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Hasspostings gegen Frauen: Razzien in elf BundeslÀndern Update

Malte Kirchner
Zwei deutsche Polizeiautos

(Bild: C. Nass/Shutterstock.com)

In der scheinbaren AnonymitĂ€t des Netzes fĂŒhlen sich Hater wohl. Das Bundeskriminalamt holte jetzt zum Schlag gegen Urheber von Frauenhass-Postings aus.

Den heutigen Weltfrauentag haben Strafverfolger zum Anlass genommen, in einer bundesweiten Aktion gegen die Urheber von Frauenfeindlichkeit im Internet vorzugehen. In elf BundeslĂ€ndern wurden am Donnerstag 45 Beschuldigte vernommen oder sogar deren Wohnungen durchsucht. Organisiert hatten die Aktionen das Bundeskriminalamt (BKA) und die Zentralstelle zur BekĂ€mpfung der InternetkriminalitĂ€t (ZIT) bei der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main. Schon im Vorfeld wurden bei weiteren Beschuldigten Maßnahmen ergriffen, teilte das BKA mit [1].

Insgesamt gab es nach Auskunft des BKA 91 TatverdĂ€chtige, davon 81 sind mĂ€nnlich und 10 weiblich. Die mĂ€nnlichen TatverdĂ€chtigen finden sich in nahezu allen Altersgruppen wieder, wobei die Altersgruppen ĂŒber 40 höher reprĂ€sentiert sind, wie heise online auf Nachfrage erfuhr. Die weiblichen TatverdĂ€chtigen finden sich in den Altersgruppen 30 Jahre und aufwĂ€rts.

Pauschale Verunglimpfungen von Frauen können nach einem Urteil des Oberlandesgerichts Köln aus dem Jahr 2020 als Volksverhetzung strafbar sein. Am jetzigen Aktionstag ermittelten BKA und ZIT unter anderem gegen die Urheber von Postings, in denen Frauen sexualisiert beleidigt oder verleumdet wurden. Auch die BefĂŒrwortung von Straftaten wie Vergewaltigung und sexuelle Nötigung sowie die Verbreitung von Folter- und Tötungsvideos sind Gegenstand der Ermittlungen. Die entsprechenden BeitrĂ€ge wurden auf verschiedenen Online-Plattformen entdeckt.

Maßnahmen fanden in Baden-WĂŒrttemberg, Bayern, Brandenburg, Bremen, Hessen, Hamburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein statt. Laut BKA werden auch Ermittlungsverfahren wegen digitaler HasskriminalitĂ€t zum Nachteil von Frauen eingeleitet. Die Ermittlungsverfahren sind von den Staatsanwaltschaften der jeweiligen BundeslĂ€nder ĂŒbernommen und in eigener ZustĂ€ndigkeit fortgefĂŒhrt worden.

In Hessen gibt es neun TatverdÀchtige, wobei es sich nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft um sechs MÀnner und drei Frauen im Alter von 19 bis 79 Jahren handelt.

"Wir gehen bewusst in die RĂ€ume des Hasses, stellen Taten und TĂ€ter fest, holen sie aus der AnonymitĂ€t und ziehen sie zur Rechenschaft", erklĂ€rte BKA-PrĂ€sident Holger MĂŒnch anlĂ€sslich des Aktionstages. Hessens Generalstaatsanwalt Torsten Kunze ergĂ€nzt: "Massive Beleidigungen, Verleumdungen oder Bedrohungen sind nicht nur erhebliche Straftaten, sondern können auch dazu fĂŒhren, dass sich die Betroffenen aus dem Internet zurĂŒckziehen. Deswegen verfolgen wir diese Straftaten konsequent und in enger Abstimmung mit den Staatsanwaltschaften der anderen BundeslĂ€nder."

Weltweit rĂŒcken Hass-Postings immer mehr in den Fokus von Politik und Strafverfolgern. In Kanada wird sogar darĂŒber nachgedacht [2], in einigen FĂ€llen lebenslange Haftstrafen gegen TĂ€ter auszusprechen.

Update

Es wurden weitere Detailangaben aus Hessen hinzugefĂŒgt.

Update

Es wurden weitere Details zu den TatverdÀchtigen bundesweit ergÀnzt.

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(mki [4])


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https://www.heise.de/-9649716

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.bka.de/DE/Presse/Listenseite_Pressemitteilungen/2024/Presse2024/240306_PM_Aktionstag_gegen_Frauenfeindlichkeit.html?nn=27906
[2] https://www.heise.de/news/Kanada-plant-lebenslange-Haft-fuer-Hass-Postings-9640916.html
[3] https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner
[4] mailto:mki@heise.de