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Handelskrieg mit den USA: China schwingt die "Rohstoff-Keule"

Handelskrieg mit den USA: China schwingt die

(Bild: danielo/Shutterstock.com)

Nach der US-Eskalation gegen Huawei greift Peking in die Waffenkiste und will Rohstoffe verknappen. Drohen auch EngpĂ€sse fĂŒr die deutsche Wirtschaft?

Im Handelskrieg mit den USA hat China mit einer Verknappung der Seltenen Erden gedroht. Ein hoher Regierungsbeamter sowie Staatsmedien machten am Mittwoch deutlich, dass China die wichtigen High-Tech-Metalle als Waffe im Handelskonflikt und im Kampf gegen das Vorgehen der USA gegen den Telekom-Riesen Huawei einsetzen könnte. "Sagt hinterher nicht, wir hÀtten Euch nicht gewarnt", schrieb das Parteiorgan Volkszeitung.

Experten warnten, dass LieferengpĂ€sse auch starke Auswirkungen auf die Weltwirtschaft hĂ€tten. China ist der weltgrĂ¶ĂŸte Produzent. Die 17 Metalle, zu denen Neodym, Lanthan und Cer gehören, werden besonders in der High-Tech-Industrie benutzt – etwa fĂŒr Smartphones, Computer, Bildschirme und andere ElektrogerĂ€te oder Windkraftanlagen und Autos. Die USA beziehen 80 Prozent davon aus China.

US-Sanktionen gegen Huawei

Die USA wollten mit eigenen Produkten, die aus Seltenen Erden hergestellt wĂŒrden, gegen Chinas Entwicklung ankĂ€mpfen und diese "unterdrĂŒcken", schrieb die Volkszeitung [16]. "Das chinesische Volk wird das niemals zulassen." Ähnlich Ă€ußerte sich ein Sprecher der mĂ€chtigen Entwicklungs- und Reformkommission (NDRC), in einem Interview der Global Times: "Ohne Kooperation kann keine Entwicklung und kein Fortschritt erreicht werden."

"Die Industrieketten zwischen den USA und China sind höchst integriert und ergĂ€nzen sich in starkem Maße gegenseitig", schrieb die Volkszeitung. "Es gibt keinen Gewinner in einem Handelskrieg." Die USA sollten Chinas FĂ€higkeiten, seine eigenen Entwicklungsinteressen zu schĂŒtzen, "nicht unterschĂ€tzen".

Anders als der Name vermuten lĂ€sst, sind die Seltenen Erden gar nicht so selten, doch ist ihr Abbau sehr aufwendig und umweltschĂ€dlich. Ein Lieferengpass hĂ€tte "fatale Wirkungen" fĂŒr die Weltwirtschaft, warnte das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln und sprach von Chinas "Rohstoff-Keule im Handelsstreit". Seit 2011 stehen Seltene Erden auf der Liste kritischer Rohstoffe fĂŒr die EU. Der europĂ€ische Staatenverbund ist komplett auf Importe von außerhalb angewiesen. Eine Verknappung wĂŒrde unter anderem die Preise steigen lassen.

Die Wirtschaft in Deutschland muss nach EinschĂ€tzung der Bundesanstalt fĂŒr Geowissenschaft und Rohstoffe (BGR) keine LieferengpĂ€sse bei Seltenen Erden befĂŒrchten. "Wir sehen die Gefahren kurz und mittelfristig als eher niedrig an", sagte Harald Elsner, Wirtschaftsgeologe bei der BGR. Deutschland habe 2018 rund 9724 Tonnen seltene Erdmetalle und -verbindungen importiert. Unter dem Strich stammten davon 80 Prozent aus China und 20 Prozent aus Russland. Diese Zahlen seien in den vergangenen Jahren relativ konstant gewesen.

Große Unternehmen kauften fĂŒr die Produktion in Deutschland direkt in China ein und hĂ€tten langfristige LiefervertrĂ€ge, die von der Auseinandersetzung nicht betroffen seien, heiß es bei der BGR. Unternehmen, die auch in den USA produzieren, könnten aber durchaus die Auswirkungen zu spĂŒren bekommen. Kleinere Unternehmen in Deutschland hĂ€tten noch genĂŒgend VorrĂ€te an Seltenen Erden, sie wĂŒrden vor allem von einem österreichischen ZwischenhĂ€ndler versorgt. Eine andere Bezugsquelle, die inzwischen immer wichtiger werde, sei der australische Hersteller Lynas Corporation mit einem weltweiten Marktanteil von etwa 15 Prozent bei Seltenen Erden.

US-PrĂ€sident Donald Trump hatte den Handelskrieg in den vergangenen Wochen noch verschĂ€rft [17], indem er die Sonderzölle auf China-Importe erhöhte und den chinesischen Telekom-Riesen Huawei auf eine "schwarze Liste" setzte. Damit unterliegen dessen GeschĂ€ftsbeziehungen zu US-Partnern strengen Kontrollen. Trump begrĂŒndet seine Schritte mit Sicherheitsbedenken gegen Technik aus China.

Der grĂ¶ĂŸte NetzwerkausrĂŒster und zweitgrĂ¶ĂŸte Smartphone-Hersteller der Welt kritisierte das Vorgehen der USA als "gefĂ€hrlichen PrĂ€zedenzfall" [18]. Er beantragte vor einem Gericht im US-Bundesstaat Texas eine Beschleunigung seiner vorliegenden Klage gegen die "illegalen" BeschrĂ€nkungen seines USA-GeschĂ€ft, wie Chefjurist Song Liuping am Mittwoch am Firmensitz in Shenzhen in SĂŒdchina mitteilte.

Der juristische Schritt soll die im MĂ€rz vorgebrachte Klage vor dem texanischen US-Bezirksgericht schneller voranbringen. Damit wird die VerfassungsmĂ€ĂŸigkeit des Abschnitts 889 des National Defense Authorization Act (NDAA) der USA in Frage gestellt. Demnach wird US-Behörden der Kauf und Einsatz von Huawei-Technik und -Diensten untersagt. Auch dĂŒrfen sie keine GeschĂ€ftsbeziehungen zu Dritten unterhalten, die Huawei-AusrĂŒstung einsetzen.

Mit den neuen Sonderzöllen und dem US-Vorgehen gegen Huawei liegen die HandelsgesprĂ€che zwischen den beiden grĂ¶ĂŸten Volkswirtschaften auf Eis. An diesem Freitag treten um Mitternacht als Vergeltung fĂŒr die US-Sonderzölle angekĂŒndigte Zusatzabgaben Chinas auf Importe aus den USA im Wert von 60 Milliarden US-Dollar in Kraft. Die Zölle steigen auf 10 bis 25 Prozent. Es ist eine Reaktion auf die Erhöhung von US-Zusatzzöllen auf 25 Prozent auf chinesische Importe im Wert von 200 Milliarden US-Dollar Anfang Mai, was die GesprĂ€che platzen ließ.

Huawei steht in den USA auch wegen der AffĂ€re um die Tochter des UnternehmensgrĂŒnders Ren Zhengfei unter Druck: Meng Wanzhou, die Finanzchefin, sitzt unter strengen Auflagen in Kanada fest. Die USA haben ihre Auslieferung beantragt. Ihr wird Bankbetrug bei der Verletzung von Sanktionen gegen den Iran vorgeworfen. Der Fall belastet auch die Beziehungen zwischen Kanada und China. (mho [19])


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[2] https://www.heise.de/news/US-Sanktionen-Huawei-verkauft-weniger-Smartphones-in-Deutschland-4443772.html
[3] https://www.heise.de/news/Android-auf-Huawei-Smartphones-Google-will-Ausnahme-fuer-Huawei-Sanktionen-4442171.html
[4] https://www.heise.de/news/Huawei-faehrt-Smartphone-Produktion-zurueck-4436773.html
[5] https://www.heise.de/news/Huawei-Konflikt-China-kuendigt-eigene-schwarze-Liste-an-4436209.html
[6] https://www.heise.de/news/Handelskrieg-mit-den-USA-China-schwingt-die-Rohstoff-Keule-4435599.html
[7] https://www.heise.de/news/Huawei-Auch-ARM-beendet-Geschaeftsbeziehungen-4429051.html
[8] https://www.heise.de/news/Huawei-Eigenes-Betriebssystem-koennte-schon-im-Herbst-fertig-sein-4428890.html
[9] https://www.heise.de/meinung/Kommentar-Huawei-Google-das-Straucheln-der-Datensammler-4426864.html
[10] https://www.heise.de/news/Huawei-Die-moeglichen-Auswirkungen-des-US-Telekommunikationsnotstands-4425906.html
[11] https://www.heise.de/news/Auch-Infineon-kappt-wohl-Geschaeftsbeziehungen-zu-Huawei-4425696.html
[12] https://www.heise.de/news/Google-sperrt-Huawei-aus-Das-bedeutet-der-Android-Bann-fuer-die-Nutzer-4425587.html
[13] https://www.heise.de/news/Google-sperrt-Android-Updates-und-den-Play-Store-fuer-Huawei-4425528.html
[14] https://www.heise.de/news/US-Bann-gegen-Huawei-Deutschland-bemueht-sich-um-Pragmatismus-4424151.html
[15] https://www.heise.de/news/Trump-verbietet-Telekommunikationsgeschaefte-mit-Firmen-gegnerischer-Staaten-4423397.html
[16] http://paper.people.com.cn/rmrb/html/2019-05/29/nw.D110000renmrb_20190529_4-03.htm
[17] https://www.heise.de/news/Huawei-Die-moeglichen-Auswirkungen-des-US-Telekommunikationsnotstands-4425906.html
[18] https://www.heise.de/news/Huawei-Vorgehen-der-USA-ein-gefaehrlicher-Praezedenzfall-4435018.html
[19] mailto:mho@heise.de