen auf Equifax-Wertpapiere grundsĂ€tzlich untersagt.
(Bild:Â Equifax (Faksimile))
Beide Verfahren wurden vor dem US-Bundesbezirksgericht fĂŒr das nördliche Georgia gefĂŒhrt. SEC v. Sudhakar Reddy Bonthu hatte das Az. 1:18-cv-03114, wĂ€hrend United States v. Ying unter dem Az. 1:18-cr-00074 zu finden ist.
Der Datenschutz-GAU fĂŒr US-Finanzwelt
Die unbekannten Hacker knackten den Daten-Jackpot bei Equifax im Mai 2017. DatensĂ€tze ĂŒber 148 Millionen US-Amerikaner mit deren Namen und Geburtsdaten, und verschiedentlich den lebenslang gĂŒltigen Sozialversicherungsnummern, Adressen, Steuernummern, FĂŒhrerscheindaten und weiteren Dokumenten lagen den Eindringlingen offen. AuĂerdem gelangten die Kreditkartennummern von 209.000 US-Amerikanern in falsche HĂ€nde. Auch dĂŒrfte eine nicht bekannte Zahl an AuslĂ€ndern betroffen sein.
Vielleicht noch schlimmer: Akten ĂŒber 182.000 US-BĂŒrger, die falsche Angaben in ihrer Credit History bemerkt und um deren Korrektur angesucht hatten, sind ebenfalls von dem Hack erfasst. Besseres Ausgangsmaterial fĂŒr IdentitĂ€tsanmaĂung als diese Unterlagen kann man sich kaum vorstellen. Der Gesamtschaden wird sich wohl nie abschĂ€tzen lassen.
Eine Untersuchung des US-Parlaments hat in der Folge frappierende VersÀumnisse der Datenfirma offengelegt. Der umfassende Bericht ist zu dem Schluss gekommen, dass der Megahack Equifax' absolut vermeidbar [2] gewesen wÀre. (ds [3])
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[2] https://www.heise.de/news/Megahack-Equifax-war-absolut-vermeidbar-4259677.html
[3] mailto:ds@heise.de
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